„Ich bin noch lange nicht am Ziel“

Handballerin Madita Probst im Interview über ihre Bundesliga-Erfahrungen

Voll fokussiert: Madita Probst.
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Voll fokussiert: Madita Probst absolvierte in diesem Jahr ihre ersten Bundesliga-Einsätze für die Handballerinnen des Buxtehuder SV.

Für die Frauen des Buxtehuder SV ist die Saison in der Handball-Bundesliga seit einer Woche vorbei. Mittendrin im Geschehen: Madita Probst, die in der Jugend für den SV Reichensachsen spielte (wir berichteten) und in den letzten Saisonspielen der Buxtehuder mehrmals auf der Platte stand.

Reichensachsen/Buxtehude – Wir sprachen mit der 19-Jährigen über ihre Erfahrungen in der Bundesliga, ihr Leben zwischen Handball und Studium sowie private und sportliche Ziele.

Frau Probst, inzwischen sind sie mehrfache Spielerin in der Handball-Bundesliga. Gab es in ihrer Jugend irgendwann einen Punkt, wo sie merkten, dass ihr Talent dafür reichen könnte?
Das würde ich so nicht sagen wollen. Ich habe schon in meiner Jugend viele Spiele der MT Melsungen gesehen, besuchte Handballcamps. Für mich war einfach schnell klar, dass ich alles dafür tun würde, um selbst mal da hinzukommen. Auch jetzt bin ich noch lange nicht am Ziel – aber ich bin glücklich über das, was ich bisher erreicht habe.
Ihr erstes Spiel in der Bundesliga absolvierten Sie Anfang Mai. War das wie ein Traum, der in Erfüllung ging?
Ja, definitiv. Ich habe während meiner ganzen sportlichen Laufbahn immer nach oben geschaut. Die Bundesliga war dabei das große Ziel.
Als Sie wussten, dass Sie in der Bundesliga zum Einsatz kommen werden – was ging da in Ihnen vor?
Als ich das erste Mal im Kader stand, absolvierten wir vor der Partie einen Spaziergang. In der Kabine wurde ich mit Gesprächen auf das Spiel vorbereitet. Das war in dem Moment alles surreal, ich hatte Gänsehaut, fühlte mich einfach wie im Rausch. Als mir dann im Spiel signalisiert wurde, dass ich auf die Platte darf, haben mir Trainer und Mitspielerinnen zugenickt und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Wie sehen nach dieser Erfahrung Ihre sportlichen Ziele für die kommende Saison aus?
Ich weiß, dass ich vornehmlich im Kader der zweiten Mannschaft in der dritten Liga eingeplant bin. Dort will ich Spielpraxis sammeln, alles mitnehmen was kommt und einfach Spaß haben. Langfristig möchte ich in der Bundesliga ankommen.
Zwischen Ihrer Heimat, dem Werra-Meißner-Kreis, und Buxtehude liegen einige Kilometer. Wie fühlte sich diese Umstellung für Sie an?
Ich bin 2017 hierher gezogen und anfangs war es eine große Umstellung. Eine neue Schule, das Training, dazu zog ich in einer Wohngemeinschaft ein. Aber Buxtehude fühlt sich trotz allem eher dörflich an, ich habe dazu meine Eltern oft gesehen. Von daher war die Umstellung relativ entspannt. Irgendwann hatte sich dann alles eingependelt.
Da Sie es angesprochen haben: Welche Rolle spielten die Eltern in Ihrer Karriere?
Meine Eltern sind die wichtigsten Menschen, ohne sie würde es nicht laufen. Seit Tag eins sind sie meine Top-Unterstützer. Aber auch meine Großeltern sind da genauso. Es ist gut zu wissen, dass immer jemand hinter mir steht.
Mussten Sie für den Handball auf viel verzichten?
Man hat ein paar kleine Einbußen, da man viel Zeit in der Halle verbringt. Aber das will ich ja. Ich habe trotz allem noch genug Zeit für andere Dinge und habe im Handball viele Freunde gefunden. Mir fehlt also nicht wirklich was. Wobei: Als wir aufgrund der Coronapandemie nicht mit der dritten Mannschaft trainieren konnten, fehlte mir das Training.
Wie sieht inzwischen ein typischer Tag bei Ihnen aus?
Ich habe mein Abitur und ein FSJ abgeschlossen, inzwischen arbeite ich noch nebenbei. Dazu hoffe ich, ab Herbst studieren zu können. Und da kommt dann noch das Training dazu, meistens morgens und abends.
Das heißt, es gibt einen Plan B neben dem Handball?
Das würde ich so nicht sagen. Es gibt in der Frauen-Bundesliga kaum eine Spielerin, die das hauptberuflich macht. Es war immer mein Plan, neben dem Handball zu studieren und zu arbeiten.
Jetzt steht erst mal die Sommerpause an. Was ist da geplant – arbeiten, trainieren oder runterkommen?
Eine gesunde Mischung aus allem. Ich will mit einem guten Fitnesszustand in die kommende Vorbereitung gehen und möchte an meiner Schnelligkeit arbeiten. Außerdem habe ich jetzt etwas mehr Zeit für meine Familie.
Im Gespräch meinte Ihre Ex-Trainerin Carolin Heckmann, dass beim SV Reichensachsen jederzeit die Türen für Sie offenstehen würden. Ist mal ein Besuch dort geplant?
Sehr gerne. Aktuell herrscht ja nur leider im Amateurhandball ein sehr eingeschränkter Spielbetrieb. Aber ich möchte unbedingt mal wieder in Reichensachsen zuschauen und mich mit den ganzen Leuten dort unterhalten. (Kevin Hildebrand)

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