Interview

Hürdensprinterin Roleder vor DM in Kassel: „Ich bin noch kein Frosch“

Auf dem Weg zu ihrem bis dato größten Erfolg: Hürdensprinterin Cindy Roleder während der WM in Peking. Am Ende gewann sie überraschend die Silbermedaille. Foto: dpa

Kassel. Sie ist eins der prominenten Gesichter der deutschen Leichtathletik-Szene. Sie ist amtierende Vize-Weltmeisterin. Und sie will am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel ihren Titel über 100 Meter Hürden verteidigen.

Im Interview spricht die gebürtige Chemnitzerin Cindy Roleder über Frösche, ihren Traum von Olympia und ihre zweite Leidenschaft Siebenkampf.

Frau Roleder, sind Sie schon ein Frosch oder nur ein Lurch?

Cindy Roleder: Ich bin auf dem Weg zu den Fröschen, würde ich sagen. Da ich schon zwei internationale Medaillen geholt habe, bin ich noch kein ausgewachsener Frosch, aber auf dem Weg dorthin. Ein ausgewachsener Frosch ist man, wenn man über Jahre das Niveau hält.

Oder wenn man im Olympia-Finale steht?

Roleder: Ja, das wäre dann ein großer Frosch.

Woher kommt dieses Motto?

Roleder: Es begleitet mich schon das ganze Leben. Von der Grundschule bis zur Polizei. Ich kann es ja auf alle Lebensbereiche anwenden, nicht nur auf den Sport.

Aber Sie haben keine Lurche oder Frösche zu Hause?

Roleder: Nein, beides nicht.

Sie sind Vize-Weltmeisterin, haben die Olympia-Norm schon unterboten. Sind Sie gedanklich bereits in Rio?

Roleder: Meine Gedanken kreisen im Moment weniger um Rio als vielmehr um die Deutsche Meisterschaft. Die ist ja das nächste Großereignis. Da zeigt sich, wer zur EM fährt. Und dann ist auch eine kleine Entscheidung darüber gefallen, wer nach Rio fährt. Mit mir haben schon Nadine Hildebrand und Pamela Dutkiewicz starke Zeiten gelaufen. Ich denke, wir könnten schon die drei für Rio sein.

Sprechen wir über Kassel. Was erwarten Sie hier für ein Rennen?

Roleder: Ich gehe als Titelverteidigerin und Vizeweltmeisterin rein. Aber es wird für mich kein Selbstläufer werden. Es wird ein offenes Rennen. Pamela Dutkiewicz hat eine gute Zeit stehen, Nadine Hildebrand auch. Alle wissen, dass ich am Ende rennen kann und sie zu Beginn viel Druck machen müssen, damit ich hinten nicht wegrenne.

Welchen Stellenwert hat die DM für Sie?

Roleder: Einen großen. Ein Meistertitel ist immer etwas Schönes. Wir haben das Training darauf ausgerichtet. Danach blicken wir auf die EM in Amsterdam und erst dann gucke ich in Richtung Rio.

Am Zuckerhut könnte ein weiterer großer Erfolg hinzukommen. Ihren bislang größten haben Sie im vergangenen Sommer in Peking gefeiert. Hat der Vize-Weltmeistertitel Sie verändert?

Roleder: Mehr Aufmerksamkeit bekomme ich natürlich seitdem: Es gibt mehr Presseanfragen, ich tauche öfter mal im Videotext auf. Aber mich als Mensch hat es nicht verändert. Ich sage mal so: Jeder kann etwas gut. Und ich kann ganz einfach schnell rennen und bin damit Vizeweltmeisterin geworden.

Warum sind Sie dann Hürdenläuferin geworden und nicht klassische Sprinterin?

Roleder: Weil Hürdensprint mir einfach mehr gelegen hat. Hürdensprint hat einen besonderen Reiz. Man kann als Favoritin ins Rennen gehen und gleich an der ersten Hürde stolpern. Es sind einfach Hürden im Weg. Und es ist eine technische Disziplin, die mit Geschwindigkeit in Verbindung steht. Das Rennen ist immer offen. Das hat man ja bei der WM gesehen: Mich hatte niemand auf der Rechnung und plötzlich war ich vorn dabei.

Da sind Sie ja fehlerfrei über die Hürden gekommen – würde das auch funktionieren, wenn ich Sie nachts um drei wecke?

Roleder: Die Technik habe ich natürlich drin, aber wir verfeinern ständig etwas. Wenn man mich nachts um drei wecken würde, würde ich wohl fehlerlos über die Hürden kommen, die Frage wäre allerdings, wie schnell. Aber das müssen Sie auch nicht unbedingt tun, um das zu testen. Nach Rio vielleicht eher.

Wie viel Siebenkämpferin steckt eigentlich in der Hürdensprinterin Roleder?

Roleder: Jemand hat mir mal den Spitznamen gegeben: siebenkämpfende Hürdensprinterin. Das passt gut. Ich mag es total gern, beim Siebenkampf die zwei Wettkampftage mit den Mädels durchzustehen. Das ist etwas ganz anderes als der Hürdenlauf. Da ist jeder sein eigener Herr und ist viel mehr fokussiert. Wenn es schießt, musst du voll da sein. Du hast nur diese eine Chance. Beides hat seinen Flair.

Wenn ich Sie am Jahresende noch einmal fragen würde, ob Sie ein Frosch sind, was würden Sie dann antworten?

Roleder: Wir können gern zu meinem Geburtstag am 21. August noch mal telefonieren und klären, ob ich ein Frosch geworden bin. Denn da ist die Abschlussfeier der Olympischen Spiele.

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