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Bundestrainer Mark Haubold im Interview: „Olympia ohne Karate ist eine Rolle rückwärts für unseren Sport“

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Von: Marco Washausen

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Treffer: Mark Haubold (links) bei einem WM-Vorkampf im Oktober 2000 in München. Hier im Duell mit dem Griechen Vassileios Stayrianidis
Treffer: Mark Haubold (links) bei einem WM-Vorkampf im Oktober 2000 in München. Hier im Duell mit dem Griechen Vassileios Stayrianidis © imago/Frinke

Seit Anfang des Jahres ist Mark Haubold Karate-Bundestrainer für die Altersklassen U16 und U18. Im Interview verrät der Northeimer, wie sich das ergab und was seine Aufgaben sind.

Herr Haubold, seit rund eineinhalb Monaten sind Sie Bundestrainer für den Nachwuchs. Erzählen Sie mal: Wie kam es dazu?

Mark Haubold: Ich bin ja schon seit drei Jahren Assistenz-Bundestrainer von Thomas Nitschmann gewesen. Und eigentlich wollte ich auch Assistent bleiben. Nun war für Thomas Nitschmann am 31. Dezember aber nach 17 Jahren im Amt Schluss. Mit Jonathan Horne hat der Deutsche Karateverband einen 33-Jährigen zum Chef-Bundestrainer gemacht, der vor einem halben Jahr bei den Olympischen Spielen in Tokio noch eine Medaille für Deutschland holen sollte. Doch leider hat ihm eine schwere Verletzung am Arm einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Jonny wurde nun freie Hand gegeben, wen er in seinem Trainerteam um sich herum haben will. Und als er mich für den Nachwuchsbereich haben wollte, habe ich ja gesagt.

Vom Assistenten zum Nachwuchs-Bundestrainer: Was hat sich für Sie konkret geändert?

Haubold: Eigentlich nicht viel. Im Grunde genommen lediglich die Altersklasse. Vorher lag mein Fokus auf der U21 und der Leistungsklasse. Jetzt bin ich für die U16 und die U18 zuständig. Und das hauptberuflich. Aber bei den Turnieren, wo diese Athleten antreten, bin ich ja vorher mit dem niedersächsischen Landeskader auch schon vor Ort gewesen. Da ändert sich also wenig. Lediglich in Sachen Organisation wird wohl künftig ein bisschen mehr Arbeit auf mich zukommen.

Wie haben es ihre Northeimer Sportler aufgenommen, dass sie künftig den Bundestrainer quasi vor der Haustür haben?

Haubold: Mit meinen Söhnen Janne und Mika sowie Ian Kindler und Haidar Safi gehören ja vier Northeimer zum deutschen Nationalkader. Und die Jungs haben das quasi aus der Presse erfahren. Das war schon ein bisschen kurios. Ich habe das ziemlich lange geheim gehalten. Und dann war es ein dummer Zufall, dass es doch vorzeitig heraus kam. Auf einem Schreiben des Karateverbandes tauchten auf einmal die neuen Bundestrainer auf. Und dann ging das natürlich herum wie ein Lauffeuer.

Letzte Tipps für Sohn Janne Haubold bei der WM in Dubai.
Letzte Tipps für Sohn Janne Haubold bei der WM in Dubai. © Brigitte Kraußer / Deutscher Karateverband

Hat es Folgen für den Karate-Standort Northeim, dass Sie nun auf Bundesebene mitentscheiden?

Haubold: Nein, das denke ich nicht. Vielleicht wird mal der eine oder andere Kader-Lehrgang in Northeim stattfinden. Aber so etwas gab es auch schon vorher und ist völlig normal.

Jetzt sind Sie seit ein paar Wochen im Amt: Was haben Sie in der Zeit so gemacht?

Haubold: Ich habe zum Beispiel eine Bestandsanalyse gemacht. Das hat mich unglaublich lange beschäftigt. Ich musste mir erstmal einen möglichst exakten Überblick über alle Athleten machen. Wer startet in welcher Altersklasse? Wer hat bei welchem Turnier welchen Platz belegt? Das habe ich alles auf einer langen Liste erfasst. Schließlich darf mir da niemand durchrutschen. Da muss man schon sehr genau sein. Kürzlich stand nun außerdem der Auftakt-Lehrgang des deutschen Nationalkaders in Bergisch-Gladbach auf dem Programm. Daran haben meine vier Northeimer Jungs und ich natürlich auch teilgenommen.

Welches ist das erste große Turnier, zu dem Sie mit dem deutschen Nationalkader als Bundestrainer reisen werden?

Haubold: Das wird die Nachwuchs-Europameisterschaft Mitte Juni in Prag sein. Aber bis dahin haben wir noch ein bisschen Zeit.

In den vergangenen Wochen wurde das Sportgeschehen von Olympia in Peking dominiert. Wie sehr schmerzt es da, dass es Karate auf dieser größten Bühne der Welt vorerst nicht gibt?

Haubold: Sehr. Und es kann niemand verstehen, warum das so ist. Schon vor den olympischen Spielen im letzten Jahr in Tokio, wo sich Karate präsentieren durfte, stand fest, dass wir beim nächsten Mal, also 2024 in Paris, leider nicht mehr dabei sein werden. Das ist eine Rolle rückwärts für unseren Sport. Ich hatte gehofft, dass die Franzosen mit Blick auf die Titelkämpfe im eigenen Land vielleicht noch etwas bewirken können. Frankreich hat im Karate eine sehr starke Position. Aber da war wohl nichts zu machen.

Weltmeisterschaftsfinale im Jahr 2000 in München gegen Frankreich: Mark Haubold (links) im Duell mit einem Franzosen. Das deutsche Team holte Silber.
Weltmeisterschaftsfinale im Jahr 2000 in München gegen Frankreich: Mark Haubold (links) im Duell mit einem Franzosen. Das deutsche Team holte Silber. © imago/Frinke

Aber was genau steckt denn dahinter?

Haubold: Das kann ich auch nur vermuten. Aber ich denke, da ist sportpolitisch irgendetwas komplett schief gelaufen. Es gibt für mich eigentlich keine Gründe, warum Karate nicht olympisch sein sollte. Wir erfüllen alle Voraussetzungen. Ein sensibles Thema sind natürlich Verletzungen. Bei einer Kampfsportart wie Karate bleibt so etwas leider ab und zu nicht aus. Aber so etwas gibt es auch bei anderen Sportarten. Denken wir mal daran, als Deutschland 2014 Fußball-Weltmeister wurde. Da wusste Christoph Kramer im Finale gegen Argentinien nach einem Zusammenprall nicht mehr wo er war. Und später hatte Bastian Schweinsteiger eine Platzwunde im Gesicht.

Das muss doch auch für die Sportler eine verrückte Situation sein. Sie sind die Besten aus Deutschland, treten bei Europa- und Weltmeisterschaften an, wissen aber genau, dass es für sie keine Chance gibt, bei olympischen Spielen dabei zu sein.

Haubold: Absolut. Das ist natürlich alles andere als motivierend. Wir hatten in Tokio immerhin fünf Deutsche am Start. Das ist schon eine beachtliche Zahl. Und auch Janne wäre fast in den Genuss gekommen, zu Olympia nach Tokio zu fahren. Jonathan Horne wollte ihn damals eigentlich als Sparringspartner mitnehmen. Daraus ist dann aber nichts geworden. (Marco Washausen)

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