Weltcup ohne Zuschauer kann beginnen

Kontrolleure des Weltverbands geben für Willinger Schanze grünes Licht

(von links) Sebastian Szlachta, Torben Hirsch, Prüfer Hubert Mathis, Rennleiter Volkmar Hirsch und Schanzenchef Andi Rohn 
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Genau genommen: Vor jedem Weltcup in Willingen wird die Skisprunganlage von Kontrolleuren des Weltverbands Fis neu abgenommen. Gestern überprüften sie die Willinger Schanze. Hier misst der Technische Delegierte Saso Komovec die Breite der Anlaufspur auf, ihm schauen (von links) Sebastian Szlachta, Torben Hirsch, Prüfer Hubert Mathis, Rennleiter Volkmar Hirsch und Schanzenchef Andi Rohn zu.

Warten auf die zwei Männer mit dem Maßband. Wenn die sich ankündigen, wird es schon einen Tag vor Wettkampfbeginn ein wenig spannend für die Weltcup-Veranstalter des Ski-Clubs Willingen.

Willingen – Schanzenchef Andi Rohn sitzt an diesem Donnerstagmorgen in seinem Auto, das unter dem Schanzenturm parkt. Er ist trotz des Regens, der später in Schnee übergeht, guter Dinge, weil er weiß, dass er und die anderen Free-Willis alles so gut hergerichtet haben, dass die Technisch Delegierten vom Skiweltverband Fis bei der Abnahme der Schanze keine gravierenden Mängel finden werden.

Als der Slowene Saso Komovec und der Schweizer Hubert Mathis eintreffen fällt die Begrüßung zwischen ihnen und der vierköpfigen Willinger Delegation um Rennleiter Volkmar Hirsch distanziert aus, dazu zwingt sie Corona - auch ein freundliches, aufmunterndes Lächeln ist wegen der Mund-Nasen-Masken diesmal nicht zu erkennen.

Dennoch bemerkt der Beobachter gleich beim ersten Wortwechsel, dass sich diese Herren schön öfters über den Weg gelaufen sind. Ins ernste Gespräch mischt sich immer wieder ein Wortwitz oder ein ironischer Seitenhieb ein, um dann aber wieder zum Ernst zurückzukehren, egal, ob auf Deutsch, Englisch oder Schwiitzerdütsch. Mann kennt sich. Das macht den folgenden Gang einfacher.

Die Willinger führen die zwei Prüfer zunächst in den Schanzenturm, wo sie ihr Augenmerk vor allem darauf richten, ob dort alle erforderlichen technischen Abläufe gegeben sind. „Wir achten auch darauf, dass die Sicherheit an allen Punkten der Anlage gewährleistet ist“, erzählt Komovec.

Nach dem Blick in den Turm folgt die Sicht auf den Tisch. Dies ist nicht nur für die Springer eine entscheidende Stelle, ob ein Absprung zum Erfolg oder Misserfolg wird, sondern auch für die Veranstalter. Hier nehmen es die Prüfer an der einen oder anderen Stelle sehr ernst.

Sie holen ihr Maßband raus, messen die Breite und Höhe der Anlaufspur auf den Zentimeter genau, dann nehmen sie eine Messlatte und eine Wasserwaage, um den Neigungswinkel zu ermitteln. Außerdem prüfen sie, ob die Kamera in der Anlaufspur gut platziert ist.

Es geht weiter in den Kampfrichterturm, wo sie prüfen, ob alle notwendigen Geräte vorhanden und angeschlossen sind.

Schließlich gehen Prüfer und Geprüfte über die Treppe den Aufsprunghang hinunter. Immer wieder testen die Fis-Männer die Stabilität des Holzzaunes, der den Hang von der Tribüne trennt, auf der Höhe 120 bis 140 Meter, wo die meistern Springer landen, testen die Prüfer, ob sich dort die Tür im Zaun öffnen lässt, durch die Rettungsteams und Notarzt gehen können, wenn ein Springer stürzt und sich dabei verletzt.

Dann geht die Gruppe nach unten in die Auslaufzone, schaut sich dort noch alle Gegebenheiten hinter den Kulissen an.

Das war’s. Die Daumen der Prüfer gehen hoch. „Alles in bestem Zustand“, sagt Komovec. Der erste Weltcup-Maskenball in Willingen kann beginnen - ohne Zuschauer, Jubel und Applaus. (rsm)

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