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Warum Burn-out bei Läufern längst kein Einzelfall mehr ist

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Skispringer Sven Hannawald war 2004 vom Burn-out-Syndrom betroffen. Dabei handelt es sich um den Verlust der körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit sowie die Fähigkeit, diese Kräfte zu regenerieren.

Burn-out. Das ist kein Einzelfall im Sport, sondern Realität auch für viele Läufer - besonders unter den ambitionierten Amateurathleten. Unserer Kolumnistin Anna Hughes liegt dieses schwierige Thema besonders am Herzen.

Es geht einfach nichts mehr. Platt und lustlos liegst du förmlich in der Ecke. Jeder Lauf bedeutet das große Aufraffen. Schon der Gang zum Kleiderschrank und das anschließende Binden der Laufschuhe kommt dir sinnlos vor. Du willst eigentlich laufen gehen und bist gleichzeitig antriebslos. Wirklichen Rat weißt du in diesen Momenten nicht. Manchmal, wenn du dich dann doch entschließt, laufen zu gehen, fühlst du dich beflügelt und im nächsten Moment brechen Gewitterwolken über dich herein.

Dies ist keine Fiktion, sondern Realität für viele Läufer und wahrlich kein Einzelfall, sondern auch unter den ambitionierten Amateurathleten ein Phanömen, wenn nicht sogar ein Krankheitsbild, das nicht nur im Job von sich reden macht.

Nur kurz ein Stern am Himmel

Läufer-Burn-out. Oft blitzen sie kometenartig auf. Die jungen Wilden, die die vorderen Plätze bei diversen Läufen dominieren. Aber auch ältere Athleten, die plötzlich die Szene aufwirbeln und nach einer Saison weg vom Fenster sind. Sie kamen, sahen und siegten, bis sie wieder verschwanden. Geplagt von Verletzungen und Motivationstiefs geht irgendwann nichts mehr. Oft fehlt die richtige Unterstützung, Trainer, die nicht nur auf ihren eigenen Profit aus sind, sondern ehrliches Interesse an der langfristigen Entwicklung des Athleten haben.

Es liegt mir sehr am Herzen, mich heute diesem Thema zu widmen. In diesem Fall geht es einmal nicht um die Optimierung deines Trainings, des Equiments oder der Ernährung. Wenn du dich an einem ähnlichen Punkt wie oben beschrieben fühlst, geht dir das sicherlich sehr nahe. Der ganze Optimierungswahn bringt nicht weiter, wenn du tief im Inneren unzufrieden und unglücklich bist.

Der Prozess bis an den Punkt des Läufer Burn-outs ist ein schleichender. Aus-brennen anstatt ausgebrannt. Oft zunächst unbemerkt macht sich eine Nervosität und Gereiztheit breit. Klar kann man mal einen schlechten Tag im Büro oder einen Streit mit den Liebsten für läuferische Unlust verantwortlich machen, aber in Wirklichkeit ist das Problem größer, als es wirkt. So kommt wie bei einer Kettenreaktion eins zum anderen.

Symptome für ein Burn-out

Bevor ich dir einige Lösungen anbiete, wie du da wieder herauskommen kannst, sind hier noch weitere Zeichen gelistet, an denen du erkennst, ob du an einem leichten oder gar schwereren Burn-out leidest. Was davon kommt dir bekannt vor?

  • Ständiges Gefühl, körperliche und mentale Grenzen zu überschreiten 
  • Schlaflosigkeit 
  • Rastlosigkeit 
  • Ignorieren von Müdigkeit 
  • Zwanghaftes Trainieren 
  • Allgemeine Nervosität 
  • Kreisende Gedanken 
  • Bauchschmerzen 
  • Gereiztheit 
  • Appetitlosigkeit oder zügelloses Hineinstopfen 
  • Hektische, panische Reaktionen 
  • Spürbar Druck von innen und außen 
  • Depressive Verstimmungen und Launenhaftigkeit 
  • Kraftlosigkeit 
  • Erhöhter Koffein- und Alkoholkonsum 
  • Regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten

Wenn du einige dieser roten Ampeln an dir wahrnimmst, werde dir bewusst, wann du diese das erste Mal wahrgenommen hast. Das Burn-out hat viele Facetten und oft sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich. Eine echte Diagnose ist sowieso schwer zu stellen. Wer will schon vor seinen Freunden, Partner und Familie so dastehen, als Verlierer, der sich im Sport ausgebrannt hat? Das heimliche Leiden nimmt irgendwann so viel Raum ein, dass es ratsam sein kann, sich in professionelle Hände zu begeben.

