„Wir hoffen auf klare Signale der Politik“

KSV Baunatal entwickelt Strategien, wie seine Sportarten aus der Corona-Krise kommen

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Die Sehnsucht nach dem Sport: So wie Fußballer Jonas Springer vom KSV Baunatal fehlt auch vielen anderen Sportlern das Training im Verein.

Es gab deutschlandweit zuletzt die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Aber die Sportstätten in Hessen sind weiterhin gesperrt.

„Wir spüren, dass die Sportler dringend Signale brauchen. Soziale Distanz, Isolation und Bewegungsmangel zermürben zunehmend die Gemüter“, sagt Timo Gerhold, Vorstandsvorsitzender des KSV Baunatal. Der Klub, der mit 24 Sportarten und mehr als 7500 Mitgliedern der größte Sportverein der Region ist, entwickelt Strategien, wie seine Sportarten aus der Corona-Krise kommen können.

Bei der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten steht heute auch das Thema Sport auf der Tagesordnung. „Wir hoffen danach auf klare Signale der Politik“, sagt Gerhold. Der KSV meint, dass viele Sportarten bereits jetzt möglich sind, sofern Hygiene- und Schutzstandards eingehalten werden. In anderen Bundesländern wie Hamburg, Berlin und Rheinland-Pfalz seien oder werden bereits die ersten Sportstätten wieder eröffnet. Das erhofft sich der Vorstandsvorsitzende zeitnah auch in Hessen.

„Wir sind Realisten und wissen, dass es erst einmal keinen Wettkampfsport geben wird“, sagt Gerhold. „Aber es ist wichtig, dass dennoch gemeinsame Bewegung im Verein stattfinden kann.“ Er sieht dabei vor allem für den Freizeit-, Gesundheits-, Reha- und Kindersport gute Möglichkeiten. Der KSV erarbeitet mithilfe der Leitlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes (siehe Hintergrund) Konzepte, wie Abstands- und Hygiene-Regeln eingehalten werden können. In den Sportstätten soll es ein Einbahnstraßensystem geben, damit Kontakte der Gruppen, die nacheinander trainieren, verhindert werden. Die Sportler müssen nach der Einheit zu Hause duschen. Außerdem hat der Verein Mundschutze bestellt.

Auf den KSV kommen weitere Herausforderungen zu. Es müssen kleinere Gruppen gebildet, geeignete Räume gefunden und die Digitalisierung ausgebaut werden. So soll die Anmeldung und Koordination der Gruppen noch mehr über eine App laufen. Zudem sagt Gerhold: „Der Freiluftsport wird als erstes wieder stattfinden, deswegen suchen wir in Abstimmung mit der Stadt Baunatal nach möglichen Flächen.“ Ein Beispiel: Der Zumba-Kurs könnte nicht wie früher in einem Raum, sondern auf einem öffentlichen Basketballplatz oder auf dem Sportplatz am Baunsberg stattfinden. „Wir sind gerüstet und warten nur auf das Go der Politik“, sagt Gerhold.

Der Vorstandsvorsitzende hat zudem die einzelnen Abteilungen gebeten, Exit-Strategien auszuarbeiten. Dabei habe er schon gute Ideen bekommen. Beispielsweise von den Triathleten, die in Freiluftgewässern schwimmen könnten. Die Kegler stellten dar, wie sie kegeln können, ohne sich zu nah zu kommen. Auch für Tennis und Leichtathletik sieht Gerhold gute Voraussetzungen, um zügig wieder mit dem Training zu beginnen.

Schwieriger sei es für Sportarten, bei denen das Abstandsgebot nicht eingehalten werden kann. „Im Fußball, Handball oder der Sportakrobatik wird es erst einmal kein vernünftiges Training geben“, sagt Gerhold.

Bei der Wiederaufnahme des Sports denke der Verein vor allem an Kinder und Senioren, die psychisch besonders unter der Situation leiden. So soll, wenn möglich, das Angebot der Kindersportschule auch in den Sommerferien laufen – sonst wurde es in dieser Zeit reduziert. Außerdem sollen mehr Sportcamps angeboten werden, um Eltern zu entlasten und für Kinder mehr Bewegungsangebote zu schaffen. Ältere Sportler nehmen am wenigsten am neu geschaffenen Online-Angebot teil. Daher sei es wichtig, ihnen die regulären Einheiten wieder anzubieten.

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