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Läuferin Melat Kejeta legt Babypause ein

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Von: Martin Scholz

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Marathonläuferin Melat Kejeta und Tochter Hermon.
Marathonläuferin Melat Kejeta und Tochter Hermon. © Martin Scholz

Früher war die Trainingsrunde schon mal 30 Kilometer lang. Oder sogar länger. Diese Zeiten sind vorbei. „Jetzt bin ich erst mal Mutter“, sagt Melat Yisak Kejeta. Deutschlands schnellste Marathonläuferin nach der Geburt ihrer Tochter Hermon am 7. Mai. 3300 Gramm wog das Mächen bei ihrer Geburt und macht aktuell nur ganz kleine Rundfahrten im Kinderwagen in Ahnatal, wo die für das Laufteam Kassel startende Kejeta lebt.

Höchstens zwei Kilometer ist die Kinderwagen-Runde lang, die Kejeta manchmal mit ihrer Tochter zurücklegt. „In Äthiopien geht man mit den Babys eigentlich die ersten drei Monate gar nicht nach draußen“, sagt die 29-jährige Kejeta, die seit rund acht Jahren in Deutschland lebt und vor gut zwei Jahren eingebürgert wurde. Nach drei Monate werden in Äthiopien die Babys üblicherweise getauft. Daher hofft Kejeta auch, im Juli oder August in ihre frühere Heimat zu ihrer Mutter nach Addis Abeba reisen zu können.

Aktuell lebt Kejeta in Ahnatal, dem Wohnort ihres im Oktober vergangenen Jahres verstorbenen Trainers Winfried Aufenanger. Zu ihm hatte sie zuletzt ausreichend Vertrauen aufgebaut, als es um die Gestaltung ihres Trainings ging. Während ihrer Aufenthalte in Kenia und Äthiopien fühlte sich die Langstrecklerin zwar an der Seite afrikanischer Spitzenläufer und Trainer gut betreut, aber in Nordhessen bildeten Aufenanger und das Laufteam Kassel ihre sportliche Heimat.

„Jetzt muss ich mich neu orientieren, was nicht einfach ist“, sagt Kejeta, die 2023 wieder in den Wettkampfbetrieb einsteigen möchte. Zusätzlich erschwert wird der Nationalkader-Athletin dabei das Fehlen einer optimalen und regelmäßigen physiotherapeutischen Betreuung wie sie beispielsweise an anderen Standorten in Deutschland durch den Deutschen Leichtathletik-Verband gewährleistet ist. Aktuell will sich Kejeta darüber aber keine Sorgen machen. Ihre Tochter Hermon steht im Vordergrund und bestimmt den Alltag. Mit der Kleinen spricht Kejeta Deutsch und natürlich auch Amharisch, die äthiopische Amtssprache. In Ahnatal lebt Kejeta inzwischen seit eineinhalb Jahren. Hier fühlt sich die Läuferin heimisch und schätzt auch den kleinen Garten, der zu ihrer Wohnung gehört. Im Moment nutzt die Läuferin die Pause vom harten Training auch, um ihrer strapazierten Achillessehne und ihrer Hüfte etwas Ruhe zu gönnen.

Aktuelle Pläne sind daher im Moment auch eher kurzfristig gehalten. Falls eine Reise zur eigenen Mutter nach Äthiopien nicht möglich sein sollte, soll ihre Tochter in einer äthiopisch-orthodoxen Kirche in Kassel getauft werden, hat Kejeta entschieden. Bis dahin wird die Leistungssportlerin während iher Mutterschaftspause weiter von der ebenfalls in Ahnatal lebenden Familie Aufenanger unterstützt. „Ich bin ihnen sehr dankbar und hoffe, dass ich auch mit ihrer Hilfe in den Wettkampfsport zurückkehren kann. Am liebsten mit Bestzeiten“, sagt Melat Kejeta. (Martin Scholz)

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