„Einbindung würde Motivation steigern“

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Hofft auf weitere Starts in der Leichtathletik-Nationalmannschaft: Die gebürtige Kasselerin Laura Hottenrott.

Die Kasseler Läuferin Laura Hottenrott hat auf ihrem Instagram-Profil viel Zustimmung für einen Appell an den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) erhalten. Die 28-Jährige richtet sich dabei gegen die bisher ersatzlose Streichung der Straßenlauf-Wettbewerbe. Wir sprachen mit der 28-Jährigen.

Sie haben im Februar die Saison mit einer neuen Bestzeit im HM begonnen. Dann kam Corona. Wie motiviert man sich da eigentlich?

Nach dem sehr guten Start im Februar mit der EM- und WM-Qualifikation war ich zuversichtlich. Dann wurde erst die Halbmarathon-WM in den Oktober verlegt und die Europameisterschaften ersatzlos gestrichen. Mit dem Wegfall der Wettkämpfe war ein strukturiertes Training nicht mehr zielführend. Sich zu motivieren ist da recht schwer. Ohne Ziel läuft man nicht so einfach 160 Kilometer in der Woche.

Jetzt haben Sie Ihre Kritik an der Wettkampfplanung des DLV im Hinblick auf die abgesagten Straßenwettkämpfe öffentlich gemacht. Machen Sie sich Sorgen über nachtragende Funktionäre?

Ja. Damit kritisiere ich Entscheidungsträger, die mich auch für die Nationalmannschaft nominieren. Allerdings habe ich in den vergangenen Wochen überall eine Unzufriedenheit bei Athleten und Trainern gespürt.

2020 soll es keine deutschen Meisterschaften auf der Straße, über 10 km sowie im HM und Marathon geben. Gibt es dazu eine offizielle Begründung des Verbandes?

Nein. Das ist ja das Ärgerliche. Wenn man in den DLV-Kalender schaut, findet man dort Absagen und keine Erklärungen oder Hinweise auf Verlegungen.

Wo ist da das Problem?

Etliche Organisatoren haben Konzepte für ihr Läufe unter Corona-Bedingungen vorgelegt. Beim DLV ist das bei den Straßenrennen nicht passiert. Hier wäre ein Signal notwendig.

Sie schreiben bei Insta- gram auch, dass Sie sich mehr Mut, Transparenz und Offenheit wünschen. Wie könnte das aussehen?

Von uns Athleten wird erwartet, dass wir weiter trainieren, aber vielfach wissen wir nicht wofür. Mehr Einbindung in diese Prozesse würde die Motivation steigern. Auch wissen wir nicht, wie sich Corona auf den Wettkampfkalender 2021 auswirkt und welche Pläne und Konzepte der Verband hierfür vorgesehen hat.

Ihr Jahreshöhepunkt wurde vom März auf den Oktober verlegt. Die Halbmarathon-WM soll dann in Polen stattfinden. Wird das was?

Da bin ich sehr zuversichtlich. Es gab viele positive Signale aus Polen, zumal es sich nicht um eine Massenveranstaltung handelt.

Vorbereitungsrennen wären da wohl wichtig, wie Sie selbst bei Instagram schreiben. Wie können Sie sich aktuell behelfen?

Ich hoffe natürlich darauf, dass es bis September Möglichkeiten für Straßenrennen gibt. Natürlich bin ich keine Virologin. Man musss sehen wie sich die Situation weiter entwickelt. Insgesamt hoffe ich auf mehr Straßenrennen noch in diesem Jahr auch, weil viele Menschen in der Corona-Zeit das Laufen für sich entdeckt haben. Das sind Chancen für die Sportart.

Kann es sein, dass der DLV manchmal entschlussunfreudig ist?

Vor zwei Wochen haben die Schweizer 10 000-Meter-Meisterschaften ausgetragen. Zumindest entsteht der Eindruck, dass es Lösungsmöglichkeiten geben könnte.

Nun kam am Mittwoch die Meldung, dass der DLV bei der DM doch 1500 Meter, 5000 Meter und 3000 Meter Hindernis ins Progamm nimmt. Wie bewerten Sie das?

Positiv. Es zeigt, dass das zuvor von Athleten kritisierte Konzept nicht in Stein gemeißelt war und das Verbesserungen möglich sind.

Andere Läufer stimmen Ihnen zu: Fabienne Königstein, Sabrina Mockenhaupt, Corinna Harrer, Jens Nerkamp oder Jan Fitschen. Sollten sich die Läufer dem DLV vielleicht einen Organisationsvorschlag unterbreiten?

Das wäre eine Möglichkeit, stellt sich aber aus Athletensicht schwierig da und ist auch nicht deren Aufgabe. Dass ein öffentlicher Vorstoß etwas bringen kann, kann man ja an der Kritik von Gesa-Felicitas Krause sehen, als bekannt wurde, dass es die 3000 Meter Hindernis bei der Deutschen Meisterschaft nicht geben soll.

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