1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport

Zusammen 751 Jahre alt

Erstellt:

Von: Peter Fritschler

Kommentare

Selbstbewusst: Die Handballer des SV Espenau, die in der Bezirksliga C spielen, sind zusammen über 700 Jahre alt. Trainer und Torwart Andreas Paul steht rechts, links hinten Marco Volmar vom Vorstand des SV Espenau.
Selbstbewusst: Die Handballer des SV Espenau, die in der Bezirksliga C spielen, sind zusammen über 700 Jahre alt. Trainer und Torwart Andreas Paul steht rechts, links hinten Marco Volmar vom Vorstand des SV Espenau. © peter fritschler

Sie sind zusammen 751 Jahre alt, kommen bei 20 Beteiligten auf einen Schnitt von 37,55 Jahren. Der Älteste ist 49 Jahre alt, der Jüngste senkt mit seinen 21 Lenzen etwas den Schnitt.

Die meisten haben Handball in der Zweiten Liga, der Ober- und Landesliga gespielt. Sie haben lange pausiert, wollen jetzt aber noch einmal mit der kleinen runden Lederkugel aktiv werden, in der Bezirksliga C für den SV Espenau. Und sie nennen sich „Bodis“ nach einem äthiopischen Stamm (siehe Hintergrund).

„Das war eine Idee, die ein paar von uns beim gemeinsamen Vatertagsausflug in diesem Jahr kam“, sagt Andreas Paul. Der frühere Oberliga-Torwart und -Trainer hat das Sagen, wenn man sich in der Espenauer Halle trifft. Den strengen Trainer muss „Paule“ allerdings nicht geben, alle haben Spaß an der Sache und ziehen mit. Nur einer muss eben ein wenig für Ordnung sorgen.

Andreas Paul und Andreas Richter, die sich gut aus gemeinsamen Handballzeiten kennen, starteten nach dem Vatertag eine Menge Anrufe. Und stießen auf offenen Ohren, schnell waren 20 Spieler zusammen, mit denen man jetzt in die Serie startet. „Wir haben aber für nächste Saison schon weitere Zusagen, sodass wir dann eine Truppe von 27 Spielern haben“, sagt Paul. Sicher ein recht großer Kader, aber 60 Minuten wird wohl kaum einer durchspielen wollen (können?) und die Möglichkeit von kleinen Wehwehchen soll ja bekanntlich mit zunehmendem Alter steigen.

Natürlich waren Gelenke der „Bodis“ beim Trainingsauftakt in Espenau nicht eingerostet. „Jeder hat sich auf seine Weise fit gehalten“, sagt Andreas Paul. „Wer leistungsmäßig Handball gespielt hat, der hört nicht einfach mit der Bewegung auf.“

Im Training in der Espenauer Halle geht es locker zu. Zum Aufwärmen wird Fußball gespielt, das ist wahrscheinlich bei allen Handballern so. Und hinterher setzt man sich noch zusammen, trinkt was, isst was. Gemeinschaft und Geselligkeit sind zwei Kernpunkte der neuen Mannschaft.

Kein Problem, weil die meisten schon zusammen schon in verschiedenen Mannschaft gespielt haben und sich bestens kennen. Benjamin Gunkel, Robin Schulz und Michael Kocur stiegen zum Beispiel 2005 mit dem OSC Vellmar in die A-Jugend-Oberliga auf.

Benjamin Kreß und Danny Körber waren in der Jugend bei der SVH aktiv, später beim TSV Vellmar, da spielten auch Ivars Geislers, Henning Höhmann oder Robin Kiebach. Und Stefan Hermenau, der hat Zweitligaerfahrung mit Niestetal/Landwehrhagen.

In den Punktspielen wird man dann schon etwas ernster werden. Schließlich geht man auf die Platte, „um zu gewinnen“. Leicht wird das bestimmt nicht, denn die HSG Fuldatal/Wolfsanger II und die TSG Wilhelmshöhe gelten als starke Konkurrenten. Trotzdem könnte man sich einen Aufstieg in die Bezirksliga B gut vorstellen. „Aber im Vordergrund soll immer die Freude am Handball stehen“, sagt Paul.

Beim SV Espenau hat man sich über den Zuwachs gefreut. „Das war kein Problem für uns“, sagt Marco Volmar, einer der zweiten Vorsitzenden des Vereins. Und so werden die Handballer, die sich Bodis nennen, an diesem Sonntag um 14 Uhr erstmals in den Spielbetrieb eingreifen, mit dem Auswärtsspiel bei der SVH III.

Die Bodis bei Instagram: sv_diebodis_espenau

Hintergrund

Die Bodi sind ein Stamm im Omo-Tal im Südwesten Äthiopiens mit einem für unsere Verhältnisse eigentümlichen Ritual. Dort gilt nämlich derjenige mit dem größten Bauchumfang als der Schönste. Einmal pro Jahr, während sechs Monaten, ernähren sich die unverheirateten Männer des Stammes nur von Milch und Kuhblut, um in kürzester Zeit so dick wie möglich zu werden. Jegliche Bewegung, jede körperliche Anstrengung ist den Männern dann verboten. Für den fettesten Mann des Stammes gibt es keinen materiellen Preis, nur Ruhm, Ehre und Respekt dafür, dass ihm diese Leistung gelungen ist.

Auch interessant

Kommentare