1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport

Interview mit Co-Trainer Alexander Koke zur DHB-Auswahl und zur Frauen-WM: „Das Team kämpft gnadenlos“

Erstellt:

Von: Björn Mahr

Kommentare

Entspannt über den Dächern von Barcelona: Co-Trainer Alexander Koke.
Entspannt über den Dächern von Barcelona: Co-Trainer Alexander Koke. © Wolf-Sportfoto

Bislang läuft es nach Wunsch. Die deutschen Handballerinnen sind bei der Weltmeisterschaft in Spanien immer als Sieger vom Feld gegangen. Warum das so ist – darüber haben wir mit Alexander Koke gesprochen.

Kassel – Bislang läuft es nach Wunsch. Die deutschen Handballerinnen sind bei der Weltmeisterschaft in Spanien immer als Sieger vom Feld gegangen. Warum das so ist – darüber haben wir mit Alexander Koke gesprochen. Der 42-Jährige, früher unter anderem Profi bei der MT Melsungen und der SVH Kassel, ist der Co-Trainer in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). Wir haben mit Koke vor dem 29:18-Sieg am Mittwochabend gegen die Demokratische Republik Kongo gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zu einem großartigen Start in die WM.

Vielen Dank. Wir hatten schon vor der WM ein gutes Gefühl. Beim Vorbereitungsturnier in Madrid konnten wir wichtige Erkenntnisse sammeln, die wir dann direkt verarbeitet haben. Wir können auf ein stabiles Abwehrspiel bauen. Die Partie gegen Ungarn hat aber auch gezeigt, dass wir unser Spiel im Angriff noch weiterentwickeln müssen.

Was sagen die ersten Auftritte schon über das Leistungsniveau des deutschen Teams aus?

Ich tue mich schwer mit Vergleichen. Die Ungarinnen haben uns schon sehr gefordert. Was ich sagen kann: Wir haben das Potenzial, auch in der Hauptrunde erfolgreich zu sein.

Geben Sie mir Recht, wenn ich sage: An der deutschen Hintermannschaft werden sich noch stärkere Teams die Zähne ausbeißen?

Wir spielen eine leidenschaftliche Abwehr. Das Team kämpft gnadenlos. Wir sind mutig, auch große Räume durch offensive Positionen zu verteidigen. Unser Ziel ist es, den Gegner in Situationen zu bringen, die schwer zu lösen sind.

Danach dürfte der früheren Wildungerin Xenia Smits eine wichtige Rolle zukommen.

Sie ist das Paradebeispiel für eine gute Abwehrspielerin in unserem System. Xenia hat eine fantastische Beinarbeit, erkennt Spielsituationen super. Neben ihr fühlen sich in der Deckung alle wohl.

Konzentriert sich im Kampf um den Viertelfinaleinzug nun alles auf das letzte Hauptrundenspiel am Sonntag gegen Dänemark?

Wenn wir das tun würden, wäre das ein kapitaler Fehler. Eine solche Überheblichkeit wird bestraft. Wir schauen immer nur auf das nächste Spiel.

Ab wann ist bei der deutschen Mannschaft Träumen erlaubt?

(schmunzelt) Ich kann die Träume der Spielerinnen nicht beeinflussen. Ich sehe bei unserem Team aber nicht die Gefahr der Selbstüberschätzung. Jede Spielerin hat gespürt, dass die Partie gegen Ungarn ein hartes Stück Arbeit war. Die Begegnung dürfte Warnung genug gewesen sein.

Die Weltmeisterschaft dauert nun eine Woche. Wie erleben Sie dieses Turnier bislang?

Ich erfreue mich in erster Linie am Spiel unserer Mannschaft. Sonst kann ich nur sagen: Es klappt alles ganz gut. Nicht zu vergleichen mit der Situation vor einem Jahr bei der EM in Dänemark, wo wir zum Beinevertreten in einen geschlossenen Freizeitpark gebracht wurden.

Sie haben es angesprochen: Vor einem Jahr lebten die Teams in einer Blase. Wie viel sehen Sie nun von Land und Leuten?

Jetzt ist es eine gewisse Normalität. Hier können die Spielerinnen auch mal rausgehen. Ich selbst sehe insgesamt relativ wenig. Ich gehe ab und zu laufen. So habe ich Madrid und Valencia ein bisschen kennengelernt. Die meiste Zeit verbringe ich aber mit Training, Videostudium, Spielvorbereitung und so weiter.

Es mangelt nicht an Fan-Unterstützung. Wie haben Sie die Stimmung unterm Hallendach bislang wahrgenommen?

Insbesondere gegen Ungarn herrschte eine gute Atmosphäre. Ich schätze, dass 50 bis 100 deutsche Fans dabei sind. Es scheint, als hätte jede Spielerin Familie und Freunde mobilisiert. (Björn Mahr)

Zur Person: Alexander Koke

Alexander Koke (42) ist gebürtiger Detmolder. Er war zunächst Bundesliga-Handballer in Lemgo. Weitere Stationen waren unter anderen: MT Melsungen, Bayer Dormagen, SVH Kassel, TG Münden und TuS Ferndorf. Seit Frühjahr 2020 ist er als Co-Trainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft tätig. Koke, der in Erfurt lebt, lehrt als promovierter Sportwissenschaftler an der Uni Halle-Wittenberg. Er ist liiert und hat zwei Kinder. 

Auch interessant

Kommentare