Leichtathletik: Göttinger Dreispringerin überdeckt Defizite der NLV-Meisterschaft

Eckhardt rettet Titelkämpfe

Einer von drei heimischen Siegern: Jonas Klack von der LG Göttingen sicherte sich den Titel im Weitsprung. Die LGG war mit drei Titeln erfolgreichster Verein Niedersachsens. Foto: Jelinek/gsd

Göttingen. Ohne sie wären die Niedersächsischen Leichtathletik-Meisterschaften wohl mehr oder weniger in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Doch dann kam am Sonntagnachmittag Neele Eckhardt und sorgte für den Paukenschlag dieser Titelkämpfe: 14,35 Meter im Dreisprung der Frauen – das Highlight im Göttinger Jahnstadion. Es war nicht nur der Landestitel, sondern der Sprung zur WM im August in London. Das Glanzlicht der zweitägigen Wettkämpfe, ganz besonders naturgemäß aus südniedersächsischer Sicht.

Leichtathletik-Experten sorgen für noch mehr bemerkenswerte Zahlen: Eckhardts zwei Sprünge über die WM-Norm (14,10 m) von 14,35 und 14,14 Metern sind derzeit Platz zwei in Europa und der sechste Rang weltweit. Und den deutschen Rekord verpasste die Jura-Studentin nur um 22 Zentimeter. Ihn hält seit 2011 Katja Demut mit 14,57 Metern, die seinerzeit beim Weseler Springer-Meeting erfolgreich war.

Reinhardt kennt die Historie

Stolz wie Bolle war natürlich auch ihr Trainer Frank Reinhardt, der nur 700 Meter vom Jahnstadion entfernt wohnt und zur Feier des Tages zu einer Grillfete einlud. Er kennt Neele Eckhardt aus dem Eff-Eff, weiß auch, dass sie zwei schwierige Jahre mit Verletzungen der Patellasehnen am rechten und linken Knie hinter sich hat. „Göttingen hat eines der schönsten Leichtathletik-Stadien in Deutschland – umso schöner, dass sie hier so gut aufgetreten ist“, meinte Reinhardt, gleichzeitig auch niedersächsischer Landestrainer für den Sprungbereich.

„Ich bin im Jurastudium gerade angespannt“, meinte Eckhardt nach ihrem Super-Satz. Im kommenden Jahr will sie Examen machen. „Sport und Studium passen im Moment schwer zusammen, man hat wenig Freizeit“, erklärte das Dreisprung-Ass ihre Situation.

Eckhardt trug auch mit dazu bei, dass die LG Göttingen mit drei Titeln (Jonas Klack im Weitsprung, Martin Koch im Kugelstoßen) der erfolgreichste Klub dieser Meisterschaften wurde.

Was die Leichtathletik-Fans freuen wird: Am 22. Juli organisiert die LG Göttingen erstmals ein Meeting mit allen Disziplinen, wie auch Thea Schmidt (Dritte im Dreisprung und neue Sprecherin des NLV-Bezirks Göttingen) bestätigte.

Absagen von Top-Athleten

Bei allem Jubel bleibt aber auch dies von den Niedersachsen-Meisterschaften festzuhalten: Sie litten unter den Absagen von weiteren Top-Athleten des Landes, die Starts anderenorts vorzogen. Auch externe Zuschauer (außer Athleten und Anhang) waren total Mangelware. „Ich dachte, ich bin im falschen Stadion“, meinte NLV-Präsidentin Rita Girschikofsky (Hannover) unverblümt, als sie Samstag das ziemlich leere Jahnstadion sah. „Die Elite des Landes ist bei anderen Events.“ Zumindest am Sonntag hellte sich die Stimmung aber nach dem eher enttäuschenden Samstag auf. (gsd)

Von Helmut Anschütz

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