Vor Ort: Beim Leichtathletik-Landesentscheid „Jugend trainiert für Olympia“ im Kasseler Auestadion

Bestmarke trotz schwerer Beine

Im Anflug: Laura Hägele kam im Weitsprung auf 4,99 Meter. Außerdem sammelte sie in der 4x75m-Staffel sowie im Ballwurf Punkte für das Kasseler Goethe-Gymnasium. 3Fotos: Schachtschneider

Kassel. Was machen die da bloß? Ein neues Tänzchen? Ein spezielles Aufwärmtraining? Nichts dergleichen. Die rund 15 Weitspringerinnen, die im Auestadion auf seltsame Art hintereinander hergehen, messen beim Leichathletik-Landesentscheid „Jugend trainiert für Olympia“ ihre Anlauflänge. Eine nach der anderen setzen sie, am Absprungbalken beginnend, die Ferse des einen Fußes vor die Zehen des anderen. Und so weiter und so weiter. Darunter auch Kerstin Beuermann (15) und Laura Hägele (13), die in der Wettkampfklasse III für die Mannschaft des Kasseler Goethe-Gymnasiums starten.

Hägele markiert ihren Anlaufpunkt nach 90 Fußlängen, Beuermann benötigt 100. Kurz darauf beginnt ihr Wettkampf. Und es läuft gut, woran auch Michael Hocke, Lehrertrainer des Goethegymnasiums, Anteil hat. Er filmt die Sprünge seiner Schützlinge und gibt umgehend Tipps. Beuermann steigert ihre Bestmarke auf 5,20 m. Erwartet hätte sie das nicht: „Ich habe von einem Siebenkampf am Wochenende noch schwere Beine.“ Hägele landet beim besten Versuch bei 4,99 m.

Im Stadion, dessen Rasen nach den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften noch gesperrt ist, jagt ein Wettbewerb den nächsten. Beinahe familiär geht es beim Werfen und Stoßen zu. Die Konkurrenzen finden hinter der Osttribüne statt. Fast beengt wirkt die Anlage der Kugelstoßer. Anfreunden können sich die Goetheschüler Leon Coste (16) und Jonathan Pflüger (15) damit zunächst nicht. „Man fühlt sich wie im Loch und hat das Gefühl, ganz hoch wegstoßen zu müssen“, erklärt Coste. Doch er stellt sich darauf ein und schafft im dritten Versuch 13.96 m.

„Wir genießen es, mal in einer Mannschaft zu starten. Sonst sind wir oft Einzelkämpfer“, sagt Pflüger, der mit 11.47 eine persönliche Bestleistung erzielt. Kaum ist die Konkurrenz beendet, drängt der Zeitplan. Rasch müssen einige der Kugelstoßer am nächsten Wettkampfort sein. Flexibilität ist also gefragt, zumal jedes Ergebnis in die Wertung einfließt. Alle Teilnehmer absolvieren je drei Disziplinen. Was wiederum auch die Trainer vor Herausforderungen stellt.

„Man muss schon gut taktieren. Die Überlegung, wen man wo einsetzt, kann entscheidend sein“, berichtet Hocke. Immerhin sind viele Talente am Start, die bereits auf Bundesebene mitmischen. Nur als angenehme Abwechslung zum Schulalltag betrachten sie den Landesentscheid nicht. Zeiten, Weiten und Höhen können in die Bestenliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes eingehen.

Doch da ist noch ein anderer Anreiz: „Wir wollen zum Bundesfinale in Berlin. Da würden wir sogar mehrere Tage bleiben und uns alles anschauen“, betont Laura Hägele. Die Spannung steigt im Laufe des Tages, häufig gehen die Mädchen zu den stets aktualisierten Ergebnislisten. Aber nach der Staffel ist klar: Es reicht „nur“ zu Platz zwei, die Mannschaft fährt nicht nach Berlin.

Von Wolfgang Bauscher

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