Social-Media-Mania, das ständige Mitteilungsbedürfnis und meist Ringen nach Bestätigung und Aufmerksamkeit, ist ein weiterer Grund fürs Burn-out sowie das klassische Übertraining, das aus dem inneren Druck entsteht, mehr bringe auch mehr. Verletzungen sind dann die nächste Konsequenz.

Um dich nach und nach wieder aufzupäppeln, bedarf es etwas Zeit, Geduld und vor allem Ruhe. Manche Experten behaupten, bloß nicht ganz mit dem Laufen aufzuhören und einfach einen Gang herunterzuschalten. Doch damit ist es nicht getan, wenn die Ursache nicht in erster Linie im Laufen per se steckt.

Erinnerst du dich noch, was du gedacht hast, als du das erste Mal gelaufen bist und gemerkt hast, wie der Funke übersprang? Die Freude an der Bewegung dich völlig einnahm und du einfach immer mehr davon wolltest?

Das Laufen war dir von großem Nutzen, für dein Wohlbefinden, deine Gesundheit und vor allem verbunden mit viel Spaß. Das herrliche Gefühl, von Endorphinen durchströmt zu sein, hat sich gewandelt in ein Müssen. Dranbleiben wollen an den anderen. Sich ständig was beweisen wollen. Durch die nun aber bereits erhöhte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol bringt weiterlaufen also nicht viel.

Farbe und Spaß zurück in den Sport bringen - eines der Ziele des Color Runs in Hamburg.

Die Freude am Laufen zurückgewinnen

Folgende Maßnahmen sind eine Möglichkeit, dir den inneren Druck zu nehmen und wieder zur Freude am Laufen, dem Ursprung und dem Grund, warum du angefangen hast, zurückzufinden:

  • Nimm dir eine 14-tägige Auszeit vom Laufen und versuche, möglichst nicht ans Training zu denken.
  • Setze dir einen Anker im Kopf, indem du eine alternative Sportart wählst und den Fokus mehr darauf lenkst.
  • Gönne dir Massagen, Basenbäder, ruhige Abende, Zeit mit Freunden, Partnern und Familie.
  • Schreibe auf, welche positiven Dinge du mit dem Laufen verbindest.
  • Meditiere ein paar Minuten täglich; die Augen schließen, auf den Atem konzentrieren, einige Male tief ein-und ausatmen, und spüren, wie Körper und Geist immer mehr entspannen.
  • Storniere bereits angemeldete Wettkämpfe für eine Weile, um dir jeglichen Druck zu nehmen.
  • Versuche, möglichst viele gesunde Speisen zu essen, um deine Speicher mit guter Energie aufzufüllen.

Nach diesem selbstauferlegten Mini-Sabbatical solltest du einige Verbesserungen wahrnehmen und wieder mehr innere Ruhe und Frieden bemerken. Wenn dir wirklich danach ist, beginne mit einem kurzen Lauf ohne Uhr, ohne Pulsmesser. Laufe, um die Natur zu genießen, echte Freude an der Bewegung zu haben. Verbinde dich wieder mit dem ersten Lauf. Back to the roots. Da, wo alles anfing und von wo aus es wieder gestärkt weitergehen kann.

FACEBOOK-GRUPPE: GEMEINSAM LAUFEN

Auf Facebook haben wir eine Gruppe gegründet für alle, die einfach Lust am Laufen haben - und sich mit anderen darüber austauschen wollen: Laufen - für Herz, Seele, Geist und Spaß. Neben Anna Hughes schreibt dort auch Jens Nähler, Leiter unserer Online-Redaktion. Wollt ihr dabei sein? Wir freuen uns auf euch.

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