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Regeländerungen: Handball-Schiedsrichter Marcus Hurst und Mirko Krag sprechen über ihre Erfahrungen

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Von: Björn Mahr

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Zeitspiel angezeigt: Ab dieser Saison stehen der angreifenden Mannschaft dann nur noch vier Pässe zu.
Zeitspiel angezeigt: Ab dieser Saison stehen der angreifenden Mannschaft dann nur noch vier Pässe zu. © Sascha Klahn

Die Bundesliga-Schiedsrichter Mirko Krag und Marcus Hurst sprechen über die neuen Regeländerungen im Handball.

Kassel – Bis zum Ligastart sind es noch ein paar Tage. Aber schon während der Vorbereitung müssen sich Amateur- und Profihandballer mit einigen Regeländerungen vertraut machen. Eine betrifft das Zeitspiel: Heben die Unparteiischen den Arm, bleiben der angreifenden Mannschaft nur noch vier Pässe bis zum Abschluss – bisher waren es sechs. Zudem wurde auf dem Feld der Anwurfkreis vergrößert: Der Durchmesser beträgt nun vier Meter. Dadurch kann ein Spieler beim System der Schnellen Mitte noch tiefer in der gegnerischen Hälfte die Position einnehmen und hat nach dem Anwurf einen kürzeren Weg zum gegnerischen Kreis.

Über die ersten Erfahrungen haben wir am Rande des Sparkassencups im nordhessischen Felsberg-Gensungen mit den Bundesliga-Schiedsrichtern Marcus Hurst aus Berlin und Mirko Krag aus Frankfurt gesprochen, die dem Elitekader des Deutschen Handballbundes (DHB) angehören.

Wie sich Handball-Bundesligisten auf eine Saison vorbereiten, wissen viele Fans. Wie sieht es bei Schiedsrichtern aus?

Marcus Hurst: Vier bis sechs Wochen nach Ende einer Saison gibt es einen Vorbereitungslehrgang. Dazu gehören ein Regel-, Fitness- und Videotest.

Das heißt, dass Sie auch viel laufen müssen.

Mirko Krag: Ja. Die Fitnesstests setzen sich aus zwei unterschiedlichen Aufgaben zusammen – einem Shuttle Run und einem 30-minütigen Lauf. Beim Shuttle Run müssen wir zwischen den beiden Seitenauslinien hin- und herlaufen. Dabei verkürzt sich das Zeitintervall, in dem wir die Seitenauslinie erreichen müssen, stetig. Beim zweiten Test müssen wir innerhalb von 30 Minuten eine vorgegebene Strecke zurücklegen.

Hurst: Wir werden zudem vom Athletiktrainer des DHB betreut und erhalten Trainingspläne. Unsere Ergebnisse kann er sich jederzeit über eine App abrufen. Wenn ihm dann etwas auffällt, er vielleicht ein Problem entdeckt, dann gibt er uns Hinweise, in welchen Bereichen wir arbeiten müssen.

Schon einige Jahre im Geschäft: die Schiedsrichter Mirko Krag (links) und Marcus Hurst.
Schon einige Jahre im Geschäft: die Schiedsrichter Mirko Krag (links) und Marcus Hurst. © Pressebilder Hahn

Welche Bedeutung haben Vorbereitungsturniere für die Schiedsrichter?

Krag: Sie sind sehr wichtig. In diesem Jahr sogar noch wichtiger, weil einige Regeln geändert wurden. Turnierspiele helfen uns, gezielt an der Feinabstimmung zu arbeiten. Und da noch Kollegen von uns dabei sind, kann man seine Erfahrungen austauschen.

Hurst: Ein solcher Rahmen bietet auch die Chance, in entspannterer Atmosphäre mit den Trainern und Spielern der Mannschaften zu reden. Wo sehen sie ihre Schwerpunkte? Sie haben einen anderen Blickwinkel. So kommen die regeltechnische und die handballphilosophische Sicht zusammen.

Sie haben die neuen Regeln angesprochen. Wie haben sie sich ausgewirkt?

Hurst: Das Spiel ist schneller geworden. Da die Teams nach dem angezeigten Zeitspiel nicht mehr sechs, sondern nur noch vier Pässe spielen dürfen, fehlen den Mannschaften die Möglichkeiten, taktische Fouls zu provozieren. Der Zeitraum zwischen Arm hoch und Abschluss ist deutlich kürzer geworden.

Hintergrund: Thema Kopftreffer

Neben Zeitspiel und Anwurfkreis gibt es noch eine dritte Regeländerung. Dabei geht es um das Thema Kopftreffer. Wenn ein Torwart aus einer freien Spiel- und Wurfsituation heraus am Kopf getroffen wird, ist eine Zeitstrafe für den Schützen möglich. 

Krag: Zumindest scheint es erst mal so. Wie es dann während der Saison ist, wird man sich dann noch einmal genauer anschauen müssen.

In den vergangenen Jahren wurden schon einige Regeln geändert. Stichworte: Blaue Karte und siebter Feldspieler. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Krag: Die Blaue Karte hat für uns keine besondere Veränderung bedeutet. Das ist eher etwas für die Zuschauer, damit sie die Bestrafung besser einordnen können.

Hurst: Durch den Einsatz des siebten Feldspielers hat sich für uns allerdings eine große Herausforderung ergeben: Da viele Klubs dann mit einem zweiten Kreisläufer agieren, müssen wir zwei potenzielle Brandherde im Auge behalten.

Krag: Stimmt. Dass es nun viele Würfe ins leere Tor gibt, ist für unseren Job im Spiel ebenfalls nicht entscheidend.

Wie groß ist gut zwei Wochen vor dem Rundenstart die Vorfreude auf die neue Bundesliga-Saison?

Hurst: Es kribbelt schon jetzt. Ich freue mich sehr.

Krag: Da geht es mir genauso. Auch weil mit dem VfL Gummersbach und dem ASV Hamm zwei neue Mannschaften in die 1. Bundesliga aufgestiegen sind.

Dann werden die Trainer erstmals einen Buzzer einsetzen, wenn sie eine Auszeit beantragen wollen. Inwieweit ist das für die Schiedsrichter ein Thema?

Hurst: Dazu können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel sagen. Da müssen die letzten Feinheiten noch besprochen werden. Wir werden kurz vor dem Supercup in einem Online-Meeting darüber informiert. Bei internationalen Großereignissen wurde sie bereits mit großem Erfolg eingesetzt.

Und was erhoffen Sie sich durch die Einführung des Videobeweises?

Krag: Da wir noch nicht beim Final Four des DHB-Pokals dabei waren, haben wir keine Erfahrungen damit. Ich denke allerdings, dass es unsere Sportart weiterbringen und einige Entscheidungen für das Publikum noch transparenter machen wird.

Zu den Personen

Marcus Hurst und Mirko Krag (beide 35 Jahre) bilden seit 2008 ein Schiedsrichter-Gespann. Mittlerweile gehören sie dem Elitekader des Deutschen Handballbundes (DHB) an. Schon fast 300 Spiele leiteten sie bereits für den DHB. Hurst (TSG Oberursel) lebt in Berlin, Krag (TuS Nieder-Eschbach) in Frankfurt. 

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