Kein Kaderplatz, keine Perspektive: Biathletin gibt ihren Rücktritt bekannt

Hennecke macht Schluss

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Biathletin Carolin Hennecke vom SC Willingen hat ihre Karriere als Leistungssportlerin beendet.  

Stormbruch. Eigentlich wollte sie diesen Winter noch einmal angreifen und sich für das Weltcup-Team qualifizieren.

Doch seit den Deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen steht fest, dass Biathletin Carolin Hennecke keinen Kaderstatus bekommt, ihr somit die Unterstützung und gleichzeitig die Perspektive genommen wird. Lediglich der Start im Deutschland-Pokal wäre noch drin gewesen. „Aber das wollte ich nicht mehr. Das hätte mir nichts gebracht“, sagt die 27-Jährige. Im Interview spricht die Stormbrucherin über ihren Rücktritt und ihre Pläne nach der Zeit als Leistungssportlerin.

Hast du die Entscheidung selbst getroffen oder wurde sie dir nahe gelegt?

Carolin Hennecke: Nach der Deutschen Meisterschaft stand mehr oder weniger fest, dass es für mich sportlich nicht mehr weiter geht, weil meine Ergebnisse nicht so waren, wie sie hätten sein sollen. Mit der endgültigen Entscheidung habe ich mich in der vergangenen Woche Zuhause auch mit meinen Eltern auseinandergesetzt. Wir haben viel gesprochen und dann sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es das beste ist, wenn ich aufhöre.

Was haben deine Trainer zu deiner Entscheidung gesagt?

Hennecke: Ich habe schon nach dem letzten Wettkampf in Ruhpolding mit Ricco Groß gesprochen. Er hat mir gesagt, dass es besser sei, aufzuhören und einen anderen Schritt zu gehen.

„Ich wäre ohne den Sport nicht so, wie ich jetzt bin. Die Zeit hat mich geprägt, das sind keine verlorenen Jahre.“ Carolin Hennecke

Was hat deiner Meinung nach zur Spitze gefehlt?

Hennecke: Ich hätte konstanter schießen müssen, das war mein großes Manko. Und ein Quäntchen Glück hat mir vielleicht auch gefehlt. Bei der Deutschen Meisterschaft habe ich mich unbewusst zu sehr unter Druck gesetzt.

Also bist du dort schon mit dem Gedanken gestartet, dass es bald vorbei sein könnte?

Hennecke: Ja, ich hatte das im Hinterkopf. Man will zwar nicht darüber nachdenken, weil das Herz ja auch am Sport hängt, aber die Ergebnisse haben nicht für mich gesprochen. Da war der Gedanke schon da, was ist, wenn ich es nicht schaffe. Das war einfach in mir drin und hat mich vielleicht auch blockiert.

Auch wenn die Entscheidung hart gewesen sein muss, was nimmst du aus der Zeit als Leistungssportlerin mit?

Hennecke: Das ist die schönste Zeit, die ich bisher erlebt habe. Die Zeit will ich nicht missen. Ich bin viel herum gekommen und habe viele Leute kennen gelernt. Ich wäre ohne den Sport nicht so, wie ich jetzt bin. Die Zeit hat mich geprägt, das sind keine verlorenen Jahre.

Du bist bei der Bundeswehr angestellt. Bleibst du weiterhin dabei ?

Hennecke: Erst mal bleibe ich dabei, denn bis Ende 2014 habe ich noch einen Vertrag. Über den Winter werde ich abtrainieren und dann wird sich zeigen, wie es weiter geht. Ob ich auch weiterhin bei der Bundeswehr bleibe hängt davon ab, was ich für Möglichkeiten habe. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, im Gesundheitsbereich zu arbeiten – als Physiotherapeutin oder Krankenschwester.

Worauf freust du dich jetzt am meisten?

Hennecke: Das kann ich noch gar nicht genau sagen. Aber ich kann jetzt Dinge tun, für die ich früher keine Zeit hatte. Ich kann spontan verreisen oder feiern gehen – das ging sonst als Leistungssportlerin nicht so einfach.

Und an welchen Erfolg denkst du am liebsten zurück?

Hennecke: Ich denke immer noch oft an die Junioren-Weltmeisterschaft in Presque Isle 2006 zurück, weil ich dort unverhofft dreimal auf dem Treppchen stand und auch alles drum herum so schön war. Das war alles noch so ungezwungen und neu. Auch wenn es vielleicht ein kleiner Erfolg war, es war trotzdem der schönste – es war einfach eine tolle Zeit.

Von Friederike Göbel

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