Interview: Kasseler Boxer Mohammad Rasuli über seine Rückkehr in den Ring und den nächsten Titelkampf

„Ich bin auf alles vorbereitet“

Im Vorwärtsgang: Mohammad Rasuli (rechts) im vergangenen Jahr während eines Kampfes gegen Vladimir Idranyi im Autohaus Hessenkassel. Foto: Zgoll/nh

kassel. Eigentlich war ein Urlaub in Portugal geplant, aber dann kam alles anders. Überraschend hat der Kasseler Boxer Mohammad Rasuli vor sechs Wochen eine Einladung zu einem EM-Titelkampf im Cruisergewicht (bis 89,7 Kilogramm) erhalten. Gegner ist der bisher in 20 Kämpfen ungeschlagene Bosnier Damir Beljo. Der WBO-Kampf über zwölf Runden soll am kommenden Freitag in Mostar, der Heimatstadt des Titelträgers, stattfinden. Wir sprachen mit Mohammad Rasuli, der bei dem Kampf von seinem Trainer und Sparringspartner Nedzad Dzankovic sowie seiner Verlobten Sadaf Barahouei unterstützt wird.

Sie hatten vergangenes Jahr schon darüber nachgedacht, sich als aktiver Boxer zurückzuziehen. Warum jetzt die Rückkehr in den Ring?

Rasuli: Das Angebot war einfach zu gut. Für mich wäre der schönste Abschluss ein Europameistertitel zum Karriereende. Und ich boxe als Herausforderer gegen den amtierenden Europameister eines bedeutendes Verbandes – der WBO. So eine Gelegenheit kommt nicht wieder.

Das wird aber sicherlich ein recht heißes Pflaster in Bosnien, oder?

Rasuli: Auf alle Fälle. Da wird kaum jemand auf meiner Seite sein, aber ich bin auf alles vorbereitet.

Was ist das denn für ein Gegner, dieser Damir Beljo.

Rasuli: Von der Statur und der Kampftaktik ähneln wir uns, aber er hat bisher alle seine 20 Profi-Kämpfe gewonnen und ist erst 30 Jahre alt. Ich sehe darin für mich aber durchaus eine Chance, denn ich weiß, dass man nach einer Siegesserie auch gern mal überheblich wird. Mit ein bisschen Glück unterschätzt er mich einfach, und trainiert habe ich in den vergangenen sechs Wochen außerordentlich hart.

Was denn?

Rasuli: Meistens zweimal täglich mit Schwimmen, Laufen und natürlich Pratzentraining und Sparringskämpfen im Ring.

Aber Sie werden schon ordentlich was einstecken müssen, oder?

Rasuli: Davon gehe ich aus, aber meine Verlobte sitzt ja am Ring. Das motiviert mich hoffentlich.

12 Runden sind angesetzt. Werden Sie über die volle Länge des Kampfes gehen können?

Rasuli: Das wird für mich sehr hart, aber ich glaube, dass ich es bringen kann.

Und wie steht es mit der mentalen Stärke bei solch einem Großereignis?

Rasuli: Psychisch bin ich stabil genug. Ich habe 24 Kämpfe hinter mir und hatte auch schon früher starke Gegner.

Jahrelang hatten Sie bei Ihren Kämpfen in Kassel Heimvorteil. Mit was für einer Kulisse rechnen Sie denn in Mostar?

Rasuli: Das bosnische Fernsehen ist vor Ort. Der Kampf findet in einer großen Basketballhalle statt, und die Veranstalter rechnen mit bis zu 5000 Zuschauern. Es gibt sechs Vorkämpfe, und mein Kampf ist der Hauptkampf des Abends. Da wird die Stimmung sicherlich entsprechend sein.

Was passiert, wenn Sie gewinnen?

Rasuli: Mein Vertrag sieht für diesen Fall vor, dass Beljo dann einen Rückkampf bekommt. Wenn ich den auch gewinnen würde, könnte ich entscheiden, wie es weitergeht. Aber das ist Zukunftsmusik.

Ein großer Teil Ihrer Zukunft wird sich weiterhin in Kassel abspielen. In der Vergangenheit hatten Sie mit den von Ihnen organisierten Box-Veranstaltungen bis zu 500 Zuschauer. Wird es das weiter geben?

Rasuli: Auf alle Fälle. Auch in diesem Jahr bin ich oft darauf angesprochen werden. Vielleicht werde ich sogar selbst noch einmal boxen. Während der Vorbereitung auf den kommenden Kampf habe ich gemerkt, dass ich mich noch gut fühle. Auf alle Fälle möchte ich im nächsten Herbst meine Veranstaltung „Crash of the Lions“ fortführen.

Von Martin Scholz

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