Vier junge heimische Kämpfer machen auch überregional auf sich aufmerksam

Mohamed hat das Judo-Gen

Drunter und Drüber: Lennard Knippschild (links) und Henrik Kuhlmey schenken sich auch im Training nichts und beeindrucken mit hochklassigem Judosport. Foto: Schachtschneider

Kassel. Als ob sie die Frage erwartet hätten. Kaum ist sie gestellt, stiehlt sich ein leicht verschwörerisches Lächeln auf ihre Gesichter. Ob ihnen Freunde, Klassenkameraden und Bekannte mit größerem Respekt begegnen als anderen?

„Ja, das spürt man schon“, sagt Lennard Knippschild stellvertretend auch für Lisa Marie Markert, Mohamed Abdulkawe und Henrik Kuhlmey. Erworben haben die vier U18-Talente diesen Respekt, weil sie im Judo überregional auf sich aufmerksam machten. Markert und Knippschild wurden Südwestdeutsche Meister, Abdulkawe Vizemeister, Kuhlmey holte Bronze.

Während Marker für Bushido Vellmar kämpft, starten die Jungs für den PSV Grün-Weiß Kassel. Auch zwei weitere Kasselerinnen waren erfolgreich. Die für Kim Chi Wiesbaden antretende Isabell Galauch holte den Hessentitel, Lisa Hanke (JC Göttingen) wurde Norddeutsche Vizemeisterin.

„Man kann Frust abbauen und die Seele baumeln lassen.“

Lisa Markert

Doch zurück zum Respekt. „Ich hatte es zum Glück noch nie nötig, meine Fähigkeiten abseits der Matte unter Beweis zu stellen. Und die anderen auch nicht“, führt Knippschild weiter aus. Und Markert ergänzt: „Unsere Freunde sagen schon mal, dass sie weniger Angst haben, wenn wir dabei sind.“ Und sonst? „Es kommt meist gut an, wenn man sagt, man macht Judo. Auch dann, wenn man auf Partys vorgestellt wird“, betont Kuhlmey.

Angesprochen auf die Ursachen ihrer Judo-Begeisterung fallen die Antworten vielfältig aus. „Ich habe schon alles ausprobiert, bin aber dabei hängengeblieben. Man kann kämpfen und sich mit anderen messen. Und man kann Frust abbauen und die Seele baumeln lassen“, erklärt Markert. Knippschild sieht es so: „Körper und Geist werden beansprucht, und Judo verleiht viel Selbstbewusstsein.“

Ihre Perspektiven beurteilen die Jungs eher nüchtern. „Andere trainieren siebenmal pro Woche. Ich nur dreimal, da muss man sehen, was geht“, sagt Kuhlmey für alle drei. Anders Markert. „Ich trainiere fünfmal pro Woche, mache dazu Kraft- und Ausdauertraining. Weil ich sehr ehrgeizig bin, komme ich schlecht damit klar, wenn ich meine Ziele nicht erreiche.“

Aber auch Abdulkawe bekundet Ehrgeiz. „Der hält sich aber in Grenzen. Ich will auch nicht mein Leben lang Judo machen“, beteuert er. Und das, obwohl die anderen große Stücke auf ihn halten. „Mohamed hat das Judo-Gen. Er macht das noch nicht lange, ist aber schon sehr fit darin“, weiß Knippschild. Oder wie Peter Malmus, einer der Trainer, es ausdrückt: „Er hat Judo im Gespür.“

Letztlich ist Malmus jedoch sehr angetan von allen seinen Schützlingen. „Sie wissen, dass Talent allein nicht reicht, und werden ihren Weg auch ohne übertriebenen Ehrgeiz gehen“, ist er sicher.

Von Wolfgang Bauscher

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