Interview mit dem Coach der TV Hersfeld Titans

Basketball-Trainer Alai Barite: Kindern fehlt die Bewegung

Nachdenklich: Alai Barite, Hersfelds Trainer und Abteilungsleiter, sorgt sich um den Nachwuchs und den Basketball-Sport an sich.
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Nachdenklich: Alai Barite, Hersfelds Trainer und Abteilungsleiter, sorgt sich um den Nachwuchs und den Basketball-Sport an sich.

Bad Hersfeld – Für die Basketballer der TV Hersfeld Titans werden die Wettkämpfe frühestens im Herbst weitergehen. Was das für Sport und Sportler bedeutet, erklärt Hersfelds Trainer und Abteilungsleiter Alai Barite.

Im Jugendbereich wurde die Saison von Verbandsseite aus abgebrochen, bei den Herren steht die offizielle Entscheidung noch aus. Besteht wirklich noch Hoffnung, die Serie abzuschließen?

Nein, für uns ist die Saison beendet. Im Bezirk Kassel haben wir intern schon vor einiger Zeit beschlossen, dass wir sie definitiv nicht zu Ende spielen, sondern hoffentlich im September mit der Saison 2021/22 regulär starten.

Glauben Sie, das klappt?

Ich hoffe es. Ich selbst habe schon den ersten Impfpiks erhalten und würde mal sagen: Ja, ich glaube, das kann klappen, aber es steht auf einem wackeligen Bein.

Was bedeutet das alles für den Basketball auf regionaler Ebene, wo die Fahrtzeiten ja schon in den untersten Spielklassen lang sind: Wird das Interesse am Sport sinken und das künftig zum Problem werden?

Wahrscheinlich werden ein paar Vereine wegfallen – das ist ja nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Sportarten so. In meiner Seniorenmannschaft sind die Spieler aber geduldig und ich hoffe, dass wir weiterhin eine gut bestückte Liga haben. Was die Fahrzeiten angeht, wird sich nicht viel ändern. Unsere weiteste Fahrt geht ja sowieso schon fast bis an die Landesgrenze von NRW, weiter geht es praktisch nicht.

Sie sagen, das Herrenteam sei geduldig. Also rechnen Sie nicht damit, dass Spieler abspringen?

Nein, ich habe keine Personalprobleme. Einer der Jungs macht in diesem Jahr sein Abi und wird vielleicht gehen. Aber das ist ja eine ganz normale Entwicklung.

Und wie sieht es bei der Jugend aus?

Das kann ich noch nicht sagen, denn von den Eltern habe ich diesbezüglich noch nichts gehört. Dass wir nicht trainieren können, und ich keine Zeit mit den Kindern habe, ist aber natürlich ein echtes Problem.

Wieso das?

Sie brauchen den Sport und natürlich auch ein Vorbild, das ihnen Übungen zeigt – sowas kann ich zum Beispiel von den Eltern nicht verlangen.

Man hört ja immer wieder, dass vielen Kindern derzeit regelmäßige Bewegung fehlt. Wie kritisch ist das vor allem in jungen Jahren zu sehen?

Ziemlich kritisch. Das Wegfallen des Teamsports betrifft nicht nur den körperlichen Bereich, sondern auch das soziale Verhalten – hier fehlen natürlich auch die Schule und der Schulsport. Vor allem da, wo es im familiären Umfeld nicht klappt, die Kinder zu fördern, ist das ein echtes Problem: Das soziale Verhalten leidet und motorische und koordinative Fähigkeiten gehen ein Stück weit verloren. Und natürlich verkümmert ohne Bewegung auch die Muskulatur – gerade, wenn Kinder wachsen, ist das nicht gut.

Trifft diese Problematik vor allem die Jüngeren oder zieht sich das durch alle Altersgruppen?

Das betrifft alle. Auch bei meinen Jugendlichen sehe ich, wie bei vielen die Mannschaft und das Drumherum fehlt. Sie klagen über mangelnde Motivation, da die Gruppe als Ansporn nicht mehr da ist.

Gibt es eine Lösung für diese Problematik?

Ich hätte mir von der Regierung die Entscheidung gewünscht, dass Sport in Gruppen im Freien möglich ist. Zehn Kinder in Zweiergruppen aufzuteilen und sie mit Abstand Übungen machen zu lassen, hat letztes Jahr draußen hervorragend funktioniert. Da muss dann nicht mal unbedingt ein Ball im Spiel sein, es geht einfach darum, fit zu bleiben und sich um Muskulatur und Koordination zu kümmern.

Was würden Sie Eltern in diesem Zusammenhang raten?

Ich hoffe einfach, dass die Eltern die aktuelle Zeit so gut wie möglich für gemeinsame Aktivitäten nutzen. Man kann beispielsweise wandern und den Kindern Flora und Fauna zeigen oder eine Radtour machen. Am Hersfelder Tageberg gibt es auch einen Trimm-dich-Pfad, den man nutzen kann. Wer einen Garten hat, kann auch da etwas aufbauen, koordinative Aufgaben stellen, Ballspielchen machen… Oft reichen schon einfache, kleine Dinge! Wichtig ist es, den Körper fit zu halten und gleichzeitig das Köpfchen zu schulen.

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