Interview: Box-Profi Özcan Cetinkaya über das Abnehmen und sein Leben als Box-Profi und Promoter

Den Titel in Kassel verteidigen

Immer noch in Angriffslaune: Özcan Cetinkaya möchte auch in Zukunft Boxveranstaltungen in Kassel organisieren. Foto: Dessauer

kassel. Box-Nacht und mehr. Seit 15 Jahren ist der Box-Profi Özcan Cetinkaya im Box-Geschäft. Wir sprachen mit ihm über Gewichtsprobleme, seine Zeit im Ring und seine Pläne für das Jahr 2018.

Sie hatten gerade wieder einen Kampf im Cruisergewicht, wogen aber zuviel. Wie hungert man sich eigentlich am besten in wenigen Tagen fünf Kilogramm herunter?

Cetinkaya: Da war ja kaum Fett, das ich loswerden musste, sondern vor allem Flüssigkeit. Fünf Kilos musste ich in fünf Tagen verlieren. Da bin ich jeden Morgen eine Stunde gelaufen, habe nichts gegessen und nur das Nötigste getrunken. Dann kann man das schaffen.

Und danach kann man einen Profi-Boxkampf durchstehen?

Cetinkaya: Das Angebot für den Kampf gegen den Bosnier Edin Puhalo in Furth im Wald kam sehr kurzfristig. Ich hatte keine andere Wahl, aber man verliert schon Kraft ...

... und das haben Sie dann auch im Kampf gespürt?

Cetinkaya: Klar. Bis in Runde vier habe ich sogar nach Punkten vorn gelegen, aber dann ging nichts mehr. Ich hatte Krämpfe, aber ich wollte den Kampf auch, weil es für März ein Versprechen für einen Rückkampf in Bosnien gibt. Da kann ich mich dann längerfristig vorbereiten.

Und danach soll es doch auch in Kassel weitergehen mit einer Box-Gala, oder?

Cetinkaya: Auf alle Fälle. Nach dem Kampf in Bosnien möchte ich wieder eine Box-Nacht im Autohaus Dürkop organisieren. Vermutlich im April oder im Mai.

Steigen Sie in Kassel auch wieder in Ring?

Cetinkaya: In Bosnien geht es um einen WBC-Titel. Wenn ich den gewinne, werde ich ihn in Kassel auch verteidigen. Auf alle Fälle muss ich im Frühjahr meinen deutschen GBA-Meistertitel verteidigen.

Wie beurteilen Sie die Chancen, den Boxsport dauerhaft vor einem nordhessischen Publikum zu etablieren?

Cetinkaya: Das ist schwer. Die Stadt ist nicht so groß, aber die Ansprüche des Publikums schon. Viele würden gern bekannte Boxer hier live sehen, aber die Bereitschaft, für große Kämpfe mehr Geld zu bezahlen, ist gering. Ein Eintritt von 30 oder 40 Euro ist den meisten zuviel. Zum Glück habe ich ein paar gute Sponsoren, aber man sieht ja selbst beim KSV Hessen Kassel, dass es Probleme mit den Sponsoren gibt.

Das ganze Geschäft ist schon sehr schnelllebig. Graciano Rocchigiani war schon mal ihr Trainer. Inzwischen haben Sie sich auch von Ihrem letzten Trainer Manfred Jassmann getrennt. Wie geht es weiter?

Cetinkaya: Hier habe ich keinen festen Trainer mehr. In der Nähe von Koblenz gibt es noch ein Box-Gym, wo ich mich vor den nächsten Kämpfen vorbereiten will.

Sie haben ja auch sonst schon einiges erlebt. In China wollten Sie auch boxen. Wie war das so?

Cetinkaya: Ich habe da drei Monate trainiert und sollte auch als Trainer einsteigen. Ich hätte jeden Monat einen festen Lohn erhalten, aber ich wollte nicht dortbleiben.

Warum?

Cetinkaya: Ich habe das Essen nicht vertragen und zu stark abgenommen. Es ging einfach nicht.

Jetzt sind Sie 39 Jahre alt. Ewig können Sie nicht mehr boxen. Wie sind Ihre Pläne?

Cetinkaya: Zwei oder drei Jahre will ich noch selbst boxen. Im Idealfall gelingt es mir, im Ausland ein junges Talent zu entdecken und zu fördern. Am liebsten im Schwergewicht, weil sich diese Kämpfe international am besten vermarkten lassen. Wer interessiert sich schon fürs Weltergewicht?

Spielt da die Nationalität für Sie eine Rolle?

Cetinkaya: Nationalitäten spielen für mich keine Rolle. Die Türkei ist mein Land, weil ich dort geboren bin, aber hier bin ich zu Hause.

Zwischen Deutschland und der Türkei gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Meinungsunterschiede. Was denken Sie eigentlich über das Verhältnis der Deutschen und der Türken?

Cetinkaya: Politik interessiert mich nicht. Natürlich möchte ich nicht, dass sich Deutschland und die Türkei streiten. Oft ist es schwer zu verstehen, wer Recht und wer unrecht hat. Mir geht es um meinen Sport, und dabei ist es mir egal, ob die Boxer aus Deutschland, der Türkei oder aus Afrika kommen. Hauptsache, sie verhalten sich korrekt und können gut boxen. Ich selbst fühle mich als Deutscher und Türke.

Von Martin Scholz

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