Jens Martin, der Master aller Esdo-Master

Privates Glück mit Tochter Flora auf dem Arm: Jens Martin bringt hier mal eine ganz sanfte Partnerübung auf die Matte. Foto:  nh

Rotenburg. Jens Martin hat als Kampfsportler etwas Einzigartiges erreicht. Der Mann aus Alheim hat als Einziger im Esdo die Prüfung zum zehnten Meistergrad abgelegt.

Konfrontiert mit der plakativen Aussage, er sei ja jetzt so etwas wie der Master aller Master, sagt er: „Ich sehe das ein bisschen bescheidener und hänge das nicht so hoch.“ Es als Erster zu schaffen, trieb ihn trotzdem an: „Das kann mir keiner nehmen. Ich bin zwar auch Deutscher Meister und Europameister geworden, aber der 10. Meistergrad ist für mich der Höhepunkt meiner sportlichen Laufbahn.“

Esdo, räumt er ein, sei nicht mit den großen Kampfsport-Brüdern Judo oder Karate zu vergleichen. Europameisterschaften seien bessere Deutsche Meisterschaften. Das Gros der Sportler kommt nämlich aus Deutschland, wo zirka 2000 Menschen diesen Sport betreiben. Andere EM-Teilnehmer stammen aus der Schweiz, aus Frankreich, Spanien, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Polen und Ungarn.

Junge Sportart

Esdo ist eine vergleichsweise junge Sportart. Aus der Taufe gehoben wurde sie 1989. Zwei der drei Gründungsväter, Kunibert Back und Peter Krenkler, nahmen Jens Martin nun auch die Prüfung ab.

Seit 1995 gibt es die Esdoschule Rotenburg. Jens Martin, damals begeisterter Judoka und bereits Schwarzgurtträger, war durch einen Artikel in einer Fachzeitschrift auf Esdo aufmerksam geworden. Gemeinsam mit einem Freund, Frank Dürnfelder, brachte er Esdo 1996 als Abteilung des Judoclubs Rotenburg nach Waldhessen. Vor zwölf Jahren folgte die Gründung der Esdoschule.

Beruflich neu orientiert

Die Tatsache, dass er als Trainer oft mit Jugendlichen arbeitet und gemerkt hat, dass ihm das liegt, hat sein Berufsleben verändert. Denn der Bäckermeister hat sich vor zwei Jahren noch einmal neu orientiert. Im dualen System studiert er nun im vierten Semester Soziale Arbeit. Den praktischen Teil absolviert er im Beiserhaus in Knüllwald-Rengshausen, wo er für sich eine berufliche Perspektive sieht. Dort betreut er unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Der Grund, noch einmal beruflich umzusatteln, war seine Familie. Als Betriebsleiter einer Bäckerei begann sein Dienst um Mitternacht. Acht Stunden später verließ er die Backstube. Aber frei hatte er damit noch lange nicht, denn jetzt wartete Büroarbeit auf ihn. Diese Arbeitszeiten seien in diesem Job die Regel, nicht die Ausnahme, sagt Jens Martin. Am Tage musste er dann schlafen. „Ich will aber meine Tochter aufwachsen sehen und so wenig wie möglich verpassen. Die Familie geht mir über alles“, sagt er. Also machte er einen radikalen Schnitt - auch weil er überzeugt ist: „Man kann nicht ein Leben lang gegen seinen Bio-Rhythmus arbeiten.“

Intensives Trainingsjahr

Ein Jahr lang hat sich Jens Martin intensiv auf die Prüfung zum zehnten Meistergrad vorbereitet. Während viele Esdosportler eher die Aspekte Selbstverteidigung und Fitness im Blick hätten, ging es ihm von Anfang an darum, Wettkämpfe zu bestreiten und Meistergrade anzustreben - womit er in der Rotenburger Esdoschule nicht alleine steht. In diesem Klub gibt es viele Kampfsportler bis hinauf zum sechsten Meistergrad, die sich den schwarzen Gürtel umbinden dürfen. Die Frage, was ihn an Esdo so fasziniert, beantwortet Jens Martin, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern: „Die Flexibilität. Es gibt wenige einschränkende Vorgaben, auch nicht bei Wettkämpfen. Jeder kann sich individuell entfalten.“

Von Thomas Walger

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