Historische Sportfotos: Fußball-Funktionäre

Gespräch am Rande: Ernst Reuse (links) und Christel Wieddekind (ACT Kassel). Foto: privat

Ein großes Echo gab es bisher auf das Foto der 103 Fußball-Funktionäre im RegioWiki. Immer wieder kommen noch Zuschriften oder Anrufe mit Namen. Die Aufnahme, die vor oder um 1960 gemacht worden sein dürfte, zeigt wohl ein Treffen der ehemaligen Aktiven und Funktionäre der Fußballvereine aus Kassel Stadt und Land.

Wiedererkannt hat Gisela Reuse-Drawert auf dem Bild ihren Vater Ernst, der von 1899 bis 1963 gelebt hat. Er war damals nicht nur beim VfL Kassel ein Begriff, sondern auch als Heimatdichter bekannt. Aber das ist noch nicht alles. In Kassel-Kirchditmold gibt es eine Straße, die nach ihm benannt ist. Sie verläuft von der Schwarzenbergstraße bis zur Harleshäuser Straße.

Im Straßenverzeichnis der Stadt Kassel ist dazu vermerkt „Verwaltungsbeamter, Heimatdichter“. „Mein Vater war Bezirksstellenleiter von Kirchditmold und Harleshausen“, erinnert sich Gisela Reuse-Drawert, die im März nächsten Jahres 83 Jahre alt wird.

Gisela Reuse-Drawert

Kurz vor Kriegsende war Reuse, der ein Gegner der Nazis war, noch von der Gestapo verhaftet worden. Er hatte geäußert, dass es eine Schande sei, dass die Jugend im Krieg als Kanonenfutter missbraucht würde und war denunziert worden. Reuse hatte insofern Glück, dass der Richter, der über ihn zu urteilen hatte, ihm wohlgesinnt war und immer wieder nach neuen Zeugen verlangte. So zog sich das Verfahren bis Kriegsende hin und Reuse wurde nicht mehr wegen Volksverhetzung verurteilt, was den sicheren Tod bedeutet hätte.

Nach dem Krieg war Ernst Reuse dann Stadtverordneter (bis 1952) und Schiedsmann. Er frönte weiter seinem Hobby als Heimatdichter und verfasste eine Kirchditmolder Chronik. „Für mich hat er mehrere Kindergedichte geschrieben“, erinnert sich Gisela Reuse-Drawert. „Er wurde sogar mit Eduard Mörike verglichen.“

Gisela Reuse-Drawert liest immer wieder gern in den Gedichten ihres Vaters. Schnell ist eine Kladde zur Hand, in der er in Sütterlin-Schrift Gedichte aufgeschrieben hat. Unter anderem auch das, welches er seiner Familie zum 1. Advent 1944 aus dem Gefängnis schrieb. (fri)

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