Ein Last-Minute-Melder siegt bei den Männern 

Historisches beim Halbmarathon: Die Älteste hängt alle ab

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So sehen Hessenmeister im Halbmarathon aus: Ybekal Daniel Berye und Sandra Morchner vom PSV Grün-Weiß Kassel, die mit 47 Jahren zugleich die älteste Halbmarathon-Siegerin ist. 

Kassel. Ein Last-Minute-Starter, die älteste Siegerin der Geschichte des Kassel-Marathons und ein Landesentscheid, in dem die Farben Grün und Weiß dominieren: Der Halbmarathon lässt mit mehreren bemerkenswerten Geschichten aufhorchen. 

Frauen

Was Berye und Nerkamp können, das können wir auch, dachten sich die PSV-Frauen und drehten richtig auf. Sandra Morchner ist dabei Historisches gelungen: Mit 47 Jahren ist sie nicht nur die mit Abstand älteste Siegerin in der Kasseler Halbmarathon-Geschichte. Ihre Zeit von 1:17:12 Stunden bedeuten persönliche Bestzeit und Deutschen Halbmarathon-Rekord in ihrer Altersklasse W45.

Klar, dass auch sie neue Hessenmeisterin ist. Zum Vergleich: Susanne Schreindl (LG Passau/1:17:31) ist 27 Jahre alt, PSV-Kollegin Anna Starostzik (1:18:12) 30. Umso höher ist die Leistung der Sylterin einzuordnen, zumal sie mit diesem Ergebnis nicht gerechnet hatte. „Das Rennen hat sich erst auf dem letzten Kilometer entschieden. Ich freue mich wahnsinnig und kann mich bei einem so tollen Trainer wie Winfried Aufenanger nur bedanken. Es ist großartig, wie er seine Athleten unterstützt“, erklärte die Bürokauffrau.

Aber ein professioneller Trainingsplan allein ist nicht das Erfolgsgeheimnis. „Ich habe erst vor acht Jahren angefangen zu laufen. Ich habe noch die Frische in den Beinen und höre auf meinen Körper.“ So einfach kann es manchmal also sein, will man erfolgreich sein und gewinnen.

Männer

Platz eins gleich beim ersten Halbmarathon-Start: Karl Junghannß.

Manchmal sind spontane Entscheidungen ja die besten. Karl Junghannß kann ein Lied davon singen. Erst am Samstagabend hatte der 22 Jahre alte Sportstudent aus Leipzig, der in Erfurt trainiert, für Kassel gemeldet. Und dann gleich abgeräumt: Beim ersten Start in Kassel war er über die 21 Kilometer das Maß der Dinge. Und das, obwohl er Geher ist und mit Platz 13 bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr sogar an einer Top-Ten-Platzierung schnupperte.

„Es war eine kurzfristige Entscheidung. Mir steht noch eine Operation an der Leiste bevor, ich wollte die Pause sinnvoll nutzen“, erklärte er. „Ich hatte ein bisschen davon geträumt, unter 1:05 Stunde zu bleiben. Aber ich bin über weite Strecken allein gelaufen, da war mehr nicht drin.“ Immerhin: Es fehlte ein Wimpernschlag, die Uhr blieb bei 1:05:29 Stunde stehen. Der Schwerpunkt Laufen im Geh-Training hat sich also ausgezahlt.

Apropos Training: Das musste ein Kasseler Läufer anders ausrichten, um im Halbmarathon auf Touren zu kommen. Doch auch für Ybekal Daniel Berye vom PSV Grün-Weiß Kassel hat sich das gelohnt. Der Äthiopier, der in den vergangenen Jahren im Kassel Marathon angetreten war, musste diesmal nach langer Verletzungspause leicht angeschlagen auf die halbe Distanz ausweichen.

Als Vierter im Ziel: Der Kasseler Lokalmatador Jens Nerkamp ist Vize-Hessenmeister.

Dem Erfolg tat das aber keinen Abbruch. Denn nach 1:08:05 Stunde kam er nicht nur als Dritter des Gesamtwettbewerbs hinter Junghannß und Christian Schreiner (LAZ Rhein-Sieg) ins Ziel. Weil er einen deutschen Startpass besitzt, kann er auch an Landesmeisterschaften teilnehmen. Und weil die Hessische Halbmarathon-Meisterschaft in Kassel ausgetragen wurde, ist dieser dritte Platz zugleich auch ein erster: Berye ist der schnellste Hesse über die 21 Kilometer und somit neuer Landesmeister.

Entsprechend glücklich war der 30-Jährige: „Bis Kilometer zehn war alles okay, danach hatte ich leichte Oberschenkel-Probleme. Hundertprozentig fit bin ich nicht. Aber umso mehr freue ich mich jetzt und feiere ein bisschen mit Jens.“ Jens ist Beryes Trainings- und Vereinskollege Jens Nerkamp. Zweiter war er im Vorjahr, als Vierter der Gesamtwertung und zweitschnellster Hesse kam er in diesem Jahr ins Ziel, 42 Sekunden hinter Berye.

„Ich habe am Anfang noch versucht, vorn bei Karl mitzugehen, aber er ist deutlich fitter als ich. Ich habe schnell gemerkt, dass ich da nicht mitkomme, und bin mein eigenes Tempo gelaufen. Ich war zwar auf mich allein gestellt, aber an der Strecke haben mich viele erkannt und angefeuert“, sagte der 29-Jährige und fügte grinsend an: „Jetzt muss ich halt im nächsten Jahr angreifen. Denn irgendwann muss ich ja das Ding hier in Kassel mal gewinnen.“

Hier finden Sie alle Fotos und Videos vom Kassel Marathon 2018.

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