Der Libero aus dem Philosophenweg liebt den KSV Hessen und Hertha BSC – der Jubilar von A – Z

Ein Idol in Kassel und Berlin: Heute wird Holger Brück 70 Jahre alt

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Abgezogen: Holger Brück schießt mit seinem schwächeren linken Fuß auf das Tor. Die Szene stammt aus dem Regionalligaspiel zwischen dem KSV Hessen und Bayern Hof aus der Saison 1970/1971, das 2:1 für den KSV endete.

Niestetal. Er ist das Idol der meisten nordhessischen Fußballfans, und viele bewundern ihn aus zwei Gründen. Sie schätzen seinen herausragenden Umgang mit dem Ball ebenso wie seinen Einsatz für den KSV Hessen, der längst nicht mehr existieren würde, wenn er ihn vor fast 20 Jahren nicht wiederbelebt hätte. Holger Brück, der heute 70 wird, von A bis Z.

A wie Auestadion: Im Kasseler Auestadion kickte Holger Brück bei den Heimspielen des KSV Hessen von 1968 bis 1972 und von 1987 bis 1990.

B wie Beckenbauer: Franz Beckenbauer war zwar Brücks Idol, aber als sich der KSV Hessen und Bayern München im Dezember 1970 im Auestadion in einem Pokalspiel gegenüberstanden, hieß der überragende Spieler nicht Beckenbauer, sondern Brück.

C wie Calgary: Für den kanadischen Klub Calgary Boomers spielte Holger Brück in der Saison 1981/1982 in der nordamerikanischen Fußball-Liga (NASL).

D wie Düsseldorf: Gegen Fortuna Düsseldorf gab es für Brücks Klub Hertha BSC im DFB-Pokalendspiel 1979 eine unglückliche 0:1-Niederlage nach Verlängerung.

E wie Eintracht Baunatal: Aus Calgary nach Nordhessen zurückgekehrt, wurde Holger Brück von 1982 bis 1987 zunächst Spieler und später Spielertrainer von Eintracht Baunatal. Der Großenritter Klub gehörte damals zeitweise der Oberliga an.

F wie Familie: Wird bei den Brücks großgeschrieben. Ursula und Holger Brück sind fast 48 Jahre verheiratet. Mit Sohn Sebastian hat Holger beim KSV Hessen in einer Mannschaft gespielt, Tochter Sabine arbeitet auf der Geschäftsstelle des KSV. Schwiegersohn Claus Schäfer und Enkel Felix Schäfer sind ebenfalls in der Region bekannte Fußballer. Enkelin Sina Schäfer ist als Volleyballerin aktiv.

G wie Großhandelskaufmann: In diesem Beruf hätte Brück wohl gearbeitet, wenn er es nicht zum Fußballprofi gebracht hätte. Seine Lehre absolvierte er von 1964 bis 1967.

H wie Hertha BSC: Für den Berliner Klub war Holger Brück von 1972 bis 1981 aktiv. Mit 261 Bundesliga-Spielen liegt er an dritter Stelle der ewigen Hertha-Bestenliste.

I wie Idol: Brücks Vorbild wurde 1954 Weltmeister. Gala Metzner trainierte die B-Jugend des KSV Hessen, als Holger Brück im entsprechenden Alter war.

J wie Jugend: Schon damals - wie sollte es anders sein - stand der Fußball im Mittelpunkt. Holger Brück kickte meistens auf einem Bolzplatz, der zwischen der Wolfhager Straße und dem Marienkrankenhaus im Kasseler Stadtteil Rothenditmold angelegt war.

K wie KSV Hessen: Beim KSV wurde der damals 20-Jährige 1968 Vertragsspieler. Er blieb zunächst vier Jahre, ehe es ihn nach Berlin zur Hertha zog.

L wie Libero: Auf dieser Position absolvierte Holger Brück die weitaus meisten seiner Spiele. In seiner Glanzzeit war er hinter Franz Beckenbauer Deutschlands bester Libero.

M wie Mittlere Reife: Diesen Schulabschluss schaffte Holger Brück im Jahr 1964, ehe er die Lehre als Großhandelskaufmann absolvierte.

N wie Nationalmannschaft: In der deutschen Nationalmannschaft spielte Holger Brück nie. Bis zu seinem Wechsel zu Cosmos New York im Jahr 1977 war Franz Beckenbauer auf der Position des Liberos zwar unantastbar, aber mit dem Wechsel in die USA war seine Länderspielkarriere beendet, und Brück stand als Nachfolger des Kaisers bereit. Aber Bundestrainer Helmut Schön ignorierte Herthas Libero, und der 171-Zentimeter-Mann sagt mit 40 Jahren Abstand: „Ich war ihm wohl zu klein.“

O wie Overath: Mit dem Kölner Wolfgang Overath kickte Brück zusammen in der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft. Und wenn Anfang der Siebzigerjahre das Duell zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC auf dem Spielplan der Bundesliga stand, dann gab es heiße Zweikämpfe zwischen Overath und Brück.

