Interview mit RTL-Reporter zur Lage in der Formel 1

Kai Ebel: "Es wird weniger Rennen geben"

In Schräglage: So wie hier Lewis Hamilton bei Testfahrten in Spanien Mitte Februar befindet sich auch die Formel 1 derzeit auf ungewohntem Kurs. Wann und wie die Rennserie wieder startet, steht in den Sternen. Foto: david davies/pa wire/dpa

Die Rennen in Australien, Bahrain, Vietnam und China sind bereits auf unbestimmte Zeit verschoben worden, gestern kam dann auch die Absage für die Grand Prixs in den Niederlanden, Spanien und Monaco. Saisonauftakt wäre damit frühestens am 7. Juni in Aserbaidschan.

Aktuell sollen die Formel-1-Teams Urlaub machen, dafür muss in der Sommerpause gefahren werden. Im exklusiven Interview spricht RTL-Reporter Kai Ebel über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Königsklasse des Motorsports.

Sie haben ja bei RTL schon relativ früh entschieden, dass Sie von den ersten Rennen nicht vor Ort berichten. Warum waren Sie sich so sicher?

Ich glaube, dass man sich beim Sender frühzeitg informiert hat, was das für Auswirkungen haben kann. Am Ende war es die richtige Karte, auf die RTL gesetzt hat.

Wären Geisterrennen in der Formel 1 analog zu Geisterspielen in der Bundesliga eigentlich überhaupt denkbar?

Die Fahrer sagen ja immer wieder, dass sie das Ganze für die Fans und fürs Publikum machen. Deshalb würde das nicht so wirklich passen. Ich glaube ebenfalls nicht, dass Geisterrennen sinnvoll wären, auch wenn Formel 1 eine starke Fernsehsportart ist. Man stelle sich Monaco ohne Zuschauer vor, oder auch Melbourne, wo immer eine wahnsinnige Stimmung herrscht. Oder Silverstone ohne die ganzen wehenden Union-Jack-Fahnen.

In der Bundesliga droht bei einigen Teams der finanzielle Kollaps, wenn nicht zumindest Geisterspiele stattfinden. Ist die Formel 1 auch in einer derart prekären Lage?

Die kleineren Teams trifft das auf jeden Fall sehr hart. Da müssen schnell Lösungen her, wie man ihnen unter die Arme greifen kann.

Mehr und mehr wird diskutiert, dass Sportprofis einen Teil ihrer Gehälter spenden sollen. Sehen Sie das in der Formel 1 auch so?

Erstmal müsste man überhaupt fragen: Wofür soll gespendet werden, warum soll gespendet werden? Da muss man die ganzen Verantwortlichkeiten klären. Und das ist erst komplett möglich, wenn diese Krise überstanden ist.

Haben Sie denn auch Angst, dass die aktuelle Situation noch lange andauert?

Ich gehöre sicher wie viele andere zu denjenigen, die keine Angst haben, sich mit irgendeiner Grippe anzustecken. Ich habe vielmehr Angst davor, in Quarantäne zu landen. Diese Panik, sich eventuell in Quarantäne begeben zu müssen, hat alles lahmgelegt. Vor der Krankheit selbst müssen ja nur die wenigsten Angst haben. Die älteren Menschen und diejenigen mit Vorerkrankungen müssen besonders auf sich aufpassen, aber das ist bei einer normalen Grippe ja auch der Fall.

Ferrari hat seine Fabriken als erstes geschlossen. Kann man irgendwann überhaupt wieder einen fairen Wettbewerb aufnehmen?

Ich denke ja, weil die Pause derzeit alle trifft. Es kann ja niemand heimlich testen oder trainieren. Die Teams, die vorher einen Vorsprung hatten, werden auch hinterher einen Vorsprung haben. Man muss halt nur irgendwann mal einen Strich machen und sagen: Jetzt geht’s wieder los. Sei es Anfang Juni oder wann auch immer. Man muss ja auch diskutieren, welche Rennen noch irgendwo reingepackt werden können und welche nicht.

Die Sommerpause soll nun für Rennen zur Verfügung gestellt werden. Glauben Sie, dass das möglich ist?

Das wäre möglich, angesichts der Tatsache, dass so viel ausgefallen ist. Die Teams werden zwar argumentieren, dass sie die Pause brauchen, aber sie haben ja jetzt eine Pause. Was auch feststeht: Es wird definitiv weniger Rennen geben. Denn die ganzen Leute, die in der Formel 1 arbeiten, dürfen auch nicht mit Gewalt überfordert werden. Vier Rennen am Stück würden bedeuten, dass die Mechaniker gar kein Tageslicht mehr sehen.

Wäre die komplette Annullierung der Serie eine Alternative? Es hat ja noch kein Rennen bisher gegeben.

Nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Da hängt einfach zu viel dran. Wenn das passiert, dann gute Nacht. Es ist etwas anderes, wenn man die Fußball-EM um ein Jahr verschiebt.

Weil die Formel 1 dann auch einen heftigen Imageschaden verkraften muss?

Absolut. Während jede regionale oder nationale Fußball-Liga für sich selbst entscheiden kann, ist die Formel 1 wohl der globalste Sport schlechthin. Und deshalb muss eben auch eine gesamte Entscheidung getroffen werden, mit der alle leben können.

Die ersten Fahrer haben sich bereits vor die Spiele-Konsole gesetzt und kämpfen im E-Sport um Punkte. Kann das die Vorbereitung zumindest unterstützen oder hat das mit den realen Rennen kaum etwas zu tun?

Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun, allerdings können sich die Fahrer auf diese Weise die Strecken ganz gut einprägen. Die jüngeren Profis haben da sicher viel Spaß dran und sind so ja auch über die Konsole in den Kartsport gerutscht und dann irgendwann in der Formel 1 gelandet. Die Älteren betrifft das glaube ich nicht mehr so.

Wie beschäftigen Sie sich derzeit persönlich ohne die Formel 1?

Ich mache das, was man machen kann – also vor allem täglich Sport. Und eigentlich lebe ich mein normales Leben, das ich sonst auch lebe, wenn kein Rennen ist.

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