Ex-Stabhochspringer war in Tokio 1964 erfolgreich

Klaus Lehnertz wird 80 Jahre alt: Als Bronze einst nach Kassel kam

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Menschenmenge vor dem Kasseler Rathaus: Nach den Olympischen Spielen in Tokio wurden Klaus und Gisela Lehnertz am 6. November 1964 herzlich empfangen.

Kassel. Klaus Lehnertz holte 1964 eine olympische Medaille im Stabhochsprung. Er startete zu dieser Zeit für den KSV Hessen. Wir würdigen ihn, der 80 Jahre alt wird, von A bis Z.

Lange mussten die Sportfans der Region warten, bis sie eine olympische Medaille feiern konnten. Am 17. Oktober 1964 aber ging nach einem legendären Stabhochsprung-Wettbewerb bei den Spielen in Tokio Bronze nach Kassel. Der in Solingen geborene und damals in Göttingen lebende Klaus Lehnertz startete von 1964 bis 1969 für den KSV Hessen.

A wie Autodidakt: Unglaublich, aber wahr: Klaus Lehnertz brauchte keinen Trainer. So komplizierte Sportarten wie Stabhochsprung, Golf, Tennis und alpines Skilaufen hat sich das außergewöhnliche Bewegungstalent autodidaktisch mithilfe von Lehrfilmen, Büchern und selbstauslösenden Kameras beigebracht.

B wie Bronzemedaille: Seinen größten sportlichen Erfolg feierte Klaus Lehnertz am 17. Oktober 1964. Bei den Olympischen Spielen in Tokio sicherte sich der damals 26-Jährige die Bronzemedaille im Stabhochsprung.

C wie Chaos: Einen Preis für Ordnung auf seinem Schreibtisch würde Lehnertz nicht gewinnen. Das dort herrschende Chaos zieht er Ordnern für unbearbeitete Schriftstücke vor.

D wie Doping: Spielte für Lehnertz keine Rolle. Für den Stabhochspringer waren intensives Training und gesunde Ernährung die entscheidenden leistungsfördernden Mittel.

E wie Empfang: Am 6. November 1964 genießt Lehnertz den herzlichen Empfang, den ihm mehrere Tausend Kasseler vor dem Rathaus bereiten. Im Überschwang der Gefühle wendet sich der Bronzemedaillengewinner seinen Fans zu und sagt zwei Sätze, die ihm von Herzen kommen. „Ihre Begeisterung zeigt mir, dass Sie sich mit mir über meinen Erfolg gefreut haben. Dass Sie sich mit mir freuen, ist für mich die schönste Freude.“

Der fitte Jubilar: Klaus Lehnertz im April 2018.

F wie Fünf: 4,90 Meter war Lehnertz’ Bestleistung im Stabhochsprung vor den Olympischen Spielen 1964. In Tokio schaffte er genau fünf Meter. Es reichte - siehe B - zu Bronze.

G wie Gisela: So heißt die Frau an seiner Seite. Gisela und Klaus Lehnertz sind seit 56 Jahren verheiratet.

H wie Habilitation: Mit einer Arbeit über die Muskelphysiologie habilitierte Lehnertz 1985.

I wie Information: Klaus Lehnertz ist auch mit 80 noch auf dem neuesten Stand. Seine Informationen bezieht er zwar vorwiegend aus den Printmedien, aber neben Funk und Fernsehen spielt auch das Internet eine große Rolle.

J wie Journalisten:Berufsgruppe, mit der Lehnertz gut umgehen kann. Er sagt: „Mit Journalisten habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.“

K wie Kassel: Zum KSV Hessen wechselte der Leichtathlet 1964. Zum bis heute ständigen Wohnort wurde Kassel zwei Jahre später.

L wie Länderkämpfe:Bei 56 Länderkämpfen, von denen er 28 gewann, trug Klaus Lehnertz von 1957 bis 1968 das Trikot der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft.

