VOR 40 JAHREN

Krimi mit Happy-End: Hessen-Fußballer steigen 1981 in die Oberliga auf

Oberligaaufsteiger nach einer äußerst spannenden Relegationsrunde: Die SG Hessen Hersfeld 1981, stehend von links: Manfred Riemenschneider, Masseur Hans Hübbe, Helmut Licht, Rolf Döring, Karl Schmidt, Ottmar Riedl, Werner Schilling, Benno Beyer, Andreas Skrzyszowski, Wolfgang Stary, Harry Terrell, Betreuer Manfred Focke, Trainer Werner Weigel, vorn von links: Klöser, Frank Redeker, Arno Seelen, Karl-Heinz „Porky“ Möller, Gerhard Sippel, Albrecht Bock, Atanas Kostovski.
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Oberligaaufsteiger nach einer äußerst spannenden Relegationsrunde: Die SG Hessen Hersfeld 1981, stehend von links: Manfred Riemenschneider, Masseur Hans Hübbe, Helmut Licht, Rolf Döring, Karl Schmidt, Ottmar Riedl, Werner Schilling, Benno Beyer, Andreas Skrzyszowski, Wolfgang Stary, Harry Terrell, Betreuer Manfred Focke, Trainer Werner Weigel, vorn von links: Klöser, Frank Redeker, Arno Seelen, Karl-Heinz „Porky“ Möller, Gerhard Sippel, Albrecht Bock, Atanas Kostovski.

Zweimal stiegen die Fußballer der SG Hessen Hersfeld in den 80er-Jahren in die Oberliga Hessen auf. Das erste Mal vor fast genau 40 Jahren. Hier ein Rückblick auf eines der spannendsten Saisonfinals, die die Region je gesehen hat.

Bad Hersfeld – Am frühen Abend des Pfingstsamstags 1981 glühten bei der „Hersfelder Zeitung“, die damals noch in der Klaussstraße beheimatet war, die Telefondrähte. Hans Wegfahrt, seit Jahrzehnten Fußballmitarbeiter der HZ, bekam den Hörer nicht mehr aus der Hand. Zeitweise brach sogar das gesamte Telefonnetz in der Innenstadt zusammen.

Der Grund für die große Zahl der Anrufer war ein Fußballspiel – das letzte der Relegationsrunde um den Aufstieg in die Oberliga. Im Kasseler Nordstadt-Stadion, noch heute die Heimat von Hermannia Kassel, standen sich die SG Hessen Hersfeld und der VfB Schrecksbach gegenüber. Wegfahrt telefonierte mit dem Stadionansager, um Zwischenstände und Endstände zu erfragen.

Das Spiel war Drama pur: Kein Regisseur der Welt hätte diese Spannung auf eine Bühne zaubern können. Denn die Hersfelder waren eigentlich aus dem Rennen – und kamen erst im letzten Spiel wieder zurück.

Und das kam so. Am Saisonende waren gleich drei Mannschaften punktgleich an der Spitze der Verbandsliga Nord, die damals Landesliga hieß: Hessen Hersfeld, Hermannia Kassel und Schreckbach hatten je 44:20 Punkte, das Reglement sah eine Relegationsrunde vor. Die Hermannen legten im ersten Spiel in Schrecksbach mit 1:0 gegen die Hessen vor, die viele Chancen herausarbeiteten, aber nicht verwerteten. „War das schon das Ende aller Träume?“ orakelte die HZ, für die Hans Hantke Berichterstatter war.

Doch am Mittwoch darauf die überraschende Wende, als Schrecksbach mit einer bärenstarken Leistung die Hermannen mit 2:1 nach Hause schickte und damit den Weg für ein echtes Endspiel zwischen den Hessen und Schrecksbach bereitete. „Ein ideales Ergebnis für uns“, befand Hessen-Trainer Werner Weigel, einst wieselflinker Linksaußen der Gladbacher Borussia in der Bundesliga, der Spielern wie Netzer und Laumen Vorlagen gab. 2000 Zuschauern, davon waren geschätzt 1200 aus Hersfeld, wollten sich diesen Knaller nicht entgehen lassen. Rolf Malachowski, der Ex-Vorsitzende, erinnert sich: „Unsere Zuschauer haben gestanden wie eine Wand.“

Bis zur 21. Minute war Schrecksbach noch Meister. Ausgerechnet Karl Schmidt, einer der sichersten Strafstoßschützen, die Hersfeld je in seinen Reihen gehabt hatten, vergab einen Handelfmeter in der Anfangsphase – Leutke im Schreckbacher Tor parierte.

Schmidt, ein Jahr zuvor aus Wabern gekommen, kann sich noch gut an diese Situation erinnern. „In dem Moment habe ich schon alle Felle davonschwimmen sehen“, erzählt der Libero, der damals als einziger aus dieser Mannschaft alle Saisonspiele bestritt. „Aber wir haben in dieser Relegation eine unglaubliche Energieleistung gezeigt wie ich sie später selten erlebt habe.“

Schmidt konnte sich in der Mitte auf seine Nebenleute in der Abwehr verlassen, besonders auf den Gerhard Sippel, ein Terrier unter den Manndeckern, oder Werner Schilling.

In der 21. Minute erzielte Wolfgang Stary nach Vorarbeit von Albrecht Bock das 1:0. Jetzt waren die Hermannen als Gastgeber Meister – aber auch nur 20 Minuten, als Bock aus vollem Lauf am Schrecksbacher Torwart Leutke vorbei ins Netz drosch – 2:0. Das große Zittern begann jetzt, denn jeder Gegentreffer hätte wieder das Aus für die Hersfelder bedeutet.

Der Angstschweiß stand dem Anhang auf der Stirn als Diehl nur die Latte traf, im Gegenzug hätte Hersfelds Andreas Skrzyszowski das erlösende 3:0 machen können, aber auch er traf nur Aluminium. Doch Ende gut, alles gut: Der Jubel nach dem Schlusspfiff in Kassel war unbeschreiblich. „Bei der Rückfahrt hingen aus zahlreichen Autos Fahnen, Schals und Wimpel. „Die ganze Autobahn war blau-weiß“, erzählt Malachowski. Gefeiert wurde der Sieg auf einer Party an der Giegenberghütte in Friedlos.

Arno Seelen, einer der Hessen-Akteure damals, hat noch vieles aus jener ereignisreichen Zeit aufgehoben. Denn die Partie war in der Schlussphase auch das Spiel des Hessen-Keepers. Wie Schrecksbach auch vor das Tor kam – Seelen reagierte blitzartig, flog, faustete. „Nie hatten wir in einem Fußballspiel unter höherem Druck gestanden als bei diesem Spiel in Kassel“, erzählt der Keeper, der neben seiner Zeit in Hersfeld auch zwei Jahre in Ausbach spielte.

Noch heute zieren Fotos, Zeitungsausschnitte, Bälle, Pokale, Torwarthandschuhe mit Autogrammen seine Kellerbar, die einem kleinen Hersfelder Fußballmuseum gleicht. Ein Bild zeigt ihn zusammen mit Jürgen Klinsmann bei einem Besuch seines Golfkollegen Uwe Bein in Japan. Rolf Döring, einer der besten Hersfelder damals, kann sich noch gut an diese sportlich erfolgreiche Zeit erinnern: „Wir waren ein eingeschworener Haufen, für uns zählte nur der Fußball. Sogar in der Sommerpause haben wir freiwillig Training gemacht.

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