Nach Kreuzbandriss

Fußballer Daghfous wieder bei null

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Auf der Bank: Nejmeddin Daghfous (rechts) wird im Physio Fit in Kassel von Physiotherapeut Markus Endert behandelt.

Kassel. Der aus Kassel stammende Fußballer Nejmeddin Daghfous hatte bei Zweitligist Aalen endlich Fuß gefasst. Ein Kreuzbandriss warf ihn wieder zurück.

Eigentlich müsste er die Wände hochgehen. Verzweifeln. Gott und die Welt verfluchen. Stattdessen sagt Nejmeddin Daghfous: „Ich hatte oft Steine im Weg, und ich habe sie immer übersprungen.“ Nach einem Kreuzbandriss im Januar muss sich der Fußballer aus Kassel zurückkämpfen. Statt Abstiegskampf mit dem VfR Aalen in der Zweiten Liga oder DFB-Pokal heute gegen Hoffenheim heißt es erst mal Physiotherapie in seiner Heimatstadt.

Bei allem positiven Denken weiß Daghfous, dass das rechte Kreuzband zu einem komplett ungünstigen Zeitpunkt gerissen ist. „Jetzt fange ich wieder bei null an“, sagt der 28-Jährige. Okay, Verletzungen sind nie willkommen, in seinem Fall ist der Rückschlag aber besonders bitter. Denn nach Jahren des Herumtingelns und Suchens hatte er endlich Fuß gefasst im Profi-Geschäft. Er war Stammspieler beim Tabellenvorletzten aus Baden-Württemberg und zählte zu den Leistungsträgern. Dass der Kreuzbandriss seine erste große Verletzung überhaupt ist, verleiht der Sache fast eine zynische Note.

Darüber hinaus geht es für den Deutsch-Tunesier um existenzielle Fragen. Im Sommer läuft sein Vertrag in Aalen aus, und die Chancen für eine Verlängerung im Falle des Abstiegs stehen eher schlecht. Von Panikmache hält er nichts. Daghfous sagt: „Jetzt will ich erst mal gesund werden. Wenn man zu viel grübelt, wird man nur verrückt.“ Bei der Genesung helfen ihm Familie und Freunde. Es tue gut, in der Heimat zu sein, sagt der Fußballer. Er brauche jetzt mentale Unterstützung und ein bisschen Wohlfühlklima.

Seine Situation nimmt Daghfous gelassen mit ein wenig Galgenhumor. „Das ist typisch für mich. Irgendetwas kommt mir immer in die Quere“, sagt er mit Blick auf seine Laufbahn. Die ist nämlich gespickt von Wechseln und Entscheidungen, für die er sich im Nachhinein ganz gern mal in den Allerwertesten gebissen hätte. Klassische Fälle von dumm gelaufen.

Zum Beispiel kehrte er 2009 dem FSV Mainz den Rücken, weil er unter Jörn Andersen keine Perspektiven sah. Dann kam noch vor dem ersten Spieltag in Thomas Tuchel ein Trainer auf den Chefposten, der auf jüngere Fußballer setzte. Da war Daghfous schon weg. Auch heute blickt der Mittelfeldspieler etwas wehmütig nach Mainz. Vor einem Jahr verließ er die Rheinhessen zum zweiten Mal. Nun hat dort Martin Schmidt das Sagen - jener Trainer, mit dem er sich in der zweiten Mainzer Mannschaft bestens verstand „und der mir bestimmt eine Chance in der ersten geben würde“, sagt Daghfous.

Hätte. Könnte. Würde. Es mache keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, findet der Fußballer. „Schicksal“, sagt er, „man weiß nie, wie’s kommt.“ Er sei religiös. „Es wird ohnehin von oben geleitet.“ Von daher wartet er ab. Beginnt in zwei Wochen seine Reha in Mainz. Irgendwie werde es schon klappen, sagt Daghfous. Wie bislang immer in seiner Karriere.

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