Rollstuhlbasketball

Paralympics: Jens Albrecht aus Bebra ist für Tokio nominiert

Rasante Duelle: Jens Albrecht (Mitte in Blau) im Duell mit einem Gegenspieler. Meist hatten Albrechts Thuringia Bulls in der Vergangenheit die Nase vorn.
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Rasante Duelle: Jens Albrecht (Mitte in Blau) im Duell mit einem Gegenspieler. Meist hatten Albrechts Thuringia Bulls in der Vergangenheit die Nase vorn.

Diesmal hat er’s geschafft: Tokio ruft. Jens Eike Albrecht, Rollstuhlbasketballer aus Bebra im Trikot der Thuringia Bulls aus Erfurt, fährt zu den Paralympics. „Ich war mehrmals knapp davor, hab dann aber den Cut nicht geschafft“, sagt Albrecht glücklich. Diesmal hebt der Flieger am 18. August mit ihm an Bord ab.

Bebra – Vom 24. August bis 5. September finden die Spiele in Japans Metropole statt; Albrecht ist dann einer von 137 deutschen Athleten in 22 Sportarten. „Die Paralympics sind einfach das größte Turnier, das man als Rollstuhlbasketballer spielen kann“, ordnet Albrecht die Teilnahme in seine an Erfolgen nicht arme Laufbahn ein.

Der Bebraner, der von Geburt an eine inkomplette Querschnittslähmung hat, trägt seit einem Jahrzehnt das Trikot der Thuringia Bulls aus Erfurt. „Das Paket hat einfach immer wieder gepasst“, begründet er die in seiner Sportart durchaus seltene lange Vereinstreue. Auch die Erfolge passten: Als Albrecht nach Erfurt kam, war noch der RSV Lahn-Dill aus Wetzlar die beherrschende deutsche Mannschaft. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Die Thüringer Bullen gewinnen nun die meisten Meisterschaften - so auch dieses Jahr.

Liga-Langeweile kommt trotzdem nicht auf - im Champions-League-Finale waren mal wieder die Wetzlarer im Duell mit den Erfurtern knapp vorn.

Auch beruflich hat sich etwas geändert beim 30-Jährigen. Der Bachelor in Sozialpädagogik hatte bis 2020 an einer Thüringer Klinik gearbeitet; mittlerweile hat er ein Psychologie-Fernstudium aufgenommen. „Das lässt sich gut mit dem Training vereinbaren, da ich mir komplett die Zeit einteilen kann“, nennt er Vorteile.

Obwohl er sich nicht als Profisportler sieht, ist sein Trainings- und Wettkampfalltag aufwändig. Sieben bis acht je zweistündige Einheiten mit dem Team bilden die Basis des Trainings. Individuelle Dehn-, Kraft- und Wurf-einheiten kommen dazu. Am Wochenende sind Spiele, die Auswärtsfahrten führen die Erfurter nach Trier, Hamburg und München.

Die Paralympics hatte Jens Albrecht schon einmal vor Augen. Vor fünf Jahren reiste er gar mit der A-Nationalmannschaft ins Trainingslager nach Rio de Janeiro, wurde aber im letzten Moment aus dem Kader aussortiert. „Diesmal darf ich“, sagt er lachend.

Albrecht glaubt, dass er „nicht zu den Akteuren mit den meisten Einsatzminuten“ zählen wird, sehr wohl aber seine Zeit auf dem Spielfeld bekommen wird. Dabei hat das deutsche Team im Turnier eine mehr als knifflige Vorrundengruppe erwischt. Titelverteidiger USA ist der erste Gegner, dazu kommen Europameister England, Ex-Weltmeister Australien, der Iran und Algerien. „Es kann bis ins Halbfinale gehen, es kann auch nach der Gruppe schon Schluss sein“ - Albrecht kann die Chancen des deutschen Teams schlecht einschätzen.

Corona übrigens schmälert die Vorfreude nicht. „Zwar haben Teamkollegen erzählt, wie toll es ist, vor Zuschauern bei der Eröffnung ins Stadion einzulaufen. Aber so ist es nun mal jetzt. Das will ich gar nicht mehr ansprechen. Die Ehre bleibt die gleiche!“

Ob die Partien der Rollstuhlbasketballer live im Fernsehen zu sehen sind, ist noch nicht raus. Zumindest einen Liveticker im Internet soll es geben. „Aber da wir nach deutscher Zeit nachts spielen, muss man das schon wollen, uns zu folgen“, sagt Jens Albrecht.

Ein Spiel einmal ganz zu verfolgen, das empfiehlt der 30-Jährige übrigens jedem Sportfan: „Da ist viel Physis und Action dabei. Wir haben speziell angefertigte Rollstühle, rasseln ineinander, es gibt jede Menge Action. Viele Zuschauer sind erstaunt, dass unser Spiel so schnell ist.“

Von Rainer Henkel

Seit zehn Jahren in Erfurt: Rollstuhlbasketballer Jens Albrecht aus Bebra (Mitte).

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