Leichtathletik im Auestadion

Deutsche Meisterschaft: Orth geht mit viel Biss ins Heimspiel

Zurück in der Heimat: Florian Orth arbeitet als Zahnarzt in der elterlichen Praxis. Foto:  Lipke

Kassel. Am 18. und 19. Juni findet im Kasseler Auestadion die Deutsche Meisterschaft der Leichtathleten statt. Mit dabei: das Mittelstrecken-Ass Florian Orth aus Treysa.

An den 24. Juli 2011 kann sich Florian Orth gut erinnern. Nicht nur, weil er an diesem Datum seinen 22. Geburtstag feierte. Nein. Der Leichtathlet aus Treysa sorgte an diesem Sonntag für eine dicke Überraschung im Kasseler Auestadion und beschenkte sich damit selbst. Bei der Deutschen Meisterschaft lief Orth über 1500 Meter zur Silbermedaille. Nur wenige hatten ihn auf der Rechnung gehabt.

Fünf Jahre später haben sich die Vorzeichen geändert. Über 1500 Meter ist Orth Titelverteidiger, und über 5000 Meter hat der 26-Jährige bereits die Norm für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro erfüllt. Von daher weiß er noch gar nicht, in welcher Disziplin er dieses Mal im Auestadion antreten wird. Nur eines ist sicher: Orth wird mit viel Biss in die Deutsche Meisterschaft gehen. „Ich will den Titel gewinnen. Egal auf welcher Strecke“, sagt er. Seit den ersten Titelkämpfen in Kassel hat sich viel getan im Leben des Florian Orth. Ein Überblick:

Der Beruf

Nach sechs Jahren in München ist der Schwälmer in die Heimat zurückgekehrt. Das Studium ist abgeschlossen, nun arbeitet Orth in der elterlichen Praxis im Schwalmstädter Ortsteil Treysa. Von den Patienten wird der Zahnarzt erkannt. „Viel Erfolg in Rio“, sagt ein älterer Herr, der eben einen Termin gehabt hat. „Ein Mädchen wollte sogar unbedingt zu mir, weil sie mich im Fernsehen gesehen hat“, berichtet Orth, der in der vierten Generation diesen Beruf ausübt. Trotzdem habe es auch schon Patienten gegeben, die verdutzt geguckt haben, als der Leichtathlet das Behandlungszimmer betrat. „Wer sind Sie denn? Sind Sie neu hier?“, lauteten die Fragen.

Bei den eigenen Eltern angestellt zu sein, birgt für einen Leistungssportler gewisse Vorteile. Wenn Orth intensive Trainingsphasen hat oder zu einem Wettkampf reisen will, kann er seine Patienten vergleichsweise einfach an Vater oder Mutter abgeben. „So viele Freiräume für meinen Sport würde ich in keiner anderen Praxis bekommen“, sagt Orth. Sein Training absolviert er wie früher im nur einen Steinwurf entfernten Schwalmstadion oder auf den Feldwegen rund um Schwalmstadt. „Davon gibt’s hier ja genug.“

Die Disziplin

Nun auf einmal 5000. In dieser Saison ist Orth die längere Distanz gezielter angegangen. „Die Strecke bedeutet zwar mehr Qual. Aber dafür gibt es weniger Gerangel“, sagt der Mann, der für die LG Regensburg läuft. Die 1500 Meter hat er aber keineswegs abgehakt. Sein ursprünglicher Plan sah so aus: Bei der EM im Juli wollte er über 5000 und im August in Rio über 1500 Meter starten. Man müsse sich eben Ziele stecken, sagt Orth. Über die kürzere Strecke muss der Schwälmer aber noch die geforderte Zeit erfüllen. Ob er im Auestadion die Norm angehen wird? „Als Titelverteidiger kann ich über 1500 ja nur verlieren. Zur Not liefere ich die Zeit später nach.“ Außerdem könne er über 5000 Meter noch ein bisschen Wettkampfpraxis vertragen.

Die Vorfreude

Seinen Start in Kassel bezeichnet Orth als Heimspiel. „Im Auestadion zu laufen, ist etwas Besonderes.“ Schon als junger Teenager sei er „total baff“ gewesen, als er zum ersten Mal zur nordhessischen Meisterschaft in dem großen Rund stand. Er freue sich auf die Atmosphäre. „Das Stadion ist einfach perfekt für Leichtathletik-Veranstaltungen.“ Womöglich gelingt Florian Orth erneut ein Coup wie vor fünf Jahren.

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