Fußball

Addi Schade wird 75: Erst das Studium, dann der Fußball

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Kein Tor: Addi Schade (zweiter von links) verhindert 1972 beim Gastspiel des KSV Hessen in München gegen 1860 einen Gegentreffer. Im Hintergrund sind Holger Brück und Herbert Maciossek zu erkennen. ARCHIVFoto: WEREK

Als Spieler und Trainer war er eine feste Größe im nordhessischen Fußball. An diesen Sonntag nun wird er 75: Hans-Adolf ("Addi") Schade.

Mitte der Sechzigerjahre, Borussia Mönchengladbach gastiert im Kasseler Aue-stadion. Im Mittelfeld regiert Günter Netzer, der stets von Herbert Wimmer unterstützt wird, auch die Stürmer Jupp Heynckes sowie Bernd Rupp zählen zu den Talentiertesten im deutschen Fußball. Nur am linken Flügel sind die Borussen nicht optimal besetzt – und nun kommt Hans-Adolf (Addi) Schade ins Spiel.

Schade, der an diesem Sonntag 75 wird, ist damals eigentlich Rechtsaußen des KSV Hessen, wird aber für das Testspiel gegen Gladbach als Linksaußen nominiert. Der schnelle Flügelstürmer war zwar kein Flankengott, aber Borussen-Trainer Hennes Weisweiler gefällt die Spielweise des Kasselers. Jedenfalls setzt Weisweiler den kampfstarken Addi Schade auf seine Personal-Wunschliste.

Schade erhält ein Angebot, das damals wohl die meisten Fußballer angenommen hätten. Doch der Kasseler gibt Weisweiler einen Korb. Jetzt, mehr als 50 Jahre später, erklärt Addi Schade, was einst so schwer zu verstehen war: „Ich war Student in Göttingen und wollte mein Jurastudium unbedingt dort abschließen. Das wäre aber bei einem Wechsel nach Mönchengladbach nicht möglich gewesen.“

Also blieb Schade dem Verein treu, mit dem er schon 1964 so erfolgreich war. Als die Löwen Süddeutscher Meister wurden und in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga nur knapp an Hannover 96 scheiterten, spielte der 19-Jährige zwar überwiegend für die Amateure, gehörte aber auch zum Kader der Vertragsspieler. Mit denen verpasste der inzwischen zum Abwehrspieler umfunktionierte Flügelstürmer noch zweimal knapp den Aufstieg in die Bundesliga, ehe er sich doch noch zu einem Vereinswechsel überreden ließ. Allerdings ging die Reise nicht tief in den Westen, sondern in das zehn Kilometer entfernte Baunatal. Beim dortigen KSV stellten sich die Erfolge schnell ein, und 1976 erlebte Schade - inzwischen Libero - mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga die Krönung seiner Baunataler Jahre.

Später - als Trainer - ist er mehrmals zum KSV Baunatal zurückgekehrt, und gern erinnert er sich daran, dass die Spielersitzungen manchmal nur fünf Minuten dauerten. „Spielern wie Beppo Hofeditz, Terry Scott und Billy Donougher musste ich keine ausführlichen Anweisungen geben“, sagt Schade.

Der hätte auch mit wenigen Worten womöglich eine noch erfolgreichere Trainerkarriere hinlegen können. Aber was ihn einst davon abgehalten hatte, neben Jupp Heynckes zu stürmen, spielte auch später eine wichtige Rolle. Im Hauptberuf war Schade stets Rechtsanwalt. Mit zwei Kollegen hat er noch vor wenigen Jahren eine Kanzlei in der Kasseler Wilhelmsstraße betrieben.

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