In den Startlöchern

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Läufer beim Start dicht an dicht: Unser Foto zeigt den Beginn des Halbmarathons beim Lollslauf 2019. Ob die sportliche Großveranstaltung am 11. Oktober stattfinden kann, ist noch nicht entschieden.

Heide Aust steht mit ihrer Veranstaltungs-Agentur Speed in den Startlöchern und wartet auf Signale der Landesregierung.

Neuenstein – Nein, jammern zählte nicht. Aber Heide Aust (49), Inhaberin der Neuensteiner Sportagentur „Speed“, wirkte angespannt und fühlte ihre Hände von Tag zu Tag mehr gebunden. Wie ein Damokles-Schwert schwebte üb-er ihren beruflichen Aktivitäten die Ungewissheit, wie und vor allem ob und wann es in der nächsten Zeit mit sportlichen Veranstaltungen in Hessen weitergehen würde.

So wartete sie auf verlässliche Aussagen aus Wiesbaden, wie zum Beispiel eine Großveranstaltung definiert wird. „Sind es 5000, 2000 oder nur 100 Personen? Was wird aus dem Mindestabstand, was mit Hygiene-Vorgaben? Das ist alles nebulös und macht nervös.“ Schließlich seien Events nicht per Knopfdruck abrufbar, sondern der Kessel der Planung müsse ständig unter Feuer bleiben.

Das war der Stand bis Freitag letzter Woche, bis endlich aus Wiesbaden Fakten geschaffen wurden. Fakten, die jetzt die Ungewissheit weichen lassen, für konkrete Planungen Platz schaffen. Das Team um Aust kann in Aktion treten. Definitiv steht jedoch fest, dass der Geländelauf zur Forstmesse auf dem Bundeswehr-Gelände in Schwarzenborn ausfällt. Bereits vom 16. Mai auf den 19. September ist der „Rhön-Challenge Cup“mit 8000 Startern in Fulda verschoben. „Aber da in Hessen bis zum 31. August alle Großveranstaltungen verboten waren, bangten wir bis jetzt um den Start. Ebenso ungeklärt war auch die Frage der Abstandsregel, was bei einem Lauf ohnehin absurd wäre.“

Nicht anders verhält es sich mit dem „Red Castle Run“ in Rotenburg, für den bereits 960 Läufer gemeldet haben, und der weiter für den 30. August vorgesehen ist. Und dass der 21. Lollslauf am 11. Oktober wackelt, ist kein Geheimnis. „Hier stehen wir im engen Kontakt mit der Stadt und dem Ski-Club Neuenstein.

Soll der Lauf ans Lollsfest, dessen Ausrichtung auch offen ist, gebunden werden? Oder soll der Lauf in Eigenverantwortung stattfinden? Wir wissen es nicht, und so halten wir uns ein Anmelde-Fenster weiter offen“.

Wesentlich komplikationsloser lief es dagegen bei SMOG (Schule machen ohne Gewalt) und dem HBV (Hessischer Basketballverband) ab, die beide ihre Geschäftsstellen auch in der Agentur in Neuenstein haben. Der HBV erklärte die Saison als beendet und sichert jedem gemeldeten Team für die kommende Saison einen Startplatz zu.

Aber Seminare und Ähnliches fallen, wie auch bei SMOG., flach. „Es war erfreulich, wie hier rund 150 Basketballvereine schnell an einem Strang gezogen haben“, stellt Heide Aust fest.

Während Aust, auch durch schnell zugewiesene Soforthilfe, ihre Mitarbeiter noch nicht in Kurzarbeit meldete, zog sie sich selbst einen Zusatzjob auf Honorarbasis an Land. Die Power-Frau, deren Tage gefühlt oft länger als 24 Stunden dauern, berät die Künzeller Firma IETEC Formenbau für orthopädische Einlagen im Hygiene-Krisenmanagement. 40 orthopädische Betriebe bundesweit zählen hier zum geschlossenen Netzwerk. „Morgens von 5 bis 7 Uhr bin ich in der Agentur, dann geht‘s nach Fulda und am Abend wieder zurück zu „Speed“. Dass Aust sich daneben noch als Abteilungsleiterin der Volleyballer der TG Rotenburg um den Trainingsbetrieb und deren Inhalte kümmert, lässt ahnen, wie viel Zeit für Privates bleibt. „Dass durch ständige Videokonferenzen die Abend-Termine ausfallen, gibt mir etwas Luft“, berichtet sie. Wenn sie der Situation etwas Positives abgewinnen soll, dann, dass bis dato über verschiedene Sportarten hinaus, Solidarität gezeigt und ein fairer Austausch geführt wurde. „Viele haben erkannt, dass wir in einem Boot sitzen und nur gemeinsam die Lage meistern können“. Ebenso positiv sei die Tatsache, dass der Kartenvorverkauf von „Sport und Show“ für 2021 hervorragend angelaufen ist.

Bereits 4000 Karten wurden im ersten Verkauf abgesetzt, und die restlichen 2000 werden sicher noch – wie gewohnt – ihre Abnehmer finden. „Es ist ein schönes Zeichen, dass uns das Publikum nicht im Stich lässt und uns so auch Motivation mit auf den weiteren Weg gibt, dessen Länge leider nicht absehbar ist“, sagt Heide Aust. Und dann lächelt sie doch noch, auch, weil Wiesbaden endlich „aus den Pötten gekommen ist!“

Von Michael Rimkus

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