1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport

Kreis klagt über Schiri-Mangel in der Pandemie

Erstellt:

Kommentare

Rainer Heß, Kreisschiedsrichterobmann.
Rainer Heß, Kreisschiedsrichterobmann. © Kreisschiedsrichtervereinigung

Etwa 40 Schiedsrichter hat der Fußballkreis Hersfeld-Rotenburg seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren verloren. Wir haben vor Beginn des Neulingslehrgangs am 4. März nach den Gründen gefragt.

Hersfeld-Rotenburg – Für Rainer Heß, den Schiedsrichterwart des Fußballkreises Hersfeld-Rotenburg, ist es seit der vergangenen Saison immer schwieriger, Spielleiter für die Begegnungen in den Kreisligen anzusetzen. Teilweise gleicht das einem Glücksspiel. „Die Ansetzungen erfordern immer größeren Aufwand“, sagt Heß.

Das weiß auch Mario Czieslick, Kreisschiedsrichter-Lehrwart aus Bad Hersfeld. „Manche Partien können einfach nicht besetzt werden und müssen deshalb auf einen anderen Termin verlegt werden“, berichtet er. Zahlen zeigen, wie dünn die Luft mittlerweile ist: Etwa 40 Schiedsrichter hat der Fußballkreis Hersfeld-Rotenburg seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren verloren, erzählt Czieslick, der selbst Verbandsliga pfeift und in der Hessenliga Assistent ist.

„Ich habe in den letzten vier Wochen fünf Abmeldungen erhalten“, berichtet Kreisschiedsrichterwart Heß. Dafür gäbe es mehrere Gründe. Manche Schiedsrichter hätten aufgrund der langen Wettkampfpausen schlichtweg die Lust verloren. Außerdem hätten insbesondere jüngere Unparteiische oft andere oder vermeintlich bessere Dinge im Kopf, als am Wochenende Fußballspiele zu leiten. „Manche zieht es aufgrund von Arbeit oder Studium auch in andere Regionen. Das kann man keinem verdenken und wohl auch nicht ändern“, findet Heß.

Was auch nicht unbedingt die Lust aufs Schiedsrichterwesen steigern dürfte: Die Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern würde sich in letzter Zeit häufen, hat Czieslick mitbekommen. Das sei in unteren Klassen, vor allem aber im Jugendbereich zu beobachten. „Der Umgangston ist rauer geworden. Es ist schon bedauerlich, welchen verbalen Attacken die Schiedsrichter da teilweise ausgesetzt werden“, beklagt er. Man sollte bedenken, dass auch Nachwuchs-Schiedsrichter eine Entwicklung durchmachen. „Da sollte man den ein oder anderen Fehler gelassener hinnehmen“, gibt Czieslick zu bedenken.

Rainer Heß hat erkannt, dass die Nerven einiger Spieler seit Ausbruch der Pandemie schneller blank lägen und berichtet von dem Fall einer jungen Schiedsrichterin, die sich nach einem Vorfall während eines Spiels umgehend abgemeldet habe. Sie habe schlichtweg die Lust an ihrem neuen Hobby verloren. „Das kann man niemanden verübeln“, sagt Heß verständnisvoll.

Etwa 50 Prozent der Jung-Schiedsrichter würden in den ersten beiden Jahren erfahrungsgemäß wieder abspringen. „Den jungen Leuten wird es oftmals einfach zu viel, jede Woche auf dem Sportplatz zu stehen. Das war früher ganz anders“, erinnert er sich. So seien die älteren Unparteiischen auch heutzutage noch eine Bank. „Manche muss ich sogar bremsen, damit sie sich nicht zu viel zumuten und verletzen“, sagt Heß. 120 Schiedsrichter sind im Fußballkreis Hersfeld-Rotenburg derzeit aktiv. Etwa ein Drittel der Unparteiischen sind jünger als 18.

Erfahrungen aus dem Schiedsrichter-Job könnten sich auch positiv auf das Privat- oder spätere Berufsleben auswirken, meint Czieslick. Neben dieser „Persönlichkeitsentwicklung“ gibt es für den Lehrwart auch einen persönlichen Grund, weshalb er um Schiri-Nachwuchs wirbt. „Man kann dem Fußball verbunden bleiben, auch wenn man selbst kein begnadetes Talent ist“, sagt er. Und: Der Weg nach oben sei gar nicht einmal so weit.

Auch interessant

Kommentare