Unsere Serie: Treue Seelen

Markus Kranz, der Dauerbrenner des VfL Philippsthal

Markus Kranz, Vorsitzender des VfL Philippsthal, mit seinen Zwillingen Benedikt (links) und Jonas im eigenen Garten.
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Der Fußball steht im Mittelpunkt: Markus Kranz, Vorsitzender des VfL Philippsthal, mit seinen Zwillingen Benedikt (links) und Jonas im eigenen Garten.

Als Spieler war und ist er ein Dauerbrenner, läuft er doch seit 1986 für den VfL Philippsthal auf. Seit sechs Jahren ist Markus Kranz im Vorstand seines Vereins, seit zwei Jahren Vorsitzender. Wie alle träumt der 42-Jährige vom Ende der Corona-Zeit.

Philippsthal – Markus Kranz hat Spaß. Sichtlich Spaß, denn er kickt mit seinen Zwillingssöhnen Jonas und Benedikt im idyllisch gelegenen Gartengrundstück in Philippsthal. Es dauert nicht lange, da kommen Stefan Moldenhauers Zwillinge Philipp und Felix vorbei, die nur einen Steinwurf entfernt wohnen. „200 Meter Luftlinie“, sagt Markus, der mit deren Vater und Teamkollege Moldenhauer für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres VfL steht.

Kicken im Garten schön und gut, doch die Kinder warten ebenso wie die Älteren sehnsüchtig darauf, wieder von der Leine gelassen zu werden. Trainieren wollen sie, Wettkämpfe bestreiten und um Punkte kämpfen. Vereinsarbeit soll wieder zum Leben erweckt werden. Kranz Senior ist alles andere als ein Fantast – er steht mit beiden Beinen mitten im Leben, ging als Fußballer stets voran, als Abwehrstratege überzeugte er durch Einstellung, Einsatz, Zweikampfstärke – doch dieses Mal gönnt er es sich, anders zu sein. „Es ist einfach ein Traum. Man denkt sich, es ist so wie früher“, sagt er, als Corona noch nicht unser aller Leben bestimmte. Jetzt wisse kein Fußballer, was mit der angefangenen Serie wird. Ob noch die Hinrunde zu Ende gespielt werden kann – oder die Serie abgebrochen wird.

„Es gab Vereine“, fügt Kranz hinzu, „die 250 Wäscheklammern verteilt haben. Waren die weg, durften keine Zuschauer mehr rein“. Die Vereine kämpften im vergangenen Herbst um ihre Zuschauer. Und sie tun es immer noch. „Wir haben, wie viele andere auch, Zettel angefertigt mit Nummern und die abgehakt. Zum Glück sind wir nie in die Situation gekommen, einen wegzuschicken. Denn diese Leute kommen nicht mehr.“ Es ist gut ein Jahr her, dass Corona die Krallen ausfuhr und die Gesellschaft fast unter sich begrub. „Es ist nicht abzusehen, wann es zu Ende geht“, bemerkt Philippsthals Vorsitzender, „und für uns als eigenständiger Verein ist es mehr als schwierig, die auferlegten Maßnahmen umzusetzen. Wir haben elf Mannschaften im Spielbetrieb. Das ist eine Herkulesaufgabe. Wir können es nicht stemmen. Allein logistisch würden wir es nicht hinbekommen.“

Dem VfL Philippsthal gehe es „den Umständen entsprechend gut derzeit“, betont Kranz. Dennoch macht er sich Gedanken über Veränderungen. „Jetzt muss ein Umdenken stattfinden. Es muss eine Reform her.“ Die Reserven müssten wieder vor den ersten Mannschaften spielen. „Damit die Leute auf den Sportplatz gehen. Und wieder 2,50 Euro für den Verein bleiben. Jeder Dorfverein ist mittlerweile ein kleines Wirtschaftsunternehmen, das auch so geführt werden muss.“ Kosten gebe es zur Genüge, „und du musst alles wieder einnehmen. Ab und zu musst du schon nach einer Spende fragen. Da ist es wichtig, dass du dich auf gewisse Leute verlassen kannst“.

Ob und wie lange der VfL seine Eigenständigkeit bewahren kann, vermag Kranz nicht zu beurteilen. „Ich weiß nicht, ob wir unser Hundertjähriges noch eigenständig feiern können.“ Im vergangenen Jahr fiel der Geburtstag aus. „Wir hatten das 90-Jährige ins Auge gefasst. Aber Corona hat Vieles kaputtgemacht.“ Auch aus dem Kinderfest, das der VfL traditionell ausrichtet, wurde nichts.

Mittlerweile gehen Jonas und Benedikt Kranz wieder zur Schule. Und ihr Vater schnauft durch. „Diese Mehrfachbelastung hältst du nicht mehr aus.“ Mit Homeschooling, Erziehung, Familie, Arbeit, Verein. „Es muss wieder so werden, wie früher.“

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