Marathon-Organisator Winfried Aufenanger im Interview über Marathon, Briefeschreiben und kleine Geschenke

10.000 Läufer als Ziel

Klare Ansage: Winfried Aufenanger - hier im vergangenen Jahr im Zielbereich des Kasseler Citylaufes - ist manchmal schon da, wo die anderen noch hinwollen. Foto: Fischer

Kassel. In seinem früheren Leben war er Polizeihauptkommissar. Oder auch nicht. Winfried Aufenanger, 63, war eigentlich immer in erster Linie eines: Läufer. Im Interview sprach er mit uns über den Marathon, Briefeschreiben und kleine Geschenke.

Der Inhaber der Goldenen Sportplakette der Stadt Kassel war schon lange vor seinem größten Coup stadtbekannt als Mr. Citylauf. Dann aber kam das Jahr 2007 und sein bisher größtes Projekt. Wenn am 16. Mai der vierte Eon Mitte Kassel Marathon gestartet wird, wird er als Organisationschef wieder ganz vorn im Begleitfahrzeug mit von der Partie sein. Winfried Aufenanger ist ein Mensch, der polarisiert, dem aber alle zugestehen müssen, dass er die Region bewegt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Wann haben Sie eigentlich angefangen, Ihre Briefe „mit laufendem Gruß“ zu unterschreiben?

Aufenanger: Das begann mit dem Eon Mitte Kassel Marathon im Jahr 2007. Für mich hat das Grüßen durchaus einen Bezug zum Laufen – beides ist eine Ausdauerleistung. Und mein laufender Gruß soll unsere Partner immer weiter verfolgen.

Wenn es ernst wird verteilen Politiker gern Kugelschreiber. Bei Ihnen sind es Pfefferminzbonbons. Warum?

Aufenanger: Wir wollten ein Werbemittel mit Nachhaltigkeit. Inzwischen werden die Pfefferminzpackungen bei öffentlichen Veranstaltungen schon von mir erwartet.

Sie sagten einmal, dass es immer Lösungen gibt. Wenn ein Weg nicht zum Erfolg führt, gibt es einen anderen. Beruhigt Sie diese Einstellung?

Aufenanger: Nur mit dieser Einstellung kann ich überhaupt so ein Großereignis wie den Eon Mitte Kassel Marathon organisieren. Was ich überhaupt nicht leiden kann, sind die ewigen Bedenkenträger. Wenn jemand sagt, dass etwas nicht geht, wird von vornherein der Denkprozess ausgeschaltet.

Manchmal ecken Sie bei der Suche nach Lösungen aber auch an. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Aufenanger: Wenn am eigenen Selbstverständnis gerüttelt wird, ist das nicht angenehm. Wenn ich aber von einer Sache überzeugt bin, nehme ich jede Auseinandersetzung sportlich – und da will ich mich durchsetzen.

Der Kasseler Marathon ist ohne Sponsoren undenkbar. Der Titelsponsor Eon Mitte Vertrieb GmbH hat eine Zusage bis 2011 gegeben. Ist das nicht zuwenig Planungssicherheit?

Aufenanger: Natürlich braucht jeder Veranstalter Planungssicherheit – zum Glück gab es gerade Signale, dass der Vertrag bis 2012 laufen soll.

Diese Partner unterstützen oft auch den Mini-Marathon. Dort wird es wieder einen Teilnehmer-Rekord geben – die Zahl 2000 wird übertroffen werden...

Aufenanger: ..., weil Kinder Gemeinschaftsveranstaltungen lieben. Und im Gegensatz zu Funsport-Ereignissen muss man sich auf den Mini-Marathon länger vorbereiten. Außerdem sind Ausdauersportler leistungsbereiter – das merkt man auch im schulischen Bereich, wie jüngste Untersuchungen gezeigt haben.

Der Marathon als die Kernveranstaltung ist zuletzt kleiner geworden. Sind 1000 Teilnehmer in diesem Jahr auf der neuen Ein-Runden-Strecke erreichbar?

Aufenanger: Das ist die Zahl, auf die wir hoffen, wenn am Veranstaltungswochendende die letzten Nachmeldungen möglich sind. Insgesamt haben wir in Deutschland 212 Marathonläufe, dazu kommen die im europäischen Ausland – natürlich saugen die großen Events die Teilnehmer auf. Wir hatten zudem Pech mit unserem ersten Lauf im Juni 2007, wo die Temperaturen auf 30 Grad hochgingen. Die flachere Ein-Runden-Strecke wird uns hoffentlich gute Zeiten bescheren. Außerdem werben wir inzwischen auch außerhalb der Region in Hannover, im Rhein-Main-Gebiet und in Thüringen.

Der Halbmarathon liegt dagegen bundesweit im Trend, oder?

Aufenanger: Das ist richtig. Man regeneriert sich einfach besser. Und Firmen starten oft mit einer Marathonstaffel, darauf folgt im nächsten Jahr vielfach der Halbmarathon.

Und die Skater?

Aufennager: Die German Blade Challenge hat ihren Hauptsponsor verloren und ist insolvent. Wir hatten überlegt, uns ganz von den Skatern zu trennen, haben uns nun aber für das Gegenteil entschieden: Wir behalten die Skater auch in diesem Jahr im Programm. 2011 und 2012 werden wir sogar die deutschen Inliner-Meisterschaften austragen.

Ein Blick in die Zukunft: 2015 starten in Kassel 10 000 Menschen in allen Wettbewerben des Kassel-Maratons. Passt das?

Aufenanger: Nein, ich gehe davon aus, dass wir spätestens im kommenden Jahr diese Grenze überschreiten werden.

Wenn am 16. und 17. Mai alles abgebaut ist, liegt der Citylauf wieder vor Ihnen. Ist das nur noch Routine?

Aufenanger: Leider ja. Aber der Citylauf wird mit seinem Rundkurs das Highlight in der klassischen City bleiben. Die Veranstaltung findet zum 32. Mal statt, und damit ist noch nicht Schluss.

Von Martin Scholz

Zur Person

Winfried Aufenanger, 63, leitete früher das Polizeirevier Nord. Er ist verheiratet mit Brigitte Aufenanger, hat einen Sohn und drei Enkelkinder. Aufenanger war mehrmals deutscher Polizeimeister und Meister im Crosslauf und lebt in Ahnatal. Über 20 Jahre war er Marathon-Bundestrainer. In Kassel hat Aufenanger als Trainer zudem den PSV Grün-Weiß Kassel in mehr als 30 Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschen Leichtathletik-Klubs gemacht.

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