M wie Manfred: Weil in Tokio eine gesamtdeutsche Mannschaft an den Start ging, waren der Kasseler Klaus Lehnertz und der Leipziger Manfred Preußger Teamkollegen. Beide - siehe F - übersprangen fünf Meter, aber Preußger hatte einen Fehlversuch mehr auf seinem Konto. Weil dadurch für den Leipziger nur der vierte Platz blieb, war die Freude seines Kasseler Freundes über Bronze leicht getrübt.

N wie Neun: Weil sich die Stabhochspringer für ihre Versuche unbegrenzt Zeit lassen durften, zog sich der Wettbewerb in Tokio extrem in die Länge. Er begann um 13 Uhr und endete erst nach neun Stunden gegen 22 Uhr.

O wie Ordnung:Ist das Gegenteil von - siehe C - Chaos. Wo Gisela Lehnertz regiert - und das ist, vom Arbeitszimmer abgesehen, überall im Haus - ist von Chaos keine Spur.

P wie Professor: Von 1973 bis 2003 war Klaus Lehnertz Professor für Sportwissenschaften an der Universität Kassel.

R wie Rudolf-Harbig-Preis:Diesen Preis erhält jedes Jahr im Rahmen der Deutschen Meisterschaften der „beste und würdigste Leichtathlet des Jahres“. Klaus Lehnertz wurde diese Auszeichnung 1967 zuteil, nachdem er sich in Stuttgart mit seiner persönlichen Bestleistung (5,10 Meter) eine von insgesamt neun nationalen Meisterschaften geholt hatte. Übrigens: Rudolf Harbig (1913 - 1944) war 1939 Weltrekordler über 400 und 800 Meter.

S wie Solingen: Lehnertz stammt aus Solingen im Bergischen Land, wo er seine ersten 24 Lebensjahre verbrachte.

T wie Trainer:Das Stabhochsprung-Team des KSV Hessen trainierte Klaus Lehnertz von 1969 bis 1974. Seine gelehrigsten Schüler waren - siehe Z - Hans-Jürgen Ziegler, Donald Baird und Wolfgang Reinbold. Während der Olympischen Spiele 1972 in München war Lehnertz kurzzeitig Stabhochsprung-Bundestrainer. Später war der vielseitige Sportler auch als Trainer in den Sportarten Tennis, Golf und Skilaufen tätig. Golf und Skilaufen betreibt der fitte Jubilar - zusammen mit Ehefrau Gisela - noch heute.

Große Ehre: Klaus Lehnertz mit dem Rudolf-Harbig-Preis.

U wie Universalgenie:Kennen Sie einen Professor, der auch Autos reparieren kann und einen Grünen Daumen besitzt? Klaus Lehnertz ist nicht nur Sportler und Wissenschaftler, sondern auch Handwerker und Gärtner.

V wie Visionen: Nach uns die Sintflut? Nein, Klaus und Gisela Lehnertz haben als Kinder die Not und das Elend des Zweiten Weltkriegs erlebt und haben die Vision von einer Welt ohne Krieg, Vertreibung, Flucht und Hunger.

W wie Warschau:Die polnische Hauptstadt steht hier stellvertretend für die vielen Städte, in denen Lehnertz Wettkämpfe bestritten hat. Außer in Tokio gab es für den Kasseler beispielsweise auch in Mexiko City, New York, Moskau, Rom und Kapstadt spektakuläre Wettkämpfe.

Z wie Ziegler: Hans-Jürgen Ziegler profitierte besonders von seinem Lehrmeister Lehnertz. Der Kasseler steht mit einer Stabhochsprung-Bestleistung von 5,35 Metern zu Buche und feierte mit dieser Höhe bei den Hallen-Europameisterschaften 1973 in Rotterdam seinen größten sportlichen Erfolg. Der damals 21-Jährige landete auf dem zweiten Platz.

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