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Kassel ist verrückt nach Roundnet: Sogar die Deutschen Hochschulmeister kommen von hier

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Von: Paul Bröker

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Zu Besuch beim Fortgeschrittenentraining der Roundnet Raccoons: Vorne am runden Netz von links Selina Mertsch, Fabian Claus, Eva Weidemann und Iven Burghardt.
Zu Besuch beim Fortgeschrittenentraining der Roundnet Raccoons: Vorne am runden Netz von links Selina Mertsch, Fabian Claus, Eva Weidemann und Iven Burghardt. © Pia Malmus

Ein rundes Netz, darum vier energisch kämpfende Spieler. Dieser Anblick wird in Kassel zur Gewohnheit. Denn Kassel ist Hochburg im Trendsport Roundnet.

Kassel – Roundnet: Was ist das? Ein rundes Netz zum Fischen? Ein neuer Internet-Anbieter? Weit gefehlt: Roundnet ist eine Trendsportart, die seit Kurzem in Deutschland durchstartet – und Kassel hat sich zu einer Hochburg entwickelt. Wie kam es dazu?

Entstanden ist die hier ansässige Trainingsgruppe Roundnet Raccoons Kassel durch einen Hochschulsportkurs, den 2018 Theresa Knauf (25) initiiert hatte. Schnell stießen weitere Kommilitonen und Berufstätige hinzu, zumeist aus anderen Ballsportarten. Heute umfasst die Gruppe etwa 45 Teilnehmer. Trainiert wird dank einer Kooperation mit der Universität Kassel weiterhin unter dem Dach des Hochschulsports. So stehen im Winter ausreichend Hallenzeiten zur Verfügung.

Hochburg Kassel: Roundnet Raccoons gründeten sich 2018 über den Hochschulsport

Dass sich dieses Training auszahlt, zeigen die Ergebnisse der ersten offiziellen Hochschulmeisterschaft im Roundnet. Sie fand vom 26. bis 29. Mai an der Deutschen Sporthochschule Köln statt. Gleich zwei Teams aus dem Kasseler Hochschulsport waren ganz vorn dabei: Das Mixed-Team aus Fabian Claus (26) und Theresa Knauf gewann gegen ein Kölner Team die Meisterschaft. Das Frauenteam aus Knauf und Nora Haas (26) musste sich im Finale einem Münsteraner Team geschlagen geben und wurde somit Vizemeister. Doch wie kommt es zu solchen Leistungen? Und was macht diese neue Sportart so faszinierend?

„Fairness ist beim Roundnet eine ganz wichtige Sache“, erzählt Fabian Claus. „Alle gehen ehrlich miteinander um, das macht den Sport sehr angenehm.“ Nicht umsonst heißt es im offiziellen Regelwerk „Don’t be a jerk!“ (Deutsch: „Sei kein Idiot!“) Ein weiterer Grund für die große Begeisterung: „Man kann es jederzeit und überall spielen.“ Fabian Claus spielt mittlerweile seit vier Jahren Roundnet und ist für seine „Passion“, wie er es nennt, fast jedes Wochenende unterwegs.

Nationalteam im Roundnet: Kassel stellt einige Spieler – WM im November in Belgien

Und das auch auf internationaler Ebene. Seit diesem Jahr gibt es eine deutsche Roundnet-Nationalmannschaft, der neben Claus auch Knauf und Haas angehören. Gesichtet wurde das Team durch mehrere Trainer an zwei Wettbewerbstagen in Kassel. Betreut werden sie von einem kleinen Team aus ebenfalls aktiven Spielern, die bei großen Turnieren als Physiotherapeuten, Ärzte und Köche mitreisen.

Die erste Feuerprobe für das Team um die drei Kasseler wird die im November anstehende Weltmeisterschaft in Belgien sein. Zusammen mit über 30 anderen Nationen kämpfen sie dort um den ersten Roundnet-WM-Titel. Favorit sind dabei die Teams aus den USA, doch Claus schätzt gerade bei den Frauen auch die deutschen Mannschaften stark ein. „Sie haben gute Chancen auf den Titel.“

„Kein Nachwuchsproblem“: Kasseler Roundnet-Spieler wollen Jugendarbeit vorantreiben

Die aktuellen Athleten bereiten in Sachen Titelhoffnungen also schon mal keine Probleme. Doch wie sieht es mit den kommenden Generationen aus? „Wir haben in unserem Sport kein Nachwuchsproblem“, betont Claus. „Aber vielleicht bekommen wir irgendwann ein Generationenproblem.“ Weil die Sportart erst ab der Uni so richtig begreifbar sei, mangele es in manchen Jugendteams noch an neuen Gesichtern. Um dem vorzubeugen, stehen Claus und Co. regelmäßig mit Schulen in Kontakt und versuchen, Roundnet in den Alltag jüngerer Menschen zu integrieren – als Teil vom Schulsport oder als eigenständige Arbeitsgemeinschaft. Tatkräftig werden sie hierbei von vielen Lehramtsstudenten unterstützt, die sich dem Kasseler Roundnet-Team bereits angeschlossen haben. (Lucca Günther und Paul Bröker)

Schon gewusst?

Ein Satz beim Roundnet dauert, bis ein Team 11, 15 oder 21 Punkte erreicht hat. Die Anzahl der Gewinnsätze wird bei jedem Turnier vorher festgelegt.

Der Sport stammt aus den USA und wurde bereits im Jahr 1989 erfunden – bekannter wurde es aber erst seit 2007, als der Hersteller Spikeball dafür Werbung machte.

Die Spannung des Netzes sollte überall gleichmäßig sein. Eine gute Spannung hat das Netz, wenn ein Ball aus einer Höhe von einem Meter fällt und wieder 30-45 Zentimeter hochspringt.

Jeder Spieler, mit Ausnahme des Annehmenden, muss beim Aufschlag mindestens 2,13 Meter von der Netzkante entfernt sein.

Was ist wohl ein „Lobster Trap“? Laut Regelwerk heißt das, dass der Ball fehlerhaft unter das Netz geschlagen wird und dort gefangen bleibt.

Die oft synonymhaft genutzte Bezeichnung „Spikeball“ bezeichnet lediglich einen amerikanischen Netzhersteller, nicht den Sport selbst.

Die etwa 30 Zentimeter große No-hit-Zone ist ein Bereich rund um das Netz, der beim Ballabschluss nicht betreten werden darf. Sie sorgt unter anderem für längere Ballwechsel.

Mit Ausnahme von Halbfinals und Finals bei großen Turnieren gibt es im Roundnet keinen Schiedsrichter. Die Spieler einigen sich selbstständig auf den Spielstand. Sie sollen Fehler immer von sich aus zugeben, auch wenn das gegnerische Team davon nichts mitbekommen hat.

Am 3. September 2022 findet in Kassel der Roundnet Summerclash statt. Zuvor stehen am 13. und 14. August die Deutschen Meisterschaften in Kiel an.

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