Interview

Dieter Baumann: "Für die Besten ist es heute viel schwieriger"

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Dieter Baumanns größter Triumph: Bei seinem Olympiasieg über 5000 Meter im Jahr 1992 in Barcelona stürmt er ins Ziel.

In Rotenburg war Dieter Baumann, 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 in Barcelona, zu Gast. Wir haben mit ihm über Leistungssport, die Region und Zukunftspläne gesprochen.

Prominenter Sportlerbesuch bei der Fachtagung des Fachverbands für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker an Krankenhäusern, der am Montag und Dienstag in Göbel Hotel’s Arena in Rotenburg tagte. Dieter Baumann, 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 in Barcelona, war zu Gast bei dem Verband, der sich kurz „femak“ nennt.

Der als „Langstreckenläufer, Motovationstrainer und Kabarettist“ angekündigte 54-Jährige hielt einen Vortrag mit dem Titel „Ziele, Zeiten, Zäune“ – bis hin zur Zauberei. Vor seinem Vortrag hatten wir Gelegenheit, mit Baumann zu sprechen.

Herr Baumann, Sie halten einen Vortrag bei einer Bundestagung der Klinikeinkäufer. Auf den ersten Blick kein sportliches Thema ...

Ich werde tatsächlich öfters eingeladen zu Tagungen, die in einem völlig anderen Metier spielen. Es geht darum, wie Menschen in der Spur bleiben, die Balance halten können. Um einen kleinen Einblick in eine völlig andere Welt. Und natürlich auch um Entertainment.

Welchen Einfluss hat denn der Sport auf die Persönlichkeit, was müssen erfolgreiche Sportler haben?

Keine Ahnung! (lacht)Im Sport treffen Sie alle möglichen Charaktere. Nicht nur den Zielstrebigen, auch den Faulen. Es kann sein, dass der Zielstrebige sich selbst im Weg steht und der Faule Erfolg hat. Es gibt nicht die „eine“ Strategie, um etwas zum Gelingen zu bringen. Genauso wichtig wie der Erfolg ist aber die Frage, wie ich mit einem Scheitern umgehe.

Blick zurück: Im Jahr 2002, gegen Ende Ihrer aktiven Laufbahn, sind Sie beim Askina-Sportfest in Kassel über 5000 Meter gestartet. Erinnern Sie sich an den Lauf, und welche Berühungspunkte haben Sie noch mit der Region?

Also, da müsste ich lügen ... nein, an diesen Lauf erinnere ich mich nicht mehr. Aber Kassel ist schon so etwas wie eine Heimat für mich, hier bin ich zweimal mit meinem Kabarettprogramm im Starclub aufgetreten. Und bei meinem ersten Start habe ich 2010 gleich den Herkules-Berglauf gewonnen.

Sie sind als Co-Kommentator bei großen Marathonläufen im Fernsehen präsent, sind Kolumnist in Fachblättern, machen Kabarett, halten Vorträge. Wie nah sind Sie denn noch an der Leistungssportszene dran?

Eigentlich gar nicht mehr inzwischen, das ist bei mir ja 17 Jahre her, eine halbe Ewigkeit! In der Laufszene sieht das anders aus. Ich bin fast jedes Wochenende bei irgendeinem Volkslauf zu Besuch.

Was hat sich denn gegenüber früher in der Leichtathletik geändert?

Das Wettkampfangebot war früher deutlich besser! Was war das für eine Meeting-Kultur – Berlin, Köln, Koblenz, natürlich auch Kassel und Cuxhaven – das gibt es so nicht mehr. Wir sind früher viel öfter auf hohem Niveau gestartet. Das macht es heutzutage für die Besten viel schwieriger.

Man sagt oft, der Leichtathletik fehlen die medienwirksamen Typen – wie Sie früher, wie Diskuswerfer Robert Harting kürzlich noch. Stimmt das? Und wenn ja, warum fehlen die?

Ich glaube nicht, dass die Typen fehlen. Aber man kennt sie nicht mehr, weil die Medien die Berichterstattung über die Leichtathletik so heruntergefahren haben. Da wird eher über Neuartiges, über Funsportarten berichtet – und die olympische Kernsportart Leichtathletik wird zur Randsportart.

Ihre Tochter Jackie hat sich für eine Leistungssportkarriere entschieden, war Deutsche Meisterin über 400 Meter Hürden. Haben Sie Sie ermutigt?

Ermutigt nicht – ich begleite sie. Ich bin Vater und Busfahrer (lacht), meine Frau ist die Trainerin. Die Wahl, Leistungssportler zu werden, muss jeder Mensch allein und selber treffen. Das ist eine Lebensentscheidung. Wie gesagt, ich begleite sie – aber das würde ich genauso tun, wenn sie Klavier spielen würde.

Wir haben schon aufgezählt, was Sie alles machen. Welche neuen Pläne und Projekte gibt es?

Nun, zunächst mal mein neues Kabarettprogramm. „Dieter Baumann läuft halt. Weil singen kann er nicht.“ Das wird eine lustige Sache, ich glaube, damit werde ich wohl die nächsten zwei Jahre auf der Bühne stehen.

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