Ende als Bundestrainer nach der EM

Im Sommer ist Schluss: Das sagen heimische Fußballakteure zum Rücktritt von Jogi Löw

Jogi Löw prägte als Fußball-Bundestrainer eine Ära, holte mit der Nationalmannschaft 2014 in Brasilien den WM-Titel. Nach der EM im Sommer beendet er nun seine Karriere beim DFB.
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Jogi Löw prägte als Fußball-Bundestrainer eine Ära, holte mit der Nationalmannschaft 2014 in Brasilien den WM-Titel. Nach der EM im Sommer beendet er nun seine Karriere beim DFB.

Im Sommer beendet Jogi Löw seine Karriere als Bundestrainer. Wir haben heimische Akteure aus dem Fußball gefragt, was sie von der Entscheidung halten.

Eschwege – Allerspätestens nach dem historischen 0:6-Debakel in Sevilla gegen die spanische Fußballnationalmannschaft im November, bei der die DFB-Auswahl die Teilnahme an der Endrunde der Nations League verspielte, musste sich Jogi Löw heftiger Kritik stellen. Im Hinblick auf die kommende EM im Sommer schien der Bundestrainer aber wieder halbwegs über den Berg.

Umso überraschender war die Nachricht am Dienstag, dass der dienstälteste Nationalcoach der Welt nach dem Turnier Schluss macht – obwohl der Vertrag noch bis zur WM 2022 läuft. Wir haben Fußball-Funktionäre aus dem Werra-Meißner-Kreis um ihre Sicht der Dinge zum Thema gebeten:

Henrik Stöber, Vorstand TSV-Waldkappel: „Ich finde den Rücktritt richtig. Er soll jetzt seine gute Arbeit (hoffentlich) mit einem Titel beenden, aber gleichzeitig Platz für Neues schaffen. Meiner Meinung nach braucht es auf der Trainerposition eine Veränderung, weil er sich mit der Aussortierung der drei Weltmeister Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller eine Tür geschlossen hat, die er öffnen müsste – aber jetzt zu seinem Wort steht. Mit neuen Ansätzen und Ideen kann der neue Trainer dann die WM in Katar bestreiten.“

Andreas Kreutzer, Abteilungsleiter TSG Bad Sooden-Allendorf: „Der Rücktritt ist meiner Meinung nach richtig. Das Spiel gegen Spanien hat gezeigt, dass ein frischer Wind was Aufstellung und Taktik betrifft, dringend nötig ist. Löw macht es schon so lange, dass er für viele Dinge nicht mehr die richtigen Lösungsansätze hat. Andere Länder zeigen, dass Fußball auch zu einem großen Teil von Individualisten geprägt ist. Hier hinken wir hinterher. Diese müssen schon in der Jugend gefordert und gefördert werden. Und das nicht nur in der Nationalelf und der Bundesliga, sondern runter bis an die Basis. Der neue Bundestrainer muss daher ein Konzept haben, das ganz unten, auch hier bei uns im Kreis, greift.“

Stefan Stederoth, Abteilungsleiter SV Adler Weidenhausen: „Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt. Löw hat sicher auch selbst gemerkt, dass jede Entscheidung von ihm kontrovers in den Medien diskutiert worden ist – und dann muss man nach so langer Zeit im Amt einsehen, dass es wenig Sinn macht. Er hat die Chance mit der EM einen guten Abschluss zu schaffen, denn er hat das Amt des Bundestrainers maßgeblich geprägt – über viele Jahre sehr erfolgreich. Ralf Rangnick wäre mein erster Nachfolgekandidat, der hat bei seinen Stationen eigentlich immer gute Arbeit geleistet. Vergessen darf man allgemein aber auch nicht, dass es auf gewissen Positionen im deutschen Fußball, wie etwa im Sturm, strukturelle Probleme gibt. Da gibt es nicht die Spielermasse, die es vor zehn Jahren gab. Der DFB hat sicherlich auch viele Fehler in der Außendarstellung gemacht, wobei natürlich die Fans viele Sachen beim DFB und der Nationalelf kritischer sehen als beim Herzensverein in der Bundesliga.“

Holger Franke, Kreisfußballwart: „Ich halte die Entscheidung von Joachim Löw, nach der EM nicht mehr als Bundestrainer zur Verfügung zu stehen, für absolut richtig und notwendig. Sie eröffnet dem DFB die Möglichkeit, frühzeitig eine Nachfolgeregelung auf den Weg zu bringen. Es wird ja viel darüber diskutiert, ob der passende Zeitpunkt verpasst wurde und ein Wechsel im Amt des Bundestrainers nicht schon länger überfällig gewesen wäre. Fakt ist aber auch, dass sich Löw um den Fußball in Deutschland verdient gemacht hat und ihm daher der Dank aller Fußballfans sicher sein dürfte. Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Nationalmannschaft dem Bundestrainer mit dem EM-Titel einen würdigen Abschied bereitet.“ (mmo)

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