Das Spektakel der schnellen Beine

Und los: Das Spektakel der schnellen Beine in der Kasseler Innenstadt lockte die Massen an – auf der Piste und am Rand. Foto: hans-joachim thienemann

Breitensportler und Top-Läufer ab 1979 am Start

Ort, Zeit und Strecke hatten sich im Laufe der Jahre verändert, was aber immer blieb, war die Attraktivität: Der Citylauf des PSV Grün-Weiß Kassel war im wahrsten Sinne des Wortes ein Renner. Von den Anfängen 1979 bei der „Nacht von Fuldabrück“ bis hin zum vorerst letzten Lauf im Juni 2010 in der Kasseler Innenstadt.

Im Juni 1979 waren die Leichtathleten des PSV Grün-Weiß Kassel und die Radsportler des RSC Fuldabrück einen neuen Weg gegangen. Gemeinsam veranstaltete man bei der „Nacht von Ful-dabrück“ in den Abendstunden ein Radrennen und einen Straßenlauf. Das Debüt war damals so gelungen, das es in den folgenden zwei Jahren gleich zwei weitere Auflagen im Doppelpaket gab. Dann trennten sich die Wege, aus der Doppelveranstaltung wurden zwei Ereignisse. Die Radsportler blieben mit der „Nacht von Fuldabrück“ in Dörnhagen, der PSV ging mit dem Straßenlauf in die Kasseler City. Erst als Lauf „Rund um die neue City“, später als Citylauf. Und immer mit dem früheren Marathon-Bundestrainer Winfried Aufenanger an der Spitze.

Der Stadtlauf der Grün-Weißen war stets eine gelungene Mischung aus Spitzen- und Breitensport. Der Hauptlauf der Männer über zehn Kilometer lockte die deutschen Spitzenläufer an, der spätere „Lauf der Asse“ gab Rennern aus Afrika Gelegenheit, ihre Dominanz zu beweisen. Und irgendwann zog man bei den Frauen nach, als es den Ladies-Cup über fünf Kilometer gab. Aber der Citylauf bot auch für die Breitensportler genug Möglichkeiten, angefangen beim Volkslauf, über die Bambini- und Jugendläufe, Walken, Nordic Walking bis hin zum HNA-Fitnesslauf.

Wenn man über Sieger in der Eliteklasse beim Kasseler Citylauf redet, dann kommt man um Ralf Salzmann nicht herum. Der frühere Polizeioberkommissar startete seine Langstreckenkarriere im Trikot des PSV Grün-Weiß Kassel, wechselte dann aus beruflichen Gründen zur LG Frankfurt (1980 bis 1985) und kam schließlich zu den Nordhessen zurück.

Salzmann gewann 1981 die letzte Auflage in Fuldabrück und 1982 auch das erste Spektakel der schnellen Beine in Kassel. Bis 1985 hängte der heute 65-Jährige nach drei weitere Erfolge an.

Salzmann, von 1980 bis 1984 fünfmal in Folge deutscher Marathonmeister und Vierter bei der EM 1986 in Stuttgart, ist heute noch begeistert, wenn der von der Atmosphäre an der Strecke in der Kasseler City spricht. „Die Zuschauer haben uns Läufer unwahrscheinlich angefeuert. Selbst als ich für Frankfurt gestartet, gab es da keine Ausnahme. Ich war eben doch ein Kasseläner.“ Da die Leichtathletik damals oft nur wenig Zuschauer in die Stadien lockte, „sind wir mit den Cityläufen eben zu den Zuschauern gegangen, und sie sind auch gekommen“.

1986 lieferte sich Salzmann ein packendes Duell mit Karel Lismont, dem Marathon-Olympiagewinner von 1972. Der Belgier gewann und nach seinem Erfolg kam die Ära der afrikanischen Sieger. 21mal holten sie sich den Sieg.

Erster Sieger 1979 in Dörnhagen war damals Norbert Rautenberg vom LC Mengerskirchen. Der Erfolg bei den Frauen blieb in Nordhessen, den Angelika Stephan, die für die LG Kassel/Baunatal startete, lag am Ende vorn. Stephan, die damals zu den besten deutschen Marathonläuferinnen (Bestzeit 2:47:11 Stunden) gehörte, gewann auch 1980.

2010 war nach der 32. Auflage dann Schluss – es fehlten die Organisatoren und auch die Gelder. 2013 und 2014 gab es noch zwei Comeback-Versuche auf kleinerer Flamme, doch danach war es endgültig vorbei mit dem Kasseler Citylauf. Fotos: koch/oschmann

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