Vor Ort beim 10:0-Sieg gegen Bitburg

Saisonauftakt bei den 89ers: „Hessenliga ist schööön“

Ex-Profispieler Michi Christ (rechts) glänzte beim Saisonauftakt der EJ Kassel 89ers als Vorbereiter. Gegen die Eifel-Mosel Bären (hier mit Stefan Wanken und Lukas Föhr) war er an fünf Treffern beteiligt. Rechts zu sehen: Verteidiger Derek Dinger.
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Ex-Profispieler Michi Christ (rechts) glänzte beim Saisonauftakt der EJ Kassel 89ers als Vorbereiter. Gegen die Eifel-Mosel Bären (hier mit Stefan Wanken und Lukas Föhr) war er an fünf Treffern beteiligt. Rechts zu sehen: Verteidiger Derek Dinger.

Das war ein Saisonauftakt nach Maß: Vor 689 Zuschauern bejubelten die EJ Kassel 89ers einen 10:0-Erfolg gegen die Eifel-Mosel-Bären aus Bitburg. Wir waren vor Ort.

Kassel – 689 Zuschauer waren gekommen. Endlich wieder Hessenliga-Eishockey sehen, endlich wieder die 89ers anfeuern. Und noch dazu einige Kasseler Huskies-Legenden bei deren erstem Auftritt im Trikot der Eishockey-Jugend bestaunen. Es wurde ein rauschendes Fest – auf dem Eis und auf der Tribüne. „Hessenliga ist schööön“, wurde da gesungen. Der 10:0 (2:0 4:0, 4:0)-Sieg gegen die Eifel-Mosel-Bären aus Bitburg geriet fast zur Nebensache.

Das Drumherum

Anderthalb Stunden vor dem ersten Bully treffen sich die Spieler der 89ers. Warmmachen, umziehen, ab aufs Eis. „Jeder hat seine eigenen Rituale. Ich gehe vor dem Spiel immer mit drei, vier Leuten eine Runde laufen hinter dem Auestadion“, sagt Paul Sinizin. Der Halleninvestor ist zugleich auch seit Jahren Kapitän der 89ers, mit 41 Jahren außerdem der älteste.

Es ist das erste Spiel vor Fans seit März 2020. Letztes Jahr hatten die 89ers eine einzige Partie vor leeren Rängen, ehe die Saison abgebrochen wurde. Die Vorfreude bei den Akteuren, von denen einige zu Hessen- und Oberligazeiten auch für die Huskies auf dem Eis standen, ist groß. Vor der Halle ist ein Getränkestand aufgebaut, auch Bratwürste gibt es dort. Die EJK will vorbereitet sein. Schließlich haben die Huskies spielfrei, wegen der Debüts von Derek Dinger und Michi Christ hofft man auf viele Zuschauer.

Feuerten die 89ers an: Trommler Hugo Hahn mit seinen Freunden und Mitspielern aus der Eishockey-Jugend.

Diese Hoffnung wird erfüllt. 689 Fans sind gekommen, sie machen schon vor Spielbeginn ordentlich Lärm. Hier und da sieht man Leute, die sich zuwinken oder begrüßen. Sie alle mussten lange auf einen Hallenbesuch verzichten. „Bei interessanten Spielen kommen sonst zwischen 300 und 400 Leuten“, ist Sinizin von der Zuschauerzahl begeistert.

Auf dem Heuboden, wo sonst die Huskies-Fans Stimmung machen, stehen am Sonntag Hugo Hahn und seine Freunde. Hahn ist selbst Torhüter in der U11 und U13 der EJK. Das ganze Spiel über trommelt er, feuert mit seinen EJK-Mitspielern die 89ers an, bejubelt Tore. Unten an der Bande haben sich Loreia, Jolien und Phil positioniert. Sie haben sich etwas Besonderes einfallen lassen und zwei Plakate gestaltet. „Derek, mach ein paar Dinger“, motivieren sie den ehemaligen DEL-Verteidiger. Phil erzählt, dass er auch bei den Huskies oft in der Halle ist.

Loreia, Jolien und Phil haben vor dem Spiel Plakate gebastelt, mit denen sie Derek Dinger anfeuerten.

Das Spiel

Die 89ers sind drückend überlegen – aber die Gäste wehren sich nach Kräften. 15 Minuten lang verteidigen sie erfolgreich ihr Tor. „Ich war überrascht, wie gut sie im ersten Drittel mitgehalten haben“, sagt Michi Christ.

Dann aber spielt der frühere Nationalspieler und Huskies-Stürmer Manuel Klinge, inzwischen Sportdirektor des Zweitligisten, den Puck raus auf Ernst Reschetnikow. Der EJK-Jugendtrainer hat das Auge für den durchstartenden Klinge. Der gelupfte Pass landet genau auf dem Schläger des 37-Jährigen. 1:0 – ein Supertor. Der Bann ist gebrochen: Dinger trifft in Unterzahl zum 2:0 (20.), im zweiten Abschnitt legen Patrick Schädel (22.), Klinge (26.), Timon Langnese (30.) und erneut Klinge zwei Sekunden vor Drittelende in doppelter Unterzahl nach. 6:0, der Sieger steht schon längst fest.

Die tolle Leistung der 89ers wird auch von den Fans belohnt: „Oooh, wie ist das schön“, singen sie, auch der Eissporthallenklassiker Mona Lisa wird angestimmt.

Im Schlussdrittel machen es die 89ers zweistellig. Alexander Engel (49.), Schädel (53.), Klinge (56.) und Tobias Kraft (59.) treffen. Debütant Christ bleibt ohne Treffer, legt aber fünf Tore auf. Die Gäste sind enttäuscht, schnell kehrt aber das Lächeln zurück, als sie mit stehenden Ovationen vom Eis verabschiedet werden.

Die Reaktionen

„Es hat einfach Spaß gemacht mit den Jungs. Die Zuschauer haben alle Spieler richtig mitgezogen. Alle saßen mit einem Grinsen in der Kabine“, sagte Christ am Montag. Gemeinsam mit Dinger ist er jetzt erst einmal bis Donnerstag im Urlaub. „Für Derek war das Spiel anscheinend zu anstrengend“, scherzt er. Er freute sich auch über viele bekannte Gesichter in der Halle: „Meine Eltern und meine Freundin waren da, auch mein bester Kumpel mit seiner Familie und Jerry Kuhn.“ Der Huskies-Torwart wohnt mit Christ in einem Haus.

„Es war eine tolle Kulisse“, sagt auch Sinizin. Um den Sport in dieser Spielklasse zu betreiben, müsse man „leicht einen an der Murmel haben“, so der Kapitän. Bitburg sei schließlich mehrere Stunden aus Rheinland-Pfalz angereist. „Das geht nur aus Liebe zur Sportart“, sagt Sinizin.

Nach dem Spiel sitzen die 89ers noch mit den Eifel-Mosel-Bären bei Bier und Bratwurst zusammen. Der Abend war für Spieler, Verein und Fans ein voller Erfolg. Sinizin verbindet damit eine Hoffnung: „Vielleicht springt der Funke ja jetzt auch auf die erste Mannschaft über.“

Von Björn Friedrichs

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