Athleten hin und her gerissen

Paukenschlag in der Leichtathletik: Marathon-Chef Aufenanger gründet neuen Verein - und verlässt PSV

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Die Förderung und Integration ausländischer Athleten liegt ihm am Herzen: Winfried Aufenanger mit Sewnet Asrat Ayano und Anbessajer Hagos Bisrat (rechts) – hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2016 noch in der Kleidung des PSV Grün-Weiß Kassel.  

Kassels Marathonchef Winfried Aufenanger ist nicht länger Trainer des PSV Grün-Weiß Kassel - er hat einen neuen Verein gegründet. Welche Athleten folgen, ist noch unklar.

Kassel. 42 Jahre sind eine lange Zeit. So lange hat Winfried Aufenanger als Trainer die Leichtathletik-Abteilung des PSV Grün-Weiß Kassel maßgeblich geprägt und mitgestaltet. Diese Epoche ist jetzt beendet. Aufenanger hat mit dem Laufteam Kassel einen neuen Verein gegründet. Die Details im Überblick.

Winfried Aufenanger, der Initiator

Bereits vor einigen Jahren hatte Winfried Aufenanger die Idee zu einem neuen Verein. „Unser Ziel ist es, die Leichtathletik noch intensiver zu fördern. Wir wollen den Breiten- und den Spitzensport weiterentwickeln“, sagt der 71-Jährige, den auch eine Krebserkrankung nicht in seinem Engagement behindert

Auch die Förderung von Asylbewerbern und die Integration derselben liege ihm am Herzen. „Immer wieder konnte ich sehen, wie Ausländer über den Sport in Deutschland Fuß gefasst haben. Diese Menschen möchte ich weiter beitragsfrei im Verein aufnehmen“, sagt Aufenanger, der Wert darauf legt, sich nicht im Streit vom PSV zu trennen. 

Ebenfalls unangetastet von seinem Engagement als Trainer für das neue Laufteam, bleibt seine Arbeit für den EAM Kassel Marathon, den er seit 2007 organisiert (hier sind fünf Gründe, warum der Kasseler Marathon besser ist als der in Berlin).

Der PSV Grün-Weiß Kassel

Der PSV GW Kassel (Polizei-Sportverein Grün-Weiß Kassel e.V.) ist ein im Jahr 1921 in Kassel gegründeter Sportverein. In dem Verein sind heute rund 1200 Mitglieder, darunter mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche, in acht Abteilungen aktiv. 

Dr. Thomas Hahn, Abteilungsleiter der Leichtathletiksparte, will wie Aufenanger nicht von einem Streit sprechen. „Hier und da habe es lediglich mal kleine Differenzen gegeben“, sagt der Bauingenieur. Im Vorstand wolle man nun erst einmal die Entscheidung der Athleten abwarten. 

Problematisch ist aus Hahns Sicht allerdings der mannschaftliche Aspekt: „Der PSV hat sich deutschlandweit auch wegen seiner herausragenden Teamleistungen als Marke in der Leichtathletik etabliert. Es wäre ein Verlust für alle, wenn diese Mannschaften jetzt zerbrechen“, befürchtet der 60-Jährige.

Leichtathletik-Verein Laufteam Kassel

Der neue Verein soll den Breiten- und Spitzensport fördern und Asylbewebern die kostenfreie Möglichkeit bieten, Sport zu treiben. Weitere Standbeine sollen die Jugendförderung im Laufbereich sowie Walking sein. Die neuen Vereinsfarben werden voraussichtlich Orange und Schwarz werden. 

Athleten, die im kommenden Jahr für das Laufteam starten wollen, müssen sich bald entscheiden: bis Ende November muss der neue Startpass beim Hessischen Leichtathletikverband beantragt sein. Aufenanger befindet sich derzeit auf Sponsorensuche für die Ausstattung der neuen Mitglieder.

Die Athleten

Einige PSV-Athleten wie die W45-Läuferin Sandra Morschner haben sich bereits für Aufenanger und das Laufteam Kassel entschieden. 

Jens Nerkamp

Andere, wie Leistungsträger Jens Nerkamp, sind sich noch unschlüssig: „Ich hatte nie Probleme mit dem PSV, aber Winfried Aufenanger ist mein Trainer. Bei mir gibt es eine Tendenz, ihm zu folgen, aber ich will auch mit der Mannschaft weiter erfolgreich sein. Für Sonntag habe ich daher alle PSV-Mitglieder zu einem gemeinschaftlichen Gespräch eingeladen“, sagt der 29-Jährige. 

Da hofft Nerkamp auch auf die Teilnahme des PSV-Vorstandes, „denn eigentlich müssten die jetzt aktiv werden.“

Aufenanger spielt ein gewagtes Spiel, findet HNA-Redakteur Martin Scholz. Hier lesen Sie seinen Kommentar zur neuen Entwicklung.

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