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Sie will Vorbild sein: Jessica Fetzer ist Hessens einzige Handballtrainerin mit einer Schwerbehinderung

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Mit Alleinstellungsmerkmal: Jessica Fetzer von der MT Melsungen ist die einzige Trainerin mit einer schweren Behinderung im Hessischen Handballverband.
Mit Alleinstellungsmerkmal: Jessica Fetzer von der MT Melsungen ist die einzige Trainerin mit einer schweren Behinderung im Hessischen Handballverband. © Mollus, Lea-Sophie

Jessica Fetzer ist etwas Besonderes: Die Handball-Trainerin der MT Melsungen ist die einzige in Hessen mit einer Schwerbehinderung.

Melsungen – Mit Leistungssport hatte sie eigentlich nie wirklich etwas am Hut – mit Handball schon gar nicht. Selbst gespielt hat Jessica Fetzer auch nicht. Und trotzdem ist sie inzwischen seit sechs Jahren als Handball-Trainerin aktiv, seit Kurzem sogar mit der C-Lizenz.

Das Besondere daran: Die 40-Jährige ist seit ihrem dritten Lebensjahr stark hörgeschädigt, hört auf beiden Ohren nur 40 Prozent von dem, was gesunde Menschen hören. Ohne ihre Hörgeräte kann sie sich nur durch Gebärdensprache verständigen. Das macht sie zu der einzigen schwerbehinderten Trainerin im Hessischen Handballverband (HHV).

Ihr erstes Spiel sah sie gegen THW Kiel

Begonnen hat alles 2014, als Fetzer ihren Lebensgefährten Michael Reitz kennenlernte. Der 48-Jährige war damals DJ bei den Bundesligaspielen der MT Melsungen und nahm Fetzer zu einem Spiel mit. „Das war gegen THW Kiel“, erinnern sich beide genau. „Allein die Atmosphäre hat mich fasziniert“, sagt Fetzer, Reitz ergänzt: „Da war sie direkt Feuer und Flamme.“ Prompt wurde Tommy, der Sohn der gebürtig aus Sontra stammenden Fetzer, zum Training angemeldet – „er hatte eh immer schon einen Ball in der Hand“, sagt die 40-Jährige.

2016 kam dann eins zum anderen: Als es in gemütlicher Runde bei einem Glas Bier hieß, dass Trainer für die Minis gesucht werden, hat Fetzer nicht lange gezögert. „Einfach mal machen“, war ihr Motto.

Seitdem ist die Förderschulen-Koordinatorin, die neuerdings auch Schulassistentin ist, dabei. Ohne überhaupt irgendeine Ahnung von Handball zu haben, wie sie selbst sagt, und trotz ihrer Schwerbehinderung trainiert sie die heranwachsenden Nachwuchsspieler.

Auch der Sohn spielt in ihrer Mannschaft

Nach verschiedenen Lehrgängen darf sie mit der C-Lizenz nun sogar Mannschaften bis zur dritthöchsten Klasse bei den Herren und bis zur zweiten Liga bei den Damen trainieren. Ob sie das in Zukunft tun wird, weiß sie aber noch nicht: „Vielleicht als Co-Trainerin“, sagt sie.

Aktuell ist Fetzer glücklich mit ihrer C-Jugend, mit der sie seit der E-Jugend gewachsen ist und in der auch ihr Sohn Tommy noch immer spielt.

Eine Sonderbehandlung gibt es für den 13-Jährigen aber nicht: „Im Training bin ich die Trainerin, zuhause die Mama“, sagt Fetzer. Was ihr an dem Job am besten gefällt? „Dass ich hart durchgreifen kann“, sagt die 40-Jährige und lacht. Sie freut sich, wenn die jungen Spieler sich durch ihre Unterstützung verbessern.

Sie will Vorbild sein

Große Einschränkungen hat Fetzer durch ihre Hörschädigung nicht. Einziges Hindernis: Die offizielle Bundesliga-Schiedsrichterpfeife „Fox 40“ kann sie nicht verwenden. „Die kann ich nicht hören, die Töne sind zu hoch“, berichtet sie. Aber eine normale Trillerpfeife tut’s ja auch.

Anderen Beeinträchtigten ein Vorbild zu sein, liegt der 40-Jährigen besonders am Herzen. „Ich möchte zeigen, dass auch Menschen mit Behinderung etwas schaffen können, wenn sie es nur wollen“, sagt sie und hofft auf Nachahmer.

Von Lea-Sophie Mollus

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