Handball

Für Nicolas Reuchsel ist Sport mehr als ein Hobby

Stark auf Außen und im Rückraum: Der Handballer Nicolas Reuchsel.
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Stark auf Außen und im Rückraum: Der Handballer Nicolas Reuchsel.

Der Lispenhäuser Nicolas Reuchsel kennt kein anderes Hobby als Sport. Zu Hause hat er sich ein kleines Fitnessstudio eingerichtet. Im Mittelpunkt für ihn steht aber Handball – und zwar beim Landesligisten Eschweger TSV, der heute um 18 Uhr (Heuberghalle) den TV Hersfeld erwartet.

Lispenhausen – Warm machen in der Box-Kammer am Punching-Sack mit Box-Handschuhen, dann durch den Flur einen Raum weiter zum Hanteltraining auf der Bank – eins, zwei, drei, vier ... bis die Arme schmerzen. Wenn Nicolas Reuchsel anfängt, zu Hause zu schwitzen, dann trollt sich „Shanks“ in seine Ecke und leckt die Pfoten. So als wollte der junge Kater mit dem getigerten Fell sagen: „Junge, warte nur ab, bis ich mal groß bin.“ Shanks ist meistens der einzige Zuschauer, wenn Nicolas, den alle nur „Nico“ nennen, trainiert. Es sei denn, sein jüngerer Bruder Julian ist Sparringspartner.

In den nächsten 14 Tagen wird das Training wohl ein bisschen weniger werden. Denn die Gesellenprüfung für den Industriemechaniker-Azubi bei Kali & Salz steht an. Neben dem Beruf steht für den 22-jährigen Lispenhäuser nur der Sport im Mittelpunkt – und zwar kernig. „Sechs Tage die Woche“ , sagt er. Nur an einem Tag gönnt er sich Pause. „Die muss sein,“ ergänzt er. „Der Körper muss zur Ruhe kommen können.“ Der Sport in den eigenen vier Wänden half ihm auch, gut durch die Corona-Pause zu kommen.

Mit dem Handball ist Nico seit seinem vierten Lebensjahr verwachsen, seitdem sein Vater Michael, selbst Handballer, ihn einst zu den Minis mitgenommen hatte. Hanteln und Handschuhe sind das eine – der Mannschaftssport aber steht im Mittelpunkt. Die Karriere stand in dieser langen Zeit nur einmal auf der Kippe. „Eine Woche habe ich auch einmal Fußball gespielt“, erzählt er. Der Entschluss pro Handball sollte der Richtige sein. Hier hat er sich bisher auch stets weiteentwickeln können. Er hat feste Ziele und hohe Ansprüche an sich selbst: „In der Landesliga soll noch nicht Schluss sein.“

Er spielte in der Jugend zunächst in Rotenburg, später in der A-Jugend-Oberliga beim TV Hersfeld neben den Reinhardt-Brüdern Fynn und Lasse oder Jannis Deppe. Das Spiel gegen den TV Hersfeld heute um 18 Uhr in der Heuberghalle wird also eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Am meisten freut er sich auf Lukas Berger: „Weil er ein cooler Typ ist.“ Und auf die gegnerischen Zuschauer, denen er zeigen will, wie er sich entwickelt hat.

Gegen den TVH hat er auch einmal eines seiner schönsten Tore gemacht. Auf Halblinks bekam er den Ball, tippte ihn auf, ließ zwei Gegenspieler stehen und überwand Marius Wasem mit einem Heber. Bei den Senioren wechselte er zur Werra WHO, machte das Jahr in der Landesliga mit. Nach einem Spiel der zweiten Mannschaft gegen den VfL Wanfried sprach ihn ein Schiri an, ob er sich vorstellen könne, zum ETSV zu wechseln. Heute spielt er schon im dritten Jahr dort – bereut hat er seinen Entschluss nicht. „Der Zusammenhalt hier ist unglaublich, jeder steht für den anderen ein.“

Hier hat er auch einen Platz unter den ersten Sieben, spielt auf Linksaußen. Und auch im Rückraum, zum Beispiel auf Halbrechts. Das ist die Position, die ihm an sich noch mehr gefällt. „Auf Außen bist du auf Anspiele anderer angewiesen, auf der Halben bist du selbst verantwortlich für deine Würfe.“ Nicht immer klappt alles nach Wunsch. So zum Beispiel im letzten Spiel gegen Rotenburg. „Da haben wir uns zu sehr unter Druck gesetzt. Und eigentlich zu viel verworfen.“

Eines von Nicos Lieblingsbildern hängt in seinem Boxraum. Neben einem Plakat von Arnold Schwarzenegger hängt das berühmte Foto von Muhammad Ali, als dieser als Weltmeister Sonny Liston in der ersten Runde K. o. geschlagen hat. Ali wurde zum Vorbild für die Jugend, weil er sich nicht unterkriegen ließ. Das lässt sich auch Nicolas Reuchsel nicht. Und weil er, wie Ali, sein eigenes Ding macht, ist er auch beim ETSV anerkannt. Und gehört zum Stamm.

Von Hartmut Wenzel

Mit Boxhandschuhen vor dem Dummy „Bob“ und links das Bild von Muhammad Ali beim Kampf gegen Sonny Liston.
Die Oberarme stärken: Nicolas Reuchsel auf der Hantelbank.

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