Dem Traditionsrennen in der Innenstadt fehlen Organisatoren – konzeptionelle Überlegungen

Kasseler Citylauf vor dem Aus

Gewohntes Bild in den vergangenen Jahren: Die Breitensportler laufen über die Königsstraße in der Innenstadt. Archivfoto:  Fischer

Kassel. Kommenden Sommer wird ein großes Ereignis wohl nicht im nordhessischen Sportkalender auftauchen: der Kasseler Citylauf. Das traditionsreiche Rennen in der Kasseler Innenstadt steht vor dem Aus. Es mangele an Freiwilligen, die bei der Organisation mithelfen, sagt Friedrich Iffert. Er ist Abteilungsleiter des PSV Grün-Weiß Kassel – jenem Verein, der die Sportveranstaltung in der Vergangenheit organisiert hat.

Auch Cheforganisator Winfried Aufenanger bestätigt, dass das Sport-Event „auf der Kippe“ steht. Er sagt allerdings: Die Diskussion ist noch nicht beendet. Während der Jahreshauptversammlung des PSV war das Thema zur Sprache gekommen. Viele der aktuellen Organisatoren wollen kürzer treten. Mit Zoff oder Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins habe die Entscheidung aber nichts zu tun, sagt Iffert.

Von etwa 20 Organisatoren sind 15 über 60 Jahre alt, Iffert selbst ist 66. „Irgendwann muss eben Schluss sein. Ich komme bei dem Aufwand körperlich an meine Grenzen“, begründet er seine Entscheidung. Deswegen habe er versucht, junge Sportler in die Planungen zu integrieren. Aber die Resonanz sei sehr gering gewesen. Aufenanger sagt: „Klar wäre es schön, wenn sich mehr Leute engagieren würden.“

Spekulationen, das mögliche Aus des Citylaufs hätte mit der eher enttäuschenden Zuschauerbeteiligung beim jüngsten Rennen zu tun, wischen Iffert und Aufenanger beiseite. Bereits in vergangenen Jahren habe es Überlegungen gegeben, die Veranstaltung anders zu gestalten. Zum Beispiel gäbe es den Vorschlag, den Citylauf nur noch als Breitensport-Rennen anzusetzen. Dagegen wehren sich beide: „Das Konzept war immer: Breiten- plus Spitzensport! Und das soll auch so bleiben.“

Und da kommt der finanzielle Aspekt ins Spiel. Aufenanger erklärt es so: Um Sponsoren zu gewinnen, müsse die Qualität der Veranstaltung hoch gehalten werden. Das heißt, es müssen Top-Athleten eingeladen werden. Die wiederum kosten Geld – und die Gagen seien in der Vergangenheit gestiegen. Um diese Lücke zu schließen, müssten dann die Startgebühren etwa der Volksläufer angehoben werden – und „das können wir hier nicht verkaufen“.

Dass der Citylauf unter dem Marathon leidet was Teilnehmer- und Zuschauergunst anbelangt, sei natürlich klar, sagt Aufenanger. Der findet in der Regel vier Wochen vor dem Citylauf statt. Überhaupt könnten die vielen Laufveranstaltung in der Umgebung dafür gesorgt haben, dass die Begeisterung für das Rennen in Kassels Innenstadt immer mehr abnimmt. Dennoch wäre Aufenanger weiterhin bereit, die Organisation für den Citylauf zu starten.

Spekulationen hin oder her – Fakt ist: Der PSV hat für nächstes Jahr kein Datum für den Citylauf geblockt.

Von Robin Lipke

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