Kothe trug das Olympische Feuer durch Bad Hersfeld

Günter Kothe aus Schenklengsfeld trug einst das Olympische Feuer durch Bad Hersfeld.

Sie sollten eigentlich unterwegs sein in diesen Tagen – die Sportler, die die olympische Fackel nach Tokio tragen. Doch die Spiele sind auf 2021 verschoben. Wir erinnern uns dagegen an einen, der das Feuer anlässlich der Spiele von München 1972 sogar durch Bad Hersfeld trug: Günter Kothe.

Der heute fast 80-Jährige stammte aus der Nähe von Breslau, floh im Krieg von dort und landete auf Umwegen in Kornrode. Der Anfang eines neuen Lebens, das für Günter Kothe vor allem vom Sport und von Vereinen geprägt sein sollte. Die Familie lebte erst auf einem Hof, dann sollte eine Ziegelei ihr Heim werden. Bedingung: Alle vier Söhne sollten beim TSV Schenklengsfeld Fußball spielen. „Das haben wir gemacht“, erzählt Günter Kothe. „Helmut war Torwart, Herbert Mittelstürmer, Erich im Mittelfeld der Denker und ich war schnell, also wurde ish Linksaußen gestellt.“

Seinem Hang zu Vereinen und zu seinem ehrenamtlichen Engagement hat er es dann zu verdanken, dass er 1972 den wohl prestigeträchtigsten Moment in seinem Leben feiern durfte. „Entscheidend war der gute Draht zu seinem Grundschullehrer Eugen Bohle. „Der war auch Vorstand beim TSV Schenklengsfeld und hatte mich in sein Herz geschlossen“, erzählt Kothe heute und fügt eine Anekdote an. „Ich wollte unbedingt Rettungsschwimmer werden. Da war ich 14 Jahre alt. Alle haben bestanden, aber weil ich mich zunächst nicht traute, vom Fünf-Meter-Turm zu springen, durfte mir Bohle die Auszeichnung nicht geben. Da habe ich ihn ins Wasser geschubst, bin den Turm nach oben und ins Wasser gesprungen. Jetzt hatte ich bestanden“, sagt Kothe und lacht.

Als Bohle dann 1972 in seiner Funktion als Vorsitzender des Sportkreises Hersfeld angefragt wurde, wer denn die olympische Fackel tragen könne, fiel die Wahl unter anderem auf Kothe. „Die Spiele fanden in München statt, aber die Segelregatten wurde in Kiel ausgetragen. Deshalb wurde das olympische Feuer von München nach Kiel getragen und kam so durch Bad Hersfeld“, erklärt Kothe. Und so trug er die Flamme von der Hainstraße aus bis direkt vor das Rathaus.

„Ganz ehrlich? Heute bin ich mehr stolz darauf, als ich das zur damaligen Zeit war. Lustig ist immer, wenn ich den Leuten davon heute erzähle: Das glaubt mir ja niemand: Die denke alle ich würde Faxen machen“, lacht Kothe.

Die Original-Fackel hat er übrigens behalten dürfen, sie ist heute noch in seinem Besitz. „Viel Wert ist sie nicht. Entscheidend ist, dass man noch die Urkunde dazu hat. Sonst bringt die Fackel an sich außer einem ideellen Wert überhaupt nichts. Ich habe die Urkunde noch“, sagt Kothe. Bis heute ist Kothe dem Sport übrigens treu geblieben. Unter anderem hat er 35 Jahre ohne Unterbrechung das goldene Sportabzeichen abgelegt.

„Bis vor wenigen Jahren. Als ich 76 war, da hat das Knie nicht mehr so mitgespielt“, sagt er und widmet sich weiterhin „seinem“ TSV Schenklengsfeld. „Heute mache ich Platzwart, kümmere mich außen herum so ein bisschen um alles“, erklärt Kothe. Der gelernte Bergmann, der 15 Jahre in Hattorf einfuhr, ist seit vielen Jahren Ehrenmitglied beim TSV. Im August wird er 80.

Von Ralph Kraus 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.