Der Staffellauf Wilhelmshöhe - Kassel war einmal der große Renner

Fußballer als erste Sieger

Im Ziel: Staffellauf Wilhelmshöhe - Kassel im Jahr 1957, ein Grün-Weißer siegte vor einem Hermannen (?) und einem Läufer des KSV Hessen. Foto: Lengemann

Kassel. 101 Jahre hätte er in diesem Jahr auf dem Buckel, wenn es ihn denn noch gäbe, den Staffellauf Wilhelmshöhe - Kassel.

Doch 1991 fiel wohl letzten Mal der Startschuss für den traditionsreichen Wettbewerb, der die Läuferinnen und Läufer in seinen Glanzzeiten auf der Wilhelmshöher Alle vom Straßenbahndepot bis zur alten Torwache am Eingang zur Innenstadt führte.

„Das Interesse der Vereine hatte einfach nachgelassen“, erinnert sich Lothar Kuhaupt, der frühere langjährige Vorsitzende des Leichtathletikkreises Kassel. So einfach es war, das Datum des ersten Laufs zu nennen, so schwer war es, den Tag des letzten Starts herauszufinden. Doch Kuhaupt nutzte seine Kontakte. Zuerst fand sich bei Wilfried Waldmann vom Landessportbund der 10. Mai 1987, doch Albert Schaumann von der TSG 87 Niederzwehren wurde in den Vereinsannalen fündig. Dort steht der 28. Mai 1991, die 73. Auflage, als letzter Staffellauftermin.

Am 27. August 1911 erlebten Kasseler Bürger etwas Aufsehen Erregendes, so beschrieb der Kasseler Journalist Horst Biese einmal den ersten Staffellauf von Wilhelmshöhe nach Kassel. Der legendäre Hugo Brinkmann, damals Betreuer der Kasseler Sportjugend, hatte die Idee. Und der Fußballer Hans Tölke sowie Ernst-August Kampmann von den Schwerathleten wurden seine Mitstreiter. Diese drei machten sich Anfang des Jahres 1911, „angetan mit Frack und Zylinder“ auf den Weg zum Herrn Oberpräsidenten, um ihn zu bitten, das Protektorat für den Staffellauf zu übernehmen. Dieser sagte zu und stiftete sogar einen Wander-Ehrenpreis.

Im März 1911 trafen sich Vertreter verschiedener Sportgruppen, um Brinkmanns Plan zu besprechen. Gleichzeitig wurde im Vorfeld eine Zusammenarbeit der Kasseler Turn- und Sportvereine beschlossen, die zur Gründung eines Kasseler Stadtverbandes für Leibesübungen führte. Aus der Taufe gehoben wurde aber auf jeden Fall auch der Staffellauf Wilhelmshöhe - Kassel, der für alle Zeiten nicht von einem Verein, sondern von einem Ausschuss aller Kasseler Turn- und Sportvereine ausgerichtet werden sollte.

Vier Mannschaften dabei

Und so nahmen am ersten Staffellauf am 27. August 1911 vier Mannschaften teil: Die Turner mit deren zwei, die Schwerathleten und Fußballer mit je einer. Die Fußballer gewannen damals vor den Turnern und Schwerathleten. Frauen waren damals übrigens noch keine dabei.

In den Jahren danach wurde der Staffellauf Wilhelmshöhe - Kassel zu einem Morgen füllenden Programm, unterbrochen nur durch den Zweiten Weltkrieg. Es war schon etwas Besonderes, wenn sich Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen aus den verschiedensten Sportarten zusammenfanden.

Und das Talent des einen oder anderen wurde dabei entdeckt. So zum Beispiel von Irmel Schmelzer-Hermand. Die hatte 1938 mit ihrer Schnelligkeit überzeugt, kam zur CT Hessen Preußen und wurde noch im selben Jahr deutsche Jugendmeisterin über 100 Meter. 1952 bei den Olympischen spielen in Helsinki verpasste sie nur knapp die Bronzemedaille im Weitsprung.

Von Peter Fritschler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.