Umgangston auf den Fußballplätzen ist rauer geworden

Wenn Schiedsrichter ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: „Leck mich doch am Arsch!“

Referee Bastian Dankert (links) zeigt Frankfurts Daichi Kamada wo es langgeht.
+
Referee Bastian Dankert (links) zeigt Frankfurts Daichi Kamada wo es langgeht.

Der Umgangston auf den Fußballplätzen im Amateurbereich ist rauer geworden. Fairness und Respekt bleiben dabei oft auf der Strecke. Das bekommen auch die Schiedsrichter zu spüren. Wir beleuchten das Thema anhand eines aktuellen Beispiels.

Hersfeld-Rotenburg – Norbert Lohfink ist 65 Jahre alt. Seit 25 Jahren Fußball-Schiedsrichter. Der ehemalige Fußballer und Lehrwart des Kreises Lauterbach-Hünfeld pfeift für den SV Steinbach. Doch jetzt hat Lohfink die Lust verloren.

„Ich muss das erst mal sacken lassen und habe nach einem Gespräch mit unserem Kreisschiedsrichterobmann Steffen Gaschitz darum gebeten, mich für einige Wochen nicht anzusetzen“, erzählt der Unparteiische aus Burghaun. Was ist passiert?

Lohfink leitet vor einiger Zeit das Derby der Kreisliga A1 zwischen der SG Sorga/Kathus und dem FV Friedlos (1:2). „Im Lauf des Spiels haben sich die Emotionen der Zuschauer auf beiden Seiten immer weiter hochgeschaukelt. Da wurde fast jede meiner Entscheidungen – oft aus 40 oder 50 Metern Entfernung – lautstark kritisiert. Es waren nur noch Geschrei und Theater“, berichtet Lohfink, der die Spieler ausdrücklich von seiner Kritik ausnimmt. „Sie waren für ein Nachbarschaftsduell relativ ruhig.“

Norbert Lohfink, Fußball-Schiedsrichter des SV Steinbach

Weil er den Eindruck gewonnen hat, dass der Umgangston und das Miteinander auf den Amateur-Fußballplätzen immer rauer werden, Fairness und Respekt dabei ins Abseits laufen, hat er sich sogar mit einem Leserbrief an unsere Zeitung gewandt.

„Ich bin wahrlich keiner, der mit Gelben oder Roten Karten um sich wirft“ sagt er. „Aber häufig werden Entscheidungen nicht mehr akzeptiert – auch wenn wir das Spiel weiterlaufen lassen, wird es als falsch angesehen“, berichtet er.

Lohfink betrachtet den Amateurfußball auch als Ausgleich zum Alltagsstress mit all seinen Anforderungen, Sorgen und Nöten. „Aber für einige Zuschauer dient er eher als Ventil. Solche verbalen Attacken wie zuletzt habe ich jedenfalls in 25 Jahren noch nicht erlebt.“ Der negative Höhepunkt: Als Lohfink einen Zuschauer von Sorga/Kathus hinter die Barriere verweist, bekommt er Folgendes zu hören: „Leck mich doch am Arsch!“

Marcel Mähler, Sportlicher Leiter der SG Sorga/Kathus, will die Vorfälle nicht herunterspielen. „Herr Lohfink hat grundsätzlich recht. Es gab Beleidigungen von Zuschauern beider Seiten. Das darf in dieser Form nicht vorkommen“, sagt er auf Nachfrage. Es sei ein Derby mit Emotionen, aber keinesfalls unfair gewesen, berichtet der 41-Jährige. „Ich habe zwar auch schon Schlimmeres erlebt. Aber prinzipiell ist es schon so, dass Fairness und Respekt oft auf der Strecke bleiben. Ich sehe da ein allgemeines Problem unserer Zeit“, sagt Mähler.

Und wie sieht es von offizieller Seite, sprich der Kreisschiedsrichtervereinigung aus? Kreislehrwart Mario Czieslick aus Bad Hersfeld hat sich auf Anfrage unserer Zeitung in der Whatsapp-Gruppe des Ausschusses umgehört. „Es sind in letzter Zeit kaum Beschwerden an uns herangetragen worden“, sagt der 32-Jährige. Eine Entwicklung sei demnach nicht zu beobachten. „Es hat sich eigentlich nichts geändert“, so Czieslick, der selbst in der Verbandsliga pfeift und bis zur Hessenliga als Assistent im Einsatz ist. Es gäbe aber immer Situationen, in denen bei einem Fußballspiel plötzlich und unvorhersehbar Hektik aufkäme.

Für solche Momente erinnert Czieslick an eine alte Schiedsrichter-Weisheit, die da lautet: Ein Schiedsrichter muss viel sehen und weniger hören.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.