„Eine frustrierende Situation“

Handball: Trainer und Aktive sind enttäuscht über Saison-Unterbrechung

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Robin Schneider vom Handball-Bezirksoberligisten HSG Werra WHO.

Hersfeld-Rotenburg – Kein Handball fliegt zunächst. Das ist zwar keine Überraschung. Wir haben uns trotzdem einmal umgehört.

Für Sebastian Krause aus Bad Hersfeld, Torhüter des Handball-Bezirksoberligisten TV Alsfeld, kommt die Unterbrechung der gerade erst angelaufenen Handballsaison nicht überraschend. „Es haben doch alle Experten vor einer zweiten Corona-Welle im Herbst und Winter gewarnt. Wir haben daher viel zu spät mit der Saison angefangen. Statt im Oktober hätten wir im August loslegen müssen. Dann hätten wir bereits zehn Spiele absolviert. Eine Unterbrechung der Saison wäre dann nicht zu sehr ins Gewicht gefallen. Ab Februar 2021 hätte man dann weitermachen können“, erklärt Krause. Für den Spielstopp habe er absolutes Verständnis. „Handball ist ein Kontaktsport, der auch noch in einer Halle ausgetragen wird. Wir haben nicht wie die Profis die Möglichkeit, uns alle paar Tage auf Corona testen zu lassen. Das kann kein Amateurverein bezahlen“, führt der 30-Jährige weiter aus. Er gehe zudem davon aus, dass in den hessischen Amateurligen in diesem Kalenderjahr kein einziges Saisonspiel mehr ausgetragen werde.

Robin Schneider, Spielmacher des Bezirksoberligisten HSG Werra WHO, würde gerne weiter spielen, jedoch kann er die vom Bezirksausschuss vorgenommene Aussetzung des Handballsports im Bezirk Melsungen-Fulda zunächst bis zum 13. November voll und ganz nachvollziehen. „Jetzt, wo die Corona-Infektionszahlen wieder dramatisch nach oben gehen, ist das die richtige Entscheidung. Überall gelten Einschränkungen. Im Beruf müssen Menschen Schutzmasken tragen und in der Gastronomie herrschen strenge Auflagen. Da kann es nicht sein, dass wir Woche für Woche durch Nord- und Osthessen reisen, um Handball zu spielen“, sagt Schneider. Handball sei nun einmal Kontaktsport, der in dieser Zeit nicht gefahrlos ausgeübt werden könne. Die HSG Werra WHO hat seit dem Abbruch der vergangenen Saison und dem Neustart der Spielserie 2020/21 im Oktober ein Meisterschaftsspiel hinter sich gebracht. Das Heimspiel gegen FT Fulda wurde am vergangenen Samstag mit 38:26 gewonnen. Wann die WHO nun ihr zweites Saisonspiel absolvieren kann, steht in den Sternen.

Bis dahin gilt es für die Handballer allgemein, sich im Training fit zu halten – soweit es die Corona-Bestimmungen zulassen. Nach dem Lockdown im März, der alle Arbeits- und Lebensbereiche betroffen hatte, war auch im Handballsport wegen des strengen Kontaktverbots kein gezieltes Training möglich. „Da habe ich zuhause individuell an Geräten trainiert oder bin Laufen gegangen. Als das dann im Sommer gelockert wurde, habe ich mit meinen Teamkollegen Kevin Schottmann und Florian Strümpf Waldläufe gemacht“, berichtet Schneider. Danach sei bei der WHO wieder in Kleingruppen trainiert worden, bis dann wenige Wochen vor dem Saisonstart auch wieder mit vollem Körpereinsatz zu Werke gegangen werden durfte und Freundschaftsspiele unter gewissen Auflagen möglich waren.

„Grundsätzlich haben wir die Entscheidung des Präsidiums des HHV den Spielbetrieb zunächst bis einschließlich 8. November zu unterbrechen zu akzeptieren“, sagt Robert Nolte, Trainer der TG Rotenburg. Persönlich halte ich diese Maßnahme für überzogen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass ohnehin unser nächstes Spiel in Körle/Guxhagen ohne Zuschauer erfolgt wäre. Somit wäre die Verfolgung einer möglichen Infektionskette durch die namentliche Meldung der Spieler ein leichtes. Des Weiteren darf der Trainingsbetrieb in den Hallen unter Berücksichtigung der Hygienekonzepte der Vereine weitergeführt werden. Wie inkonsequent ist das denn?

Anstatt Sanktionen, die Angst vor einer möglichen Ansteckung schüren, sollten< ein Sportverband und die Politik deutlich mehr Konzepte darlegen, wie man sich in dieser infektiösen Zeit (ob Grippe oder Covid-19) gesund ernährt, sein Immunsystem stärkt und sich sportlich betätigt. Das fehlt mir.“

Christian Weiß, Trainer des Handball-Landesligisten TV Hersfeld, ist sehr enttäuscht, dass man dem schön(st)en Sport derzeit nicht nachgehen kann. Er kann zwar verstehen, dass der Verband eine Spielpause einlege, jedoch nicht, dass man sich nicht auf die Suche nach anderen Spielformaten, wie beispielsweise Turnieren oder Play-off-Wettbewerben, begeben hat. „Ich bin der Auffassung, dass wir im Jahr 2020 keine Spiele mehr austragen werden“, sagt er. Man trainiere seit mehr als drei Monaten durch – und würde jetzt wieder ausgebremst. „Ich frage mich, was soll Mitte November anders sein als jetzt?“ Die derzeitige Situation sei einfach nur frustrierend für Trainer und Teams. (rey/hex)

Quelle: Hersfelder Zeitung

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