P wie Philosophenweg: Straße in der Kasseler Südstadt, in der Holger Brück am 30. September 1947 geboren wurde.

R wie Reisen: Brücks zweitliebstes Hobby. Ursula und Holger kennen - von Australien einmal abgesehen - alle Kontinente.

S wie Sportgeschäft: Nach der Profikarriere wurde Brück Geschäftsmann. Sein Sportgeschäft wurde 1984 am Leipziger Platz im Kasseler Stadtteil Bettenhausen eröffnet.

T wie Tore: 27 Tore erzielte Brück in 301 Spielen für Hertha BSC.

U wie Uefa-Cup: 1979 verpasste die Hertha nur knapp das Endspiel im Uefa-Cup. In den beiden Halbfinalspielen gegen Roter Stern Belgrad reichte ein 2:1-Sieg in Berlin nach der 0:1-Niederlage in Belgrad nicht.

V wie Vizemeister: 1975 feierte Holger Brück als Libero von Hertha BSC seinen größten sportlichen Erfolg, denn die Berliner wurden hinter Borussia Mönchengladbach Deutscher Vizemeister. Der ganz große Triumph aber wurde dem Kasseler auch in zwei Pokalendspielen verwehrt. 1977 scheiterte die Hertha mit 0:1 am 1. FC Köln, während es 1979 eine 0:1-Niederlage nach Verlängerung gegen Fortuna Düsseldorf gab.

W wie Wiedergründung: Der FC Hessen - Nachfolgeklub des insolventen KSV Hessen - musste im Dezember 1997 den Spielbetrieb einstellen und verschwand von der Bildfläche. Dass es im Januar 1998 zur Wiedergründung des KSV Hessen kam, war vor allem Brücks Verdienst. Allerdings war es auch der Beginn einer sportlichen Ochsentour, denn der KSV musste in der Kreisliga neu anfangen. Acht Jahre später war der Aufstieg in die Regionalliga geschafft.

Z wie Zimmermann: Gerd Zimmermann - vor allem bekannt als Vorstopper von Fortuna Düsseldorf von 1974 bis 1980 - war Brücks Nebenmann bei den Calgary Boomers.

„Erinnerst Du Dich an unsere Erfindung?“

Gegen- und Mitspieler gratulieren Holger Brück zum Geburtstag

Grau: Danke für zehn schöne Jahre

Jürgen Grabowski (Brücks Gegenspieler von Eintracht Frankfurt): Lieber Holger, ich erinnere mich gern an die immer fairen Duelle mit Dir. Es war stets wohltuend, dass Du nicht so auf meine Knochen getreten hast wie so viele andere Gegenspieler. Ich hoffe sehr und wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du gesund bleibst.

Klaus Fischer (Brücks Gegenspieler von Schalke 04): Lieber Holger, ich hoffe, dass wir uns bald mal wiedersehen. Vielleicht im Rahmen eines Länderspiels. Ich erinnere mich gut an die Spiele gegen Hertha BSC. Du warst im Zweikampf so stark, dass Du nie zu unfairen Mitteln greifen musstest. Meine Hochachtung. Bleib gesund.

Uwe Habedank (Brücks Mitspieler beim KSV Hessen): Lieber Holger, erinnerst Du Dich noch an unsere Erfindung? Alle behaupten, dass Franz Beckenbauer und Günter Netzer das Wechselspiel Libero/Regisseur im Mittelfeld erfunden haben. Dabei waren wir das. Wir haben vier schöne Jahre zusammen erlebt. Bleib so, wie Du bist.

Erwin Hermandung (Brücks Mitspieler bei Hertha BSC): Lieber Holger, wie schön, dass wir uns kürzlich beim 125-jährigen Bestehen unserer Hertha wiedergesehen haben. Unsere gemeinsamen sechs Jahre in Berlin waren wunderschön, und ich hoffe, dass wir uns bald gesund wiedersehen. Übrigens: Willkommen im Klub.

Gerd Grau (Brücks Mitspieler beim KSV und bei Hertha BSC): Lieber Holger, vielen Dank für die zehn schönen Jahre, die ich als Dein Mitspieler erleben durfte. Dass Du auf Deine Gesundheit achten sollst, muss ich Dir nicht extra sagen. Zum Rauchen konnte ich Dich nie überreden, und getrunken hast Du auch nie viel.

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