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Trailrunning: Marcel Neumann liebt die Natur

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Kalt ist’s: Marcel Neumann unterhalb des Brockens.
Kalt ist’s: Marcel Neumann unterhalb des Brockens. © privat

Beim Lollslauf beendete er die zehn Kilometer als bester Waldhesse und als Erster seiner Altersklasse: Der Bad Hersfelder Marcel Neumann beschloss mit dem Lauf in seiner Heimatstadt seine Laufsaison. Abseits der Volks- und Straßenläufe in dieser Region aber ist der 42-Jährige eher auf längeren Strecken und steilerem Terrain unterwegs, wie seine Bilanz des Jahres zeigt.

Bereits im Januar konnte er im tiefen Neuschnee den Gesamtsieg beim „Taunus-Ultratrail“ über 72 Kilometer und knapp 2000 Höhenmeter erlaufen. Beim „härtesten Rennen des Nordens“ (NDR), der „Brocken Challenge“, kam Neumann sich mit dem dritten Gesamtplatz über 92 Kilometer ins Ziel.

Auf dem Brocken im Harz waren die Bedingungen im Februar so winterlich, dass die Starter mit „Schneeketten“ an den Schuhen unterwegs waren. Beim „Bleilochultra“ über 48 Kilometer rund um den größten Stausee Deutschlands kam er unter die ersten Zehn – obwohl er wegen unübersichtlicher Streckenmarkierungen drei Kilometer zuviel lief.

Doch dann kam Pech ins Spiel: Durch einen Sturz beim Maintail Ultratrail konnte Marcel Neumann sich auf das eigentlich Saison-Highlight, den „Swiss Alps 100“ in der Schweiz, nicht richtig vorbereiten. Er hatte sich an Fußknöchel und Hand verletzt.

Mit 100 Kilometer Länge, 6500 Höhenmetern und schwierigem alpinen Gelände ist der Lauf in der Schweiz eine besondere sportliche Herausforderung. Dort stieg Neumann bei Kilometer 80 aus. „Bei einem solchen alpinen Lauf sollte man rationale Entscheidungen treffen und wissen, wann es besser ist aufzuhören. Mit fehlendem Training kann es in den Alpen auch schnell gefährlich werden“, begründete er die Entscheidung, die ihm nicht leicht fiel. Nach der Verletzungspause kam er beim Südthüringen-Trail in Suhl über 47 Kilometer als Achter zurück. Danach folgte der Lollslauf.

Neumann, der keinem Verein angehört, kam schon in jungen Jahren durch seine Eltern zum Laufsport, nahm an Volksläufen teil. Nach längerer Pause, bedingt unter anderem durch Studium und Beruf, stieg er vor etwa zehn Jahren wieder ein – zunächst erneut mit klassischen Straßenläufen. Dann aber wurde er auf Trailläufe aufmerksam und absolvierte 2018 erstmals den Bilstein-Marathon bei Witzenhausen, der über Stock und Stein führt – und gewann in seiner Altersklasse. „Man läuft in der Natur, das hat mir gefallen“, beschreibt er den Wandel. Schnell kam er mit der Trail-Szene in Kontakt, lernte andere Läufer kennen, startete häufiger und landete meist recht weit vorn.

„Das ist mit einem Volkslauf nicht zu vergleichen“, sagt Neumann, der als Diplom-Kunsttherapeut am Klinikum Bad Hersfeld arbeitet. „Man muss sich den Lauf genau einteilen, das sind keine Distanzen, die man einfach so schafft.“ Hauptmotivationen neben dem Lauferlebnis in der Natur ist daher auch die Herausforderung, lange Strecken mit vielen Höhenmeter zu meistern. „Der sportliche und mentale Anreiz ist für mich deutlich höher, als meine Bestzeit im Marathon oder über zehn Kilometer um ein paar Minuten zu verbessern“, sagt der gebürtige Schwäbisch-Haller, der vor 16 Jahren nach Bad Hersfeld kam.

Auch der Aufwand ist ein anderer: Meist an sechs Tagen in der Woche ist Neumann im Training unterwegs. Um einen Wettkampf erfolgreich zu beenden, sei – über den Daumen – die Streckenlänge als Wochenpensum erforderlich. Die Familie steht (oder besser: läuft und fährt) dabei hinter (oder neben) ihm: „Meine Frau läuft ebenfalls Ultras bis 50 Kilometer“, erzählt er. Im Training sind die beiden dann also auch mal gemeinsam unterwegs – und die beiden Söhne – 13 und 11 Jahre alt – begleiten sie auf dem Fahrrad.

Die Höhenmeter des Swiss Alp allerdings geben die Strecken Waldhessens nicht her. Neumann simulierte die Steigungen auf dem Laufband im Fitnessstudio. Doch gerade diese Läufe sind es, die den 42-Jährigen am meisten faszinieren. „Der Swiss Alps 100 ist landschaftlich und vom Anspruch her schwer zu toppen“, sagt er. Womöglich nimmt er ihn noch einmal in Angriff. Auch ein Trailrun am Mont Blanc in Frankreich, dem höchsten Berg Europas, reizt ihn. Noch steht die Saisonplanung fürs kommende Jahr aus.

Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Wettkämpfen gibt es auf neumannmarcel.de

Von Rainer Henkel

Bergab im Wald: Marcel Neumann beim Südthüringentrail in diesem Jahr.
Bergab im Wald: Marcel Neumann beim Südthüringentrail in diesem Jahr. © privat

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