Schwimmer Jan-Philipp Glania aus Fulda beeindruckt bei Europameisterschaft

Hesse nach Bronze ins Eisbad

Durchatmen und freuen: Jan-Philip Glania nach seinem dritten Platz im Berliner EM-Finale. Foto: dpa

Berlin. Auch am Tag nach seinem Bronze-Coup staunte er über sich selbst. „Ich bin gerade aufgewacht, und es war kein Traum“, twitterte Jan-Philip Glania. Wie er seinen dritten Platz über 100 Meter bei der Heim-EM in Berlin gefeiert hat, verriet der Rückenschwimmer nicht. Kurz nach dem Rennen hatte Glania aber angekündigt: „Bombastisches Feeling! Jetzt Party im Eisbad!“

Der gebürtige Fuldaer aus Petersberg hatte nicht nur die erste Medaille für das deutsche Schwimm-Team im Berliner Velodrom geholt, er hatte sich auch für sein Abenteuer Amerika belohnt. Im Februar war der 25-Jährige ausgezogen, um seiner ins Stocken geratenen Karriere neuen Schwung zu geben. In Los Angeles, wo auch sein DSV-Teamkamerad Dimitri Colupaev trainiert, schloss sich Glania dem Starcoach Dave Salo an. Plötzlich waren seine Trainingspartner internationale Stars wie der tunesische Olympiasieger Oussama Mellouli.

Amerika-Tripp lohnt sich

„Die schwimmen auf einem anderen Niveau“, berichtet Glania – und von einer wichtigen Erkenntnis: „Ikonen sind auch nur Menschen.“ Der Hesse lebte sich schnell ein und bereute es nicht, sein Studium der Zahnmedizin ausgesetzt zu haben. In Kalifornien arbeitete er vor allem an seinem Stehvermögen. Das zahlte sich im EM-Finale aus, als er auf den letzten Metern seinen Teamkollegen Christian Diener aus Cottbus noch abfing.

„Er hat mich wieder abgezogen“, sagte Schnellstarter Diener nachher zerknirscht. Dabei hat Glania sein ganzes Potenzial noch gar nicht abgerufen. Beim Start und bei den Wenden hat der 1,93-m-Hüne noch deutliche Schwächen, deswegen zog es ihn in der unmittelbaren EM-Vorbereitung auch nach Hamburg, wo der Olympiavierte Steffen Deibler trainiert. „Steffen hat wohl die beste Unterwasserphase, da wollte ich mir etwas abgucken“, erklärte Glania. Ob seine Zukunft nun in Hamburg, in Kalifornien oder bei seinem Stammverein SG Frankfurt liegt, ließ der EM-Dritte offen.

Glania ist kein Shootingstar. 2012 war ihm auf nationaler Ebene der Durchbruch gelangen, als er bei der DM zu zwei Titeln und über 200 m Rücken sogar zum deutschen Rekord geschwommen war. Glania konnte diese Leistung bei den Olympischen Spielen in London aber nicht wiederholen und verpasste den anvisierten Finalplatz knapp. Die Qualifikation für die WM 2013 in Barcelona hatte Glania aufgrund von Erkrankungen und Verletzungen verfehlt. Danach war die Zeit reif für eine Veränderung.

Amerika also. Und Glania hatte mehr Glück als die frühere Hallenserin Theresa Michalak. Die Lagenschwimmerin, die in Gainesville/Florida bei Gregg Troy trainiert, hatte die EM-Qualifikation verpasst.

Bundestrainer Henning Lambertz sieht seine „Auswanderer“ daher mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es „positiv, mal über den Tellerrand hinauszuschauen“, auf der anderen Seite seien die heimischen Strukturen gut genug, sagt Lambertz: „Ich will keinen ins Ausland treiben.“ (sid)

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