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Kreisfußballwart zieht positives Fazit: „Entscheidungen endlich wieder sportlich“

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Von: Maurice Morth

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Zufrieden mit der Saison: Kreisfußballwart Holger Franke.
Zufrieden mit der Saison: Kreisfußballwart Holger Franke. © Marvin Heinz

Die erste komplette Fußballsaison auf Kreisebene seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie Anfang 2020 ist zu Ende. Kreisfußballwart Holger Franke (47) zieht ein positives Fazit.

Im November sprachen wir nach der Hinrunde noch über die hohen Corona-Infektionszahlen. Wie zufrieden bist du mit dem Saisonverlauf im Hinblick auf die Pandemie?

Aufgrund der Erfahrungen der letzten zwei Jahre mit coronabedingten Saisonabbrüchen hatten wir zu Beginn der Runde große Sorge, dass sich dies wiederholen könnte und wir wieder vor den Trümmern unserer Planungen stehen. Umso erleichterter bin ich, dass wir die Runde geordnet und relativ problemlos zu Ende spielen konnten.

Es gab nur wenige Situationen, in denen die Klassenleiter eine Entscheidung zur Spielabsetzung treffen mussten. In den meisten Fällen hatten sich die betroffenen Vereine bereits im Vorfeld abgestimmt und sich auf einen neuen Austragstermin geeinigt. Das lief alles sehr gut. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass viele Vereine glücklich sind, dass die Saison nun beendet ist. Nach abgebrochenen Runden und unter schwierigen Rahmenbedingungen wieder eine volle Runde zu spielen, war schon auch ein Kraftakt.

Welche Spuren hat die Pandemie bei den Vereinen hinterlassen?

Sie hatte gerade den Amateurfußball in den letzten zwei Jahren fest im Griff mit tief greifenden Auswirkungen in vielerlei Hinsicht. Auf den ersten Blick sind wir im Fußballkreis Werra-Meißner einigermaßen glimpflich davongekommen, zumindest hinsichtlich der Auswirkungen auf die Mannschafts- und Spielerzahlen.

Und auch in finanzieller Hinsicht sind die Vereine besser durch die Corona-Zeit gekommen als zunächst befürchtet. Allerdings sollte man sprichwörtlich den Tag nicht vor dem Abend loben. In den letzten Wochen hatte ich viele Kontakte und einen regen Austausch mit unseren Vereinen. Aktuell treibt viele Vereinsverantwortliche die Sorge um, ausreichend Spieler zur Verfügung zu haben, um wieder eine zweite Mannschaft melden zu können.

Auch in der Jugend bleiben Corona-Spätfolgen beispielsweise hinsichtlich veränderter Interessenlagen jugendlicher Fußballer abzuwarten. Nicht zuletzt möchte ich noch auf die in unseren Vereinen ehrenamtlich Tätigen zu sprechen kommen. Was hier an Arbeit und Engagement geleistet wurde, verdient äußerste Hochachtung.

Wie lautet dein persönliches sportliches Fazit der Saison 2021/2022?

In sportlicher Hinsicht konnte ich viel Positives feststellen. Dies beginnt damit, dass alle Entscheidungen endlich wieder sportlich errungen wurden und nicht am grünen Tisch oder mit Punktquotienten gearbeitet werden musste. In den Spielklassen auf Kreisebene haben wir höchst unterschiedliche Entwicklungen beobachten können. So war zum Beispiel von Kreisliga A bis Kreisliga C das Meisterschaftsrennen so eng, dass vor dem letzten Spieltag noch keine Entscheidungen gefallen waren, hingegen durfte ich in der Kreisoberliga einen Meister küren, welcher die KOL klar dominiert hat.

Daher bin ich auch guten Mutes, dass die Mannschaft der SG HNU auch in der Gruppenliga eine gute Rolle spielen kann. Und im Übrigen schaue ich mit großer Begeisterung auf die höheren Spielklassen. Da sehe ich in der Gruppenliga die SG Kleinalmerode/Hundelshausen/Dohrenbach als Tabellenführer mit allen Chancen zum Aufstieg in die Verbandsliga. Und das Glanzstück ist ohne Zweifel der Aufstieg von Adler Weidenhausen in die Hessenliga, welcher hessenweit große Anerkennung findet und für unseren Fußballkreis als historisch bezeichnet werden darf. Ich stelle fest: Im Werra-Meißner-Kreis wird toller Fußball gespielt.

Gegen Ende der KOL-Saison wurde es zäh. Auch weil mit der SG HNU und dem SSV Witzenhausen Meister und Absteiger früh klar waren. Was entgegnest du Kritikern des neuen Playoff-Modus?

Diese Diskussion ist absolut überflüssig. Völlig unabhängig vom Spielmodus können in jeder Spielrunde Situationen entstehen, in welchen Meisterschafts-, Auf- und Abstiegsentscheidungen frühzeitig getroffen werden. Um es noch mal ganz klar zu sagen: Das liegt keinesfalls am Spielmodus. Die Kreisoberliga war im Übrigen aufgrund der großen Stabilität der SG HNU diesbezüglich eine Ausnahme. In allen anderen Spielklassen blieben die Meisterschaftsentscheidungen bis zum letzten Spieltag offen.

Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass die Entscheidung unserer Vereine, dem Vorschlag des Kreisfußballausschusses zu folgen und sich auf neue Spielmodelle einzulassen, zumindest für die gerade beendete Runde absolut richtig war.

Mit Blick auf die neue Saison: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wieder im bewährten Ligamodus gespielt wird?

Nach meiner Einschätzung, und da sind wir uns auch im Kreisfußballausschuss einig, ist die Sehnsucht der allermeisten Vereine in unserem Kreis groß, wieder ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Dies würde für den Fußball die Rückkehr zu den gewohnten Abläufen mit klassischer Vor- und Rückrunde bedeuten. Natürlich ist uns bewusst, dass für den Herbst wieder ein verstärktes Pandemiegeschehen angekündigt wird.

Dennoch müssen wir unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Klassengrößen und der damit einhergehenden Anzahl von Spieltagen eine Entscheidung treffen, welche die Wünsche unserer Vereine berücksichtigt. Wir werden daher zeitnah einen Vorschlag unterbreiten und unseren Vereinen die Möglichkeit geben, sich hierzu zu äußern.

Danach beginnt die heiße Phase der Saisonvorbereitung und Erarbeitung von Spielplänen, bevor wir uns dann zur Hinrundenbesprechung mit den Vereinen treffen.

Was wünscht du dir für die kommende Saison?

Es liegt viel Arbeit vor uns. Die neue Runde startet mit verschiedenen neuen Regelungen wie dem neuen Schiedsrichter-Pflichtsoll, dem Wegfall von Spielerpässen in Papierform, der Einführung des Trainerpasses etc. Hier ist es unsere Aufgabe, unsere Vereine bestmöglich zu informieren und vorzubereiten.

Wir müssen uns verstärkt um die Gewinnung neuer Schiedsrichter bemühen; in den letzten Wochen mussten wir schmerzlich feststellen, dass die Personaldecke aktuell zu dünn ist. Auch im Jugendfußball sollen die neuen Wettberwerbsformen für unsere jüngsten Kicker vorangetrieben und etabliert werden. Wir wollen den Gedanken der Inklusion im Fußball weiterverfolgen, Maßnahmen zur Verbesserung unserer Fußball-Infrastruktur erörtern und einiges mehr.

Ich wünsche mir für die nächsten Jahre, dass wir von negativen Außeneinflüssen verschont bleiben und wir uns wieder mit den elementaren Fragen unseres Fußballgeschehens beschäftigen können.

Zur Person

Holger Franke (47) ist in Wanfried-Heldra aufgewachsen. Er absolvierte eine Ausbildung beim Werra-Meißner-Kreis zum Verwaltungsfachangestellten, ehe eine zum Beamten im Mittleren Dienst folgte. Nach seinem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt 2003 wurde Franke sechs Jahre später beim Kreis Fachdienstleiter im Bereich Jugend, Familien, Senioren und Soziales. Zwar jagte er in seiner Kindheit dem Fußball hinterher, aber im Verein spielte er nicht.

Erst im Erwachsenenalter schloss er sich dem FC Eschwege an. Beim FC stand Franke im Tor. Für mehrere Jahre bekleidete er das Amt des Vorsitzenden. Seit 2011 leitet er als Schiedsrichter Fußballspiele. 2014 wurde er Mitglied im Kreisjugendausschuss, eher er 2016 Mitglied im Kreisfußballausschuss wurde, in dem er das Amt des Administrators bekleidete und als Klassenleiter tätig wurde. Der HSV-Fan hat seit 2020 das Amt des Kreisfußballwartes inne. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin in Grebendorf. 

(Maurice Morth)

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