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In Krakau ist es ruhiger: Vor Ort an der Stätte des Handball-Triumphs von 2016

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Von: Björn Mahr

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Krakau im Januar: der große Marktplatz im Stadtzentrum.
Krakau im Januar: der große Marktplatz im Stadtzentrum. © Björn Mahr

Wir waren im Rahmen der Handball-WM in Krakau, einem der Austragungsorte der Spiele – und haben uns mal umgeschaut.

Frisch ist es geworden. Über Nacht sind die Temperaturen im südlichen Teil Polens um fünf, sechs Grad gefallen. Dass einem teilweise bei nur noch vier, fünf Grad ein eisiger Wind um die Nase weht, stört bei einer Handball-WM immer nur solange, bis die Türen zu den Arenen geöffnet werden. Manchmal aber selbst nicht einmal dann. Zwischen einer Wolkendecke fällt immer mal etwas Sonnenlicht auf das Königsschloss in Krakau, einem imposanten Gebäude auf dem Kalkhügel Wawel.

Es ist in der 766 000-Einwohner-Stadt einer dieser Orte, die zu den Anziehungspunkten für Touristen gehören. Der Platz davor ist belebt. Echte Handball-Fans sind auf den ersten Blick an diesem Nachmittag nicht zu erkennen. Nun ist Krakau – anders als bei der Europameisterschaft 2016 – diesmal nicht die Handball-Hauptstadt.

Viele Krakauer wissen gar nicht, dass zurzeit die WM in ihrer Stadt stattfindet

In der Vorrunde spielen in der Tauron-Arena Teams wie Spanien, Montenegro und Chile. Das Interesse der Menschen an der WM hält sich in Grenzen. Pawel, ein Kellner in einem der vielen Lokale auf dem großen Marktplatz von Krakau, sagt: „Es fehlt ein wenig die Begeisterung, weil die Menschen hier nach der Fußball-Weltmeisterschaft noch nicht so richtig Lust auf ein weiteres Sport-Großereignis haben. 2016 war in der Stadt einiges mehr los.“

Bekanntes Gebäude auf einem Kalkhügel: das Krakauer Königsschloss.
Bekanntes Gebäude auf einem Kalkhügel: das Krakauer Königsschloss. © BJÖRN MAHR/IMAGO/PANORAMIC

Während viele Krakauer im Zentrum bislang auch gar nicht wissen, dass zurzeit die WM in ihrer Stadt stattfindet, ist Pawel recht gut informiert. „Ich wohne in der Nähe der Halle“, sagt er schmunzelnd. „Und wenn Sie dort einen Parkplatz benötigen, dann brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen. Es gibt genug. Ich finde auch an jedem Spieltag-Abend einen.“

Werbung für die WM muss man rund um die Basilika Mariacka suchen

Die einzigen Anhänger, die in der Altstadt unterwegs sind, ist eine Gruppe Montenegriner, die sich mit einer Fahrt in einer der typischen Krakauer Kutschen auf die Begegnung am frühen Abend gegen Chile einstimmt. Werbung für die WM sucht man rund um die Basilika Mariacka. Überhaupt weist in Krakau und Umgebung wenig auf das Turnier hin. Ein großformatiges Weltmeisterschafts-Banner deutet zumindest auf der Autobahn 4 von Kattowitz nach Krakau auf die WM hin.

Krakau im Januar: der große Marktplatz im Stadtzentrum.
Montenegros Torwart Nebojsa Simic. © Björn Mahr

In den nächsten Tagen werden sich voraussichtlich einige polnische Handball-Fans auf den Weg in die Stadt machen. Denn nachdem der Co-Gastgeber am Montagabend in Kattowitz gegen Saudi-Arabien sein letztes Vorrundenspiel gewann, geht es für das Nationalteam Polens nun dort mit allerdings bescheidenen Aussichten in der Hauptrunde weiter.

Diesmal ist die Halle nicht mal zu einem Achten gefüllt

In der Tauron-Arena finden 15 000 Zuschauer Platz. Viele Handball-Fans werden sich an das EM-Finale 2016 erinnern, als dort die deutsche Mannschaft um den damaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson Geschichte schrieb und sich als Außenseiter den Titel holte.

Diesmal bietet sich ein komplett anderes Bild. Als am Montagabend die Montenegriner zum Spiel gegen Chile das Spielfeld betreten, ist die Halle nicht einmal zu einem Achtel gefüllt. Zumindest kommt etwas Stimmung auf, als Montenegros Weltklasse-Torwart Nebojsa Simic die erste spektakuläre Parade zeigt.

„Es macht viel Spaß, die WM zu spielen. Es ist nur schade, dass so wenig Zuschauer da sind“, sagt der Bundesliga-Torwart von der MT Melsungen. „Es ist unsere zweite WM-Teilnahme. Und wir haben schon jetzt Geschichte geschrieben, dass wir als Gruppenzweiter weiter gekommen sind“, freut sich „Simo“. Als der 35:33-Sieg perfekt ist, feiert der montenegrinische Anhang ausgelassen. Für einen Augenblick wird es in der Halle in Krakau etwas lauter. (Björn Mahr